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22. Juni 2012

Ein neuer Pilz bedroht Fischbestände in der Birs

Fischerverein hat den Verkauf von Tageskarten gestoppt, um die Ausbreitung zu bremsen / Aggressiver Pilz wütet bereits im Doubs.

  1. Ein aggressiver Pilz bedroht die Äsche und andere Fische, nun auch in der Birs. Foto: ZVG

LAUFEN. Ein parasitärer Pilz, der im Doubs schwere Fischsterben ausgelöst hat, ist auch in der Birs im Baselbiet aufgetaucht. Um seine Ausbreitung zu bremsen, hat ein Fischerverein den Verkauf seiner Tageskarten gestoppt.

Im Bereich der französisch-schweizerischen Grenze sterben im Doubs seit 2009 Forellen, Äschen und Grundeln an einer aggressiven Pilzerkrankung. 2011 trat sie auch an der Sorne auf, die nicht mit dem Doubs verbunden ist und bei Delsberg in die Birs mündet. Die vom Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit der Untersuchung betraute Universität Neuenburg hat den Erreger als neue Variante des bekannten Pilzes Saprolegia Parasitica identifiziert. Die Uni schließt nicht aus, dass ein alter Saprolegia-Stamm wegen veränderter Umweltbedingungen mutiert ist.

Der Fischkiller-Pilz könnte laut der Uni aber auch eingeschleppt worden sein, zum Beispiel an Schuhwerk von Fischern oder Wanderern, an Kanus, Köderfischen oder durch die Landwirtschaft. 2012 wurden nun auch in in der Areuse und Birs befallene Fische mit den Doubs-typischen Symptomen festgestellt; der Pilz-Nachweis steht da indes noch aus.

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Seit der Uni-Mitteilung vor drei Wochen sind Fischer an der Birs, die bei Basel in den Rhein mündet, beunruhigt. Die Birs ist schon belastet mit chemischen Chlorverbindungen aus der PCB-Familie. Deshalb gelten dort schon Fangbeschränkungen. Im Doubs hat der neue Pilz nun auch ein Äschen-Fangmoratorium ausgelöst.

Der Laufentaler Fischerverein FIPAL will nicht warten, bis die Behörden der Birs-Anliegerkantone einen Handlungskatalog ausgearbeitet haben: Er hat den Verkauf von Tages-Fischerkarten gestoppt, damit keine Gastfischer den Pilz ausbreiten, wie ein FIPAL-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagetnur sda sagte. Zudem will der Verein heute einen Desinfektionsplatz einrichten, damit Mitglieder vor den Ferien ihre Unterfangnetze, Stiefel, Rutengriffe und mehr säubern können. Solche Maßnahmen stehen den Vereinen frei, wie der Baselbieter Fischereiaufseher Daniel Zopfi sagt. Desinfektion dürfte auch auf der Behörden- Liste stehen.

Schon das Umweltamt empfahl nach dem Befund die Desinfektion von Fischereigerät, das in Gewässern mit dem Pilz benutzt wurde. Die Kantone Jura, Bern, Solothurn und beide Basel prüfen laut Zopfi auch Verbote von Filzsohlen an Fischerstiefeln oder von Transportbehältnissen für lebende Fische. Zopfi spricht zwar von einer "Bedrohung" der Birsfische, will aber keine Panik aufkommen lassen. Ein Merkblatt soll noch vor den Ferien bereit sein. Man richte sich an Fischer, weil diese potenziellen Pilz-Verbreiter über die Vereine gut ansprechbar seien – Badende und andere Bachbesuchende sind es weniger.

Laut dem Fischereiaufseher des Stadtkantons, Hans-Peter Jermann, planen die Behörden entlang der Birs einheitliche Maßnahmen. Die FIPAL begrüßt das, seien doch Gastfischer, die keine Tageskarte bekommen hatten, einfach an andere Birsstrecken ausgewichen. Der Tageskarten-Stopp ist für den Laufentaler Verein ohnehin keine Dauerlösung: Mit bis zu 800 verkauften Karten im Jahr nimmt er rund 12 000 Franken ein. Gelingt es, die Pilz-Ausbreitung zu bremsen, hofft die FIPAL auf eine Immunisierung ihrer Fischbestände und bestenfalls überschaubare Schäden.

Autor: Roger Lange, sda