Rotary Club

Ein Jahr Governor beim Rotary Club: Lahrer Wilfried Gehart zieht Bilanz

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Mi, 13. Juni 2018 um 16:47 Uhr

Lahr

Der erste Breisgauer Governor des Rotary Distrikt Südwest 1930 ist ein Wahl-Lahrer: Wilfried Gehart übt das Amt seit Juli 2017 aus. Kurz vor Ende seiner Dienstzeit zieht er Bilanz.

Der erste Breisgauer Governor des Rotary Distrikt Südwest 1930 ist ein Wahl-Lahrer: Wilfried Gehart übt das Amt seit Juli 2017 aus. Kurz vor Ende seiner Dienstzeit – die Amtsinhaber werden nach dem Rotationsprinzip jedes Jahr ausgetauscht – zieht der gebürtige Österreicher Bilanz und erklärt, was ihn antreibt.

In Österreich aufgewachsen, in Wien und Sydney studiert, lange Zeit in Hamburg gelebt und viele Jahre von dort aus in den Süden gependelt: Wilfried Gehart ist in seinem Leben schon viel rumgekommen. Müde ist der 69-Jährige deswegen noch lange nicht. Neben seiner Tätigkeit als Distriktgovernor unterrichtet er Kinder mit Migrationshintergrund ehrenamtlich in Mathematik, recherchiert als Mitglied einer Historikerkommission zur Geschichte der Rotary Clubs während der Nazizeit – und spaziert regelmäßig mit seinen beiden Doggen über den Schutterlindenberg.

Eigentlich ist Gehart auch noch selbstständiger Unternehmensberater. Für seine Zeit als Distriktgovernor hat er sich ein Sabbatical genommen, wie er sagt. "Es ist ein Fulltime-Job", beschreibt er die ehrenamtliche Tätigkeit für den Rotary Club.

64 Clubs betreut Wilfried Gehart

Von Montag bis Freitag besucht der studierte Maschinenbauer, der seit 2008 mit seiner Ehefrau in Lahr lebt, die Clubs in ganz Baden-Württemberg. 64 sind es im ganzen Distrikt, den er betreut. Allein im ersten halben Jahr seiner Tätigkeit hat er innerhalb der "badischen Banane", wie die Rotarier das Distrikt wegen seiner Form auch bezeichnen, 20 000 Autokilometer zurückgelegt.

Nachts und am Wochenende bereitet Wilfried Gehart die Besuche vor, informiert sich über die Mitgliederzahl in den Ortsvereinen, über die Jugendarbeit und überprüft, ob die Internetauftritte aktualisiert wurden. In Vorträgen vor den Rotariern bewirbt Gehart Projekte, die er vorantreiben will. Allen voran: Ein Programm zur Bekämpfung von Polio, der Kinderlähmung.

Alles begann mit dem Polio-Projekt "End Polio Now"

Es war das Polio-Projekt, das Gehart zu seiner Position als Distriktgovernor gebracht hat. 2007 war er aus beruflichen Gründen an den Kaiserstuhl gezogen. Der Leiter des dortigen Rotary Clubs bat ihn damals um Mithilfe bei der Kampagne "End Polio Now". Denn die Unterstützungsbereitschaft für das 1979 ins Leben gerufene Projekt ließ nach. Gehart nahm sich der Sache an, redete mit Rotariern, machte Werbung. Sein Gesicht war bald auch außerhalb des Rotary Clubs Emmendingen-Breisgau bekannt. Und als es im vergangenen Jahr darum ging, den neuen Governor des Distrikts 1930 zu wählen, fielen die Blicke auf ihn.

"Es geht nicht nur darum, Gutes zu tun – man muss auch darüber reden."Wilfried Gehart
Drei "operative Ziele" hat sich der Vater von zwei erwachsenen Kindern für seine Amtszeit gesetzt: Das Polio-Projekt zu stärken, den Jugendaustausch zwischen Rotary Clubs in Deutschland und anderen Ländern zu fördern und 3500 Bäume für den Klimaschutz zu pflanzen.

Eine zufriedenstellende Bilanz

Ob ihm das gelungen ist? Gehart ist zufrieden mit der Bilanz seiner Amtszeit. Die Zahl der von Rotary Clubs organisierten Jugendaustausche kann im kommenden Jahr verdoppelt werden. Außerdem seien inzwischen nicht nur 3500, sondern ganze 7000 Bäume gepflanzt worden. Das ist wohl auch Geharts Hartnäckigkeit zu verdanken. Als er in Wolfach eine Baumpflanzaktion vorschlug, wies man ihn direkt ab: "Da musste ich erstmal schlucken."

Doch er gab nicht auf, fuhr nach Freiburg, sprach mit dem Regierungspräsidium, später mit Forstämtern. Am Ende wurden vielerorts Bäume gepflanzt, in Ravensburg, in Ettenheim und auch in Herbolzheim. Meist war Gehart dabei. "Ich habe selbst den Spaten geschwungen und mir auch die Schuhe schmutzig gemacht", sagt er. Wenn er keine Bäume pflanzt oder Projekte bewirbt, organisiert Gehart Rotariertreffen, klappert Vorstandssitzungen ab und kümmert sich um die Verwaltung von Finanzmitteln. Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch die Verjüngung der Rotary Clubs. Der Distrikt 1930 ist mit einem Durchschnittsalter der Mitglieder von 65 Jahren der älteste bundesweit. In Wolfgang Geharts Augen braucht es eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, um Jüngere anzuziehen. "Es geht nicht nur darum, Gutes zu tun – man muss auch darüber reden."

Bis Ende Juni ist Wolfgang Gehart noch Distriktgovernor, bis Juli 2019 wird er noch das Amt des Past-Governor innehaben. Dem Rotary Club will er auf jeden Fall noch einige Jahre treu bleiben – ob als Governor oder als einfaches Mitglied.
Der Rotary Club

Rotary International ist eine weltweite Organisation von mehr als 35 400 Rotary Clubs, in denen sich 1,2 Millionen Männer und Frauen gemeinnützig engagieren. Der erste Rotary Club wurde 1905 im amerikanischen Chicago von einem Rechtsanwalt, einem Kohlenhändler, einem Textilkaufmann und einem Bergbauingenieur gegründet. Kern des Clublebens sind wöchentliche Treffen mit Vorträgen und Diskussionen über gesellschaftliche Themen sowie der Planung von Projekten im Bereich humanitäre Hilfe, Jugendförderung und internationale Verständigung. Dabei arbeitet Rotary mit internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder Unicef zusammen. Finanzielle Unterstützung erfährt die Organisation von Förderern wie Bill Gates. 2017 haben die Rotarier weltweit rund eine Milliarde US-Dollar für die Unterstützung humanitärer Aufgaben bereitgestellt. Die Rotary Organisation Deutschland gliedert sich in 16 Distrikte und umfasst derzeit 1082 Clubs mit insgesamt 56 000 Mitgliedern. Der Rotary Distrikt 1930 Südwestdeutschland erstreckt sich von Bruchsal im Norden bis nach Lörrach im Süden; die östliche Grenze verläuft zwischen Ulm und Lindau. Der Distrikt umfasst 64 Clubs mit insgesamt 3500 Mitgliedern.