Zisch-Schreibwettbewerb Herbst 2018

Eine außergewöhnliche Freundschaft

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 01. Dezember 2018

Schreibwettbewerb

Von Iliana Kolano, Klasse 4b, Grundschule Vorderes Kandertal, Eimeldingen.

Es war Winter in einem kleinen Dorf in Schweden. Simon war ein schüchterner Junge, dessen Vater vor zwei Jahren plötzlich verschwand. Seitdem musste seine Mutter sehr viel arbeiten, um Essen, die Miete und alles andere zu bezahlen. In der Schule wurde Simon nur gehänselt und geärgert. Als er eines Tages nach Hause kam, baute er für seine Mutter in ihrem Garten einen Schneemann. Es wurde sehr spät und der Mond stand schon am Himmel, als Simon am Fenster stand und wartete. Als er die vielen Sterne sah, wünschte er sich sehnlichst einen Freund. Er bemerkte nicht, dass genau in diesem Augenblick eine Sternschnuppe vom Himmel fiel und dem Schneemann ihren Glitzerstaub in die Augen wehte. Als Simon sich vom Fenster wegdrehte, rieb der Schneemann sich die Augen.

Am nächsten Morgen merkte Simon, dass er auf dem Sofa eingeschlafen war. Auf dem Tisch lag ein Zettel. Auf diesem stand, dass seine Mutter spät nach Hause kam und heute Morgen gleich wieder zur Arbeit musste. Simon war enttäuscht. Er wollte seiner Mutter doch den Schneemann zeigen. Der Junge machte sich auf den Weg zur Schule. Als er das Haus verließ, formte er einen Schnellball und warf ihn dem Schneemann an den Kopf.

Er wollte gerade das Gartentor aufmachen, da traf ihn ebenfalls ein Schneeball am Kopf. Simon drehte sich um. Doch da war niemand. Da traf ihn schon wieder ein Schneeball am Kopf. Wütend schrie er auf, als er sah, dass ein Schneemann mit einem weiteren Schneeball auf ihn zukam. Der Schneemann blieb stehen und sagte: "Was du kannst, kann ich schon lange." Simon starrte sprachlos den Schneemann an. Bevor er was sagen konnte, hatte er einen dritten Schnellball im Gesicht."Du bist der Schneemann, den ich gebaut habe!", stotterte Simon. "Wie geht das?" Da antwortete der Schneemann: "Und du bist der Junge, der mich gebaut hat?" "Findest du das lustig?", fragte Simon verwirrt. "Lustig ist lustig", rief der Schneemann und warf weitere Schneebälle. Simon wehrte sich und es begann eine wilde Schneeballschlacht. Plötzlich fiel Simon die Schule wieder ein. Als er im Klassenzimmer ankam, traute er seinen Augen nicht, denn neben seinem Platz am Fenster schaute ihn ein sehr bekanntes Schneegesicht mit Knopfaugen an. Simon gab ihm wilde Zeichen mit den Händen, dass er sich verstecken sollte. Doch es war zu spät, alle Schüler starrten den Schneemann schon an. "Wer hat denn den tollen Schneemann gebaut?", rief ein Mädchen. Als Simon sich vorsichtig zurückdrehte, stand da nur ein starrer Schneemann, und er war erleichtert darüber, dass es keiner von seinen Mitschülern bemerkt hatte. In der großen Pause lief Simon unauffällig zu seinem Schneemann.

"Boah", kam plötzlich eine Stimme von hinten. "Hast du diesen wunderschönen Schneemann gebaut?" Erschrocken drehte Simon sich um und entdeckte Mailin, die erst kürzlich hierher gezogen war. "Ehm, ja, danke", murmelte Simon verlegen. Hüpfend lief sie zum Pausenhof zurück. "Also die gefällt mir", grinste der Schneemann. Simon rollte mit den Augen und fragte: "Wie bist du eigentlich entstanden?" "Na ja, ein leuchtender Knopf fiel vom Himmel und hat mir was in die Augen gespritzt", sagte der Schneemann. Simon machte sich auf den Weg zur Schulbibliothek. Er wollte dort recherchieren, wie es sein konnte, dass Sternenstaub einen Schneemann zum Leben erwecken konnte. Aber er fand nichts und gab sich damit zufrieden, dass diese bestimmte Sternschnuppe Superkräfte hatte.

Später ging er, verfolgt vom Schneemann, nach Hause. Dort wartete Mailin auf ihn. "Hey," begrüßte sie ihn lässig. Simon wollte nicht über den Schneemann reden und fragte Mailin schnell nach dem Mathetest. Den ganzen Nachmittag quatschten und spielten sie. Am Abend war Simon noch lange im Garten bei seinem neuen Freund. "Darf Mailin dich kennenlernen?", fragte Simon. Der Schneemann überlegte und sagte schließlich: "Wenn andere Menschen kommen, dann erstarre ich automatisch. Ich glaube, das sollte lieber ein Geheimnis bleiben."

Ein paar Tage später, an einem Samstag, wurde Simon von Vogelgezwitscher geweckt. Er stand auf und blickte durch sein Fenster, dann sah er den Schneemann stolz im Garten stehen. Weiter hinten am Zaun erspähte er eine Gestalt. Simon rannte freudig die Treppe runter. Er schnappte Jacke und Schuhe, riss die Tür auf und lief winkend an seinem Schneemann vorbei. Mailin fragte verwundert: "Wie ist denn der Schneemann von der Schule in deinen Garten gekommen?""Das ist eine lange Geschichte", antwortete er und sie liefen los.

Was Simon nicht bemerkte, war, dass die ersten Strahlen der Frühlingssonne das linke Knopfauge des Schneemannes langsam zum Runterrutschen brachten. Als Simon gegen Abend glücklich nach Hause kam, suchte er vergeblich nach seinem Freund. Schließlich blieb vor einem kleinen Schneehaufen stehen. Er sank auf die Knie und Tränen rollten ihm übers Gesicht. "Wie konnte ich dich nur deinem Schicksal überlassen?", schluchzte Simon. Plötzlich hörte er einen zarten Windhauch und die Stimme seines Freundes flüsterte ihm zu: "Egal was passiert, ich werde in deinem Herzen bleiben." Da wurde Simon bewusst, dass die Superkraft nicht in der Sternschnuppe steckte, sondern allein in seinem Wunsch.

Die ungekürzten Texte gibt’s auf http://www.bzetti.de / "Schreibwettbewerb

"