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14. Juni 2012

Ein Eldorado für Geologen

Professor Wolfhard Wimmenauer referierte in Niederrotweil über die Entstehung des Kaiserstuhls.

  1. Auch am Breisacher Rheintor sind Kaiserstühler Vulkangesteine verbaut. Wie das Material einst entstand, wussten die Steinmetze jedoch noch nicht. Foto: Benjamin Bohn

VOGTSBURG-NIEDERROTWEIL / BREISACH / KAISERSTUHL. Rund um die Geologie und Mineralogie der Region ging es jüngst beim Vortrag "Entstehung des Kaiserstuhls", den der Freiburger Professor Wolfhard Wimmenauer im Niederrotweiler Gasthaus "Zum Kaiserstuhl" hielt. Eingeladen hatte der Heimat- und Geschichtsverein Oberrotweil zu dem Referat des profunden Experten.

Mit Wolfhard Wimmenauer pflegt der Geschichtsverein seit langem ein gutes Verhältnis. Bereits 2010 arbeiteten die Oberrotweiler mit dem Freiburger Professor zusammen, der im Herbst des Jahres im Wachthiisli über die Tephrite des Steingrubenbergs referierte. Schon damals stieß sein Wissen auf großes Interesse. Auch zum letzten "Teil der Vortragstriologie" konnte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Axel Killian, zahlreiche Interessierte begrüßen.

"Der Kaiserstuhl ist eine recht junge Bildung", betonte Wimmenauer. "Ich stelle mir vor, dass es eine Gruppe mehrerer Vulkane am Kaiserstuhl gab." Das vulkanische Gestein sei vor 17 bis 16 Millionen Jahren durch zahlreiche Vulkanausbrüche entstanden. "Das ist ein sehr junges Alter aus geologischer Sicht." Besonders die Vielzahl verschiedener magmatischer Gesteinsarten zeichne den Kaiserstuhl aus und ziehe immer wieder Geologen in die Region.

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Der Referent stieg mit einer Karte des Kaiserstuhls in den Vortrag ein. Anhand verschiedener Farben stellte sie unter anderem große Tuffablagerungen und Karbonatit im Zentrum des Kaiserstuhls dar. Außerdem kommt auch Phonolith in der Region vor, das Wimmenauer beispielsweise in Niederrotweil und Bötzingen lokalisierte, wo Steinbrüche waren oder noch betrieben werden.

Vulkanische Gesteine dienten im Mittelalter als Baumaterial und Werkstoff. Als Beispiel führte der Experte hierfür das Taufbecken in der Burkheimer Pankratiuskirche an. Es sei sehr gut erhalten und bestehe aus vulkanischem Tuff. "Das Taufbecken war offenbar ein Monolith", schätzt Wimmenauer. Die Verzierungen des Beckens zeugen davon, dass die Menschen damals schon gut mit dem Material umgehen konnten. "Dass das ein Vulkangestein war, wussten sie jedoch nicht", machte der Fachmann für Geologie deutlich. Als weiteres Beispiel, wie vulkanischer Tuff vom Kaiserstuhl eingesetzt wurde, zeigte er ein Foto von Kanonenkugeln, die in Breisach entdeckt wurden.

Schon im Mittelalter nutzten die Menschen Vulkangesteine

Auch in der Zeit des Barocks arbeiteten die Baumeister mit Vulkantuffen vom Kaiserstuhl. Ein reich verziertes Bauwerk dieser Zeit sei das Breisacher Rheintor, an dem eine Vielzahl verschiedener Steine verwendet worden sei. Aber auch die Steinmetze, die am Breisacher Rheintor um 1678 beschäftigt waren, wussten noch nicht, wie die Steine entstanden sind, mit denen sie arbeiteten.

Erst der Jesuit Athanasius Kirchner hatte im 17. Jahrhundert eine Vorstellung von Vulkanen, die ihr Magma aus unterirdischen magmatischen Herden beziehen. Davon zeugt eine Darstellung in dessen Buch über die unterirdische Welt, schilderte Wimmenauer. Dem Kaiserstühler Vulkan kam der Straßburger Naturwissenschaftler Philippe-Frédéric Baron de Dietrich auf die Schliche. Er reiste mehrfach in den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts in die Region. Dabei habe er entdeckt, dass der Kaiserstuhl ein erloschener Vulkan war, informierte der Freiburger Professor.

Allerdings wollten ihm viele Gelehrte nicht folgen und suchten nach anderen Erklärungsmodellen, wie die vulkanischen Gesteine entstanden sein konnten. So erkannte beispielsweise der erste Freiburger Professor für Geologie, Carl Fromherz, die Gesteine als magmatisch an, glaubte jedoch nicht an ihren vulkanischen Ursprung. Er verfolgte die Theorie, dass sie aus Quellen abgelagert wurden. "Es war wieder hoch spannend", lobte Axel Killian den Referenten und dankte ihm für seinen informativen Vortrag.

Autor: Benjamin Bohn