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04. Mai 2009 08:02 Uhr
Deutsches Eishockey muss kleine Brötchen backen
BZ-Interview mit Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes, über das miese WM-Abschneiden der Deutschen.
Nach den Niederlagen in der Abstiegsrunde gegen Dänemark und Österreich bei der A-WM in der Schweiz rettet nur der Gastgeber-Bonus die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft vor dem Absturz in die zweitklassige B-WM. Dirk Bersch sprach mit dem Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes Franz Reindl (54) über das blamable Auftreten des deutschen Teams und die Perspektiven vor der WM im eigenen Land 2010.
BZ: Ist das deutsche Eishockey bei der diesjährigen Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz mit fünf Niederlagen in fünf Spielen nur ausgerutscht oder ist es in der Realität angekommen?Reindl: Im internationalen Vergleich sind wir tatsächlich auf den Boden der Tatsachen geholt worden. Ich glaube, dass es zukünftig der falsche Weg sein wird, von möglichen großen Erfolgen zu sprechen. Vielmehr müssen die Erwartungen, gerade auch vor der Heim-WM, heruntergeschraubt werden. Das deutsche Eishockey muss definitiv kleinere Brötchen backen.
BZ: Wo würden Sie das Niveau des Eishockeys in Deutschland momentan einordnen?
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BZ: Diesen Weg der Selbstkritik scheinen einige Spieler und auch der Trainer noch nicht gegangen zu sein. Verteidiger Moritz Müller etwa sprach nach dem 1:3 gegen Dänemark wie viele andere von einem "guten Spiel" seines Teams. Cheftrainer Uwe Krupp bemühte mathematische Zahlenspiele und haderte mit dem fehlenden "Glück". Ist dieser Fatalismus nicht auch die Folge einer komplett falschen Einschätzung der eigenen Stärke?
Reindl: Die Spiele gegen Frankreich oder auch Dänemark sind mit der gleichen Leistung zu gewinnen, wenn der Puck das ein oder andere Mal nicht an den Pfosten, sondern reingeht. Ich denke, dass Trainer und Spieler dies meinen, zumal man ja wirklich viele Statistikkategorien in diesen Partien klar für sich entscheiden konnte. Allerdings dürfen diese Fakten nicht verschleiern, wo wir uns momentan befinden.
BZ: Zumal das Ziel für eine bessere Zukunft nicht sein kann, Spiele gegen Abstiegskandidaten nur mit mehr Schussglück zu gewinnen.
Reindl: Nein, es ist unser mittel- bis langfristiges Ziel, wieder auf Augenhöhe mit Ländern wie der Schweiz zu spielen. Und ich bin trotz des großen Frustes über die momentane Lage guter Dinge, denn alles ist ja nicht schlecht. Wir haben die Olympia-Qualifikation geschafft, ordentliche Vorbereitungsspiele absolviert und auch hier in Bern gegen die Schweiz ein tolles Spiel bestritten. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen und da kann man nicht vom kommenden Frühlingstraum oder Wintermärchen sprechen, das ist einfach nicht drin. Nur so weit wie es momentan erscheint, sind wir auch nicht weg.
BZ: Sie sprachen bereits von einem großen Image-Schaden für die WM 2010. Bergen die Spiele in Mannheim und Köln dennoch auch Chancen für eine Verbesserung der Verhältnisse?
Reindl: Jede Weltmeisterschaft bringt das Ausrichter-Land vorwärts, aber die Krux ist, dass durch den Modus sportlich wieder alles an einem Spiel hängen wird. Wenn wir das eine Spiel gewinnen, ist alles gut, wenn nicht, kommt die Abstiegsrunde, der Frust und das Gejammer.
BZ: Sie hätten es in der Hand, ein Konzept statt ergebnisorientiertes Arbeiten voranzutreiben.
Reindl: Genau das tun wir, aber perspektivisch müssen eben alle, die Klubs, die Ligen und der Verband, die Maßnahmen, die schon längst beschlossen worden sind, durchsetzen.
BZ: Sie sprechen vom Nachwuchskonzept, das offensichtlich niemanden so recht zu interessieren scheint?
Reindl: Leider haben Sie recht. Wenn wir zuletzt auf Ligenversammlungen von Nachwuchsarbeit sprachen, wurden wir belächelt. Nun aber muss doch allen klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Nachwuchsarbeit ist der Ast, auf dem wir alle sitzen.
BZ: Ein Ast, der ziemlich morsch ist.
Reindl: Und genau deshalb müssen die festgeschriebenen Konsequenzen, die für ein Nicht-Einhalten der Beschlüsse verankert wurden, mit aller Macht und bis hin zu Nachteilen in der Lizenzvergabe, durchgesetzt werden.
Autor: sid
