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02. Oktober 2015

"Wenn ich tanze, bin ich jemand"

Die 22-jährige Brenda Kawala aus Uganda leitet im Werkraum Schöpflin einen Tanzworkshop / In Afrika ist lernen dürfen ein Privileg.

  1. Brenda Kawala Foto: Ruda

LÖRRACH. Wie weit das Engagement des Projekts "Rainbow House of Hope" für seine Schützlinge geht, das in Kooperation mit dem Werkraum Schöpflin gerade eine Reihe zum Thema "Africa meets Europe" veranstaltet, zeigt die Tatsache, dass der Projektleiter Michael Mwase als Tanz-Workshopleiterin Brenda Kawala aus Kampala mitgebracht hat. Die 22-Jährige ist ein echtes "Kind" des Projekts, das sich die Bekämpfung von Armut durch Bildungsangebote für die junge Generation auf die Fahnen geschrieben hat.

Noch nie zuvor hatte die junge Frau auf einer Rolltreppe gestanden, wie sie es bei ihrer Ankunft in Deutschland auf dem Flughafen tun musste. Ganz schön peinlich sei es ihr gewesen, als sie sich zuerst nicht recht traute, doch dann habe sie allen Mut zusammengenommen und ihren Fuß auf die metallene Stufe gesetzt und gesagt: "Okay, ich bin da!"

In diesem Satz und wie Brenda Kawala ihn sagt, liegt große Kraft. In ihrem Leben, so erzählt die junge Frau, hätte alles auch ganz anders kommen können, wenn sie nach der Highschool die Bahn eingeschlagen hätte, der für viele Kinder in Uganda vorgezeichnet ist. Für sie als das Sechste von 13 Kindern ihres Vaters fehlte das Geld für die Universität. Sie sollte heiraten – möglichst einen reichen Mann. Doch sie hatte andere Pläne, floh bei Nacht und Nebel zu ihrer Tante nach Kampala und nahm einen Job als Putzfrau in einer Pharma-Firma an.

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Jeden Feierabend konnte sie hören, wie aus dem benachbarten House of Hope Musik nach draußen drang. Das zog sie magisch an, da sie sich schon immer für Musik und Tanz interessiert hatte. Eines Tages nahm sich Brenda ein Herz und spürte den Klängen nach. Sie fand Michaels Büro und damit die zweite Chance, in ihrem Leben durchzustarten. Zunächst begann sie, abends im RHU zu tanzen, doch bald ging sie auch zur Abendschule, während sie tagsüber weiter arbeitete. Am Ende warf sie den Job hin, weil ein Diplomstudium für Reise- und Tourismusmanagement, das das Rainbow House of Hope ihr ermöglichte, weit zukunftsträchtiger erschien. Im Februar wird Brenda es beenden.

In Deutschland fällt ihr auf, wie sauber die Umgebung ist, dass nicht überall Müll herumliegt. Und wie anders man mit Nahrungsmitteln umgeht. Dass man hier etwa aus heruntergefallenem Obst noch Saft herstellt. Die Menschen erlebe sie sehr ruhig, so als folgten sie immer und überall einem Plan. In Uganda sei das ganz anders, man entscheide spontan, was man als Nächstes tue. Auch im Schulsystem beider Länder sieht Brenda Kawala große Unterschiede. Die Kinder und Jugendlichen in ihrer Heimat schätzen Bildung als Schlüssel zur Zukunft. Unterricht sei ein Privileg, da die Eltern viel arbeiten müssen, um das Schulgeld zu bezahlen. Deshalb wundert sich die junge Frau darüber, dass in Deutschland im Unterricht viele gelangweilt mit dem Handy spielen oder schwätzen. "Vielleicht, weil Schule hier umsonst ist", rätselt sie und begreift ihre Altersgenossen hier so gar nicht. "Oder gehen sie in die Schule etwa nur, weil sie müssen?"

Als ihr die Frage gestellt wird, warum sie tanzen lehrt, breitet sich ein Strahlen über ihr Gesicht aus. "Weil ich das Tanzen liebe!", sagt sie und erklärt: "Wenn ich tanze, bin ich jemand. Die Leute sehen mich und geben mir Wertschätzung. Wenn sie von mir lernen, entsteht Kommunikation, ja Freundschaft." Tanzen sei einer der Gründe, warum sie jetzt ist, wo sie ist – nämlich in Deutschland – und auf dem Weg zu ihrem großen Ziel.

Brenda Kawala leitet den Workshop "Traditionelle Lieder und Tänze aus Uganda", Werkraum Schöpflin, Freitag, 9. Oktober, 15 bis 18.30 Uhr; Anmeldung: Tel. 07621/ 9142660, http://www.werkraum-schoepflin.de

Autor: Barbara Ruda