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19. Juni 2017

Fast 70 Bienenvölker in Eichstetten

Anlässlich der Saisoneröffnung des Samengartens informieren Anouk Hermant und Wilhelm Rinklin über die Imkerei.

  1. Öko-Imker Werner Rinklin (rechts) informierte die Besucher des Eichstetter Samengartens über die Wichtigkeit der Bienenhaltung. Foto: Horst David

  2. Foto: Horst David

EICHSTETTEN. Um Heilkräuter ging es bei der Saisoneröffnung im Samengarten Eichstetten. Ein weiterer Schwerpunkt waren Bienen und ihre Bedeutung für Natur und Landwirtschaft. An einer Führung, die Nachwuchsimkerin Anouk Hermant und Wilhelm Rinklin leiteten, nahmen etwa 20 Interessierte teil.

Hermants Bienenstand befindet sich ganz in der Nähe des Samengartens. Anhand eines geöffneten Bienenvolkes erklärte sie das Wesen eines Bienenvolkes und informierte über den für eine Bio-Imkerei erforderlichen Naturwabenbau. Werner Rinklin, Imker und Mitinitiator und -stifter des Eichstetter Samengartens, erklärte den Schwarmtrieb eines Bienenvolkes. Rinklin hat langjährige Erfahrung als Imker und ist bereits 1983 der Initiative Bioland beigetreten. Mitte der 80er Jahre habe es erste Biorichtlinien für den Weinanbau gegeben und erst Mitte der 90er Jahre die ersten entsprechenden Vorgaben für die Bienenzüchtung, erklärte Rinklin. In Eichstetten wird ihm zufolge etwa ein Viertel der Fläche nach Biorichtlinien bewirtschaftet. Sechs Imker kümmern sich in Eichstetten um 60 bis 70 Bienenvölker. Er allein habe derzeit etwa zehn. Der von ihm produzierte Bio-Honig trage das Ökosiegel.

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Rinklin referierte nicht nur, sondern ging auch auf die Fragen der Zuhörer ein und betonte die Wichtigkeit der Bienenhaltung. Nach Schwein und Rind sei die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier in der deutschen Landwirtschaft. Der Nutzen eines Bienenvolk beziehungsweise dessen Bestäubungsleistung habe für die Natur und die Allgemeinheit den 15- bis 18-fachen Wert, gemessen am Ertrag für die Imker. 75 bis 80 Prozent der Nutzpflanzen in Deutschland wären auf die Bestäubung von Insekten angewiesen, so Rinklin. Immer wieder weist er auf einen wichtigen Satz hin: "Wo die Bienen nicht mehr leben können, fängt die moderne Wüste an."

Ein großes Thema ist Rinklin zufolge die Bienengesundheit. Bienenvölker können von der sogenannten Varroamilbe befallen werden. Die Krankheit heißt Varroose (früher Varroatose). In Österreich ist die Varroose anzeigepflichtig, in der Schweiz meldepflichtig. In Deutschland jedoch wird von einer Anzeige- oder Meldepflicht abgesehen. Varroose ist ansteckend unter Bienen und kann zu Völkerzusammenbrüchen in der Umgebung führen. Deswegen sei nur eine Bekämpfung in der Fläche wirkungsvoll, so Rinklin. Bereits früher war im Winter ein Verlust von zehn bis zwölf Prozent eines Bienenvolkes durch Varoose möglich. Durch die Varroose-Seuche können bis zu 80 Prozent eines Volkes sterben. Diese Völker fehlen dann – es gibt keine Bestäubung und keinen Honig – und müssten ersetzt werden, so Rinklin.

Bei der Behandlung von Varroose gäbe es keinen großen Unterschied zwischen den biologischen oder konventionellen Methoden. Gute Erfolge habe man mit organischen Säuren wie Ameisensäure (Erstbehandlung von Jungvölkern im Sommer), Milchsäure (bei Ablegern im Winter) oder Oxalsäure (Restentmilbung im Winter).

Autor: Horst David