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04. März 2015

Die etwas andere kleine Nachtmusik

Förderkreis Kreatives Eisenbach: Zu Saties Komposition "Vexations" meditieren die einen, während andere malen, schreiben und dichten.

  1. Meditation bei einer gewöhnungsbedürftigen musikalischen Umrahmung. Foto: Gert Brichta

  2. Magnus Cordes Schmid spielt Satie. Foto: Gert Brichta

EISENBACH. Kreativ, das steckt schon im Namen jenes Förderkreises, der sich in Eisenbach für die Kultur stark macht. Das bewies er nun erneut.

Der Förderkreis hatte per Zeitungsannonce um Überlassung eines gebrauchen Klaviers gebeten. Erfolgreich, denn in einem Freiburger Vorort wollte sich eine Familie von ihrem Instrument trennen und überließ es zum Nulltarif.

Der Vorsitzende Jürgen Holtz und zwei Mitstreiter machten sich auf, das Klavier durch das Höllental in den Hochschwarzwald zu transportieren und hievten es zu Dritt in den Kreativtreff. Für Holtz war das nichts Besonderes, da er als Student für eine Firma Klaviere in viele Haushalte transportierte. Nur eines störte: Der Anblick, das Holz war angegriffen. Mit Christoph Haarmann fand Holtz einen hilfsbereiten Menschen, der in Kleinarbeit das Piano bearbeitete und zum Schmuckstück für den Kreativtreff machte.

Das Klavier wurde gestimmt und sollte gebührend eingeweiht werden. Magnus Cordes-Schmid, Holtz’ Stellvertreter und Musikexperte, entschied sich für ein besonders ausgefallenes Werk, "Vexations" – auf Deutsch übersetzt "Quälerei", ein Klavierstück des französischen Komponisten Erik Satie. Es ist eines der ersten Beispiele für ein repetitives Arrangement sowie für Atonalität in der Kunstmusik und wird allgemein als eines der längsten Stücke der Musikgeschichte angesehen, obwohl die Partitur nur aus einer Seite besteht. Das Stück besteht aus einem Thema und zwei Variationen. Satie gab zur Aufführung den Rat: Um das Motiv 840 Mal zu spielen, wird es gut sein, sich darauf vorzubereiten und zwar in größter Stille, mit ernster Regungslosigkeit.

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Durchhalten bis Mitternacht

Nach einer Einstimmung durch Merle Hilbk, der früheren Dorfschreiberin, die mittlerweile ihren Wohnsitz nach Südbaden verlegt hat, wurde klar, was an diesem Abend zu erwarten war. Monotonie in der Musik, dargeboten im Wechsel von acht Pianisten, darunter Christian von Mering, der Sohn von Jürgen Holz, sowie Magnus Cordes-Schmid. Ein Abend der Meditation wartete auf die Besucher. Was sie damit anfangen wollten, war ihnen überlassen. Während sich die einen besannen, entschwebten und entschleunigten, wurde gemalt, geschrieben und gedichtet. Alle Bereiche der Entspannung wurden damit angesprochen – rund fünf Stunden lang. Das Publikum hielt durch bis Mitternacht bei dieser etwas anderen kleinen Nachtmusik und war begeistert. So auch Holtz selbst, der ursprünglich skeptisch, doch dann völlig überrascht war, wie der Abend vonstatten ging.

Mozarts Werk wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber so war es mal etwas anderes, etwas Neues, eine kreative Idee eben, ohne jeden Zweifel.

Autor: Gert Brichta