Ein riesiger Spielplatz

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 25. September 2017

Freiburg

Beim Weltkindertag im Seepark gab es viele Mitmachaktionen aber auch Infos zu Kinderrechten.

Gestern wurde der Seepark zum Riesenspielplatz: Beim jährlichen Weltkindertag stehen die Mitmachaktionen im Mittelpunkt, doch es gibt immer auch viele Infos zu den Rechten von Kindern und Jugendlichen. Und an diesem Wahltag forderte Andrea Wagner vom städtischen Kinderbüro, die den Weltkindertag zusammen mit Michaela Moser vom Verein "Kinderstadt" organisiert: Nicht nur Jugendliche, auch Kinder sollen möglichst früh mitentscheiden und Demokratie lernen können.

Überall leuchtet es rot. Das liegt an Matthias Wölke: Der Marketing-Mann der Freiburger Verkehrs AG pumpt rote Luftballons auf. Manche holen gleich mehrere ab, so wie Isaiha (10), der noch seine Cousine Sienna (3) und seine Schwester Jolin (6) mitversorgt. Rund 2000 Ballons schaffen die zwei Gasflaschen von Matthias Wölke. Für die VAG seien die Ballons eine "einfache, günstige und nachhaltige" Art, aufzufallen, sagt er.

Auch die Polizei muss nicht viel tun: Es genügt, die Tür eines Polizeiautos zu öffnen und alle nacheinander kurz ans Steuer sitzen zu lassen. Mailo (7) sitzt grade drin, mit Polizeihelm auf dem Kopf. Wie ist das? "Cool", findet er. Weiter vorn am See tragen Jan (14), Kim und Nicolai (beide 12) auch Helme, aber andere: Sie sind bei der Jugendfeuerwehr Lehen und üben jeden Freitag, wie Brände gelöscht werden. Bei ihnen geht’s ähnlich zu wie bei den Erwachsenen, erzählt Jan, sie bilden Truppen, die für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind. Zurzeit sind sie sieben Jungs und zwei Mädchen und könnten Neue brauchen. Bei der Feuerwehr hat man Spaß, findet Nicolai: "Mir gefällt es, mit Wasser herumzuspritzen. Und wir wollen Menschen retten." Hüpfburgen, Mal- und Bastelaktionen und die Angebote der "Spielkarre" vom Verein "Spielmobil" locken überall Kinder an.

Auch Amnesty International und Unicef informieren

An den Infoständen geht’s um ernstere Themen: Unter anderem informieren Amnesty International und "Unicef" über die weltweite Situation von Kindern, und bei der Gruppe von "Terre des hommes" können Kinder auswählen, welches der Kinderrechte für sie besondere Bedeutung hat. Osaze (8) entscheidet sich für das Recht auf Privatsphäre. Das sei für viele Kinder in Freiburg nicht umsetzbar, sagt Osazes Mutter: "Im teuren Freiburg kann man sich ja keine Wohnung leisten, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer hat." Osaze teilt sich sein Zimmer mit seinem vierjährigen Bruder, das finden beide Jungs blöd. Sie haben viel zu wenig Platz.

Besonders schwierig ist der Alltag für viele Kinder, auf die der Stand des "Modellprojekts Arbeit mit Kindern von Suchtranken" hinweist: Am "Maks"-Stand hängen Bilder, zum Beispiel von einem Jungen, der eine weinende Sonne und daneben eine Alkoholflasche gemalt hat. Er lebt mit seinem alkoholkranken Vater zusammen und schreibt, dass es ihn traurig macht, wenn sein Vater trinkt, weil das ihn sehr verändert. Die Zahl der Kinder, die "Maks" erreicht, steigt, sagt die Heilpädagogin Johanna Scheffel: "Trotzdem erreichen wir nur die Spitze des Eisbergs."