Tomate ist nicht gleich Tomate

Horst David

Von Horst David

Sa, 25. August 2018

Eichstetten

Großes Interesse an Führung im Eichstetter Samengarten.

EICHSTETTEN. Drei öffentliche Führungen mit Schwerpunkt Tomaten gab es im Samengarten in Eichstetten am Ende des Oberdorfes durch die Mitarbeiterinnen der "Stiftung Kaiserstühler Garten", Monika Witte und Judith Trefzger. Da so viele Gäste eintrafen, wurden jeweils pro Führung zwei Gruppen gebildet. Bei der ersten Führung um 12 Uhr nahmen bereits zirka 80 Leute teil.

Tomaten sind sehr vielfältig. Es gibt sie in grün, rot und schwarz, fleischig, rund, groß oder klein, gerippt, oval und auch ganz winzig. Bekannt seien etwa zehn Wildformen der Tomaten, und bis zu 10 000 Sorten, erklärt Monika Witte den interessierten Besuchern.

Im Samengarten reifen vor allem alte Sorten

Im Samengarten in Eichstetten werden etwa 50 verschiedene Tomatensorten gezüchtet, meistens alte Sorten, und je acht Stöcke von jeder Sorte, entweder frei oder bedacht. In Eichstetten zu kosten waren Cocktail-, Fleisch-, Wild-, Flaschen- und Buschtomaten, aber auch normalfrüchtige Tomaten wie Nectar Rose, Tondo Gallio, Ambre, Bella Donna und die Early Yellow Striped Tomato.

Das Highlight des Jahres seien aber die alten Sorten, so Witte. Sie schmeckten noch richtig, anders als die Hybridtomaten aus Spanien und Holland. Diese wären so fest, dass sie, selbst aus einem Meter Höhe fallend, nicht zerplatzen würden, so Witte.

Die Tomaten im Samengarten Eichstetten werden bewusst nicht gegossen, um sie zu erziehen, starke Wurzeln nach unten zu entwickeln. Gedüngt wird bloß mit Heu am Fuße der Tomaten. Das Heu dient gleichzeitig als Unkrauthemmer. Die Tomaten werden dann der Gärtnerei Querbeet abgegeben, und aus den Samen werden im Samengarten neue Tomaten gezogen. Die Wildtomaten wachsen am Boden und bräuchten daher eigentlich keinen Stock, erklärt Monika Witte. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Tomate als Kulturpflanze in Deutschland bedeutend.

Blütenendfäule deutet auf fehlendes Kalzium hin

Im Samengarten Eichstetten werden alte Tomatensorten gezogen, die hitzetolerant und infektionsresistent sind. Die aktuell auftretende Blütenendfäule der Tomate sei eine Ernährungskrankheit, da wegen der Hitzewelle der Nährstoff Kalzium im Boden von den Pflanzen nicht mehr so gut aufgeschlossen werden könne, war zu erfahren.

Monika Witte empfahl den Besuchern besonders drei Tomatensorten: die rosarote "Rose von Bern", die toll schmeckende gelbe "Ananastomate" und als Kuriosum die auslaufende "Reisetomate", die allerdings geschmacklich nicht so überzeuge. Allerdings konnten bei dem Aktionstag auch Tomaten fast aller 50 Sorten verkostet und ihre Samen gekauft werden.