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06. Januar 2010 17:47 Uhr
Rheinbrücke
2014 soll Straßburgs Tram bis nach Kehl fahren
Neuer Brückenschlag am Rhein: Bis 2014 soll eine Straßenbahnbrücke das deutsche und französische Ufer verbinden, damit die Straßburger Tram nach hundert Jahren wieder ins badische Kehl fahren kann.
STRASSBURG/KEHL. "Ein großer Schritt", sagt der Kehler Oberbürgermeister Günther Petry, sei die Unterzeichnung des Vertrags für die Entwurfsplanung vor dem Jahreswechsel gewesen. Dabei hatten die beiden Städte schon in der vorherigen Amtszeit von Petrys Straßburger Kollegen Roland Ries eine Machbarkeitsstudie für eine Straßenbahnverlängerung über den Rhein in Auftrag gegeben. Der Machtwechsel 2001 im Straßburger Rathaus setze den Plänen allerdings ein vorläufiges Ende.
Im Frühjahr 2008 – nach einem Machtwechsel, diesmal zugunsten der Sozialisten - wurden die "erprobt effizienten Strukturen der Zusammenarbeit" zwischen Straßburg und Kehl, wie Petry sich ausdrückt, dann wieder belebt. "Keine Revolution, sondern eine konsequente Entwicklung", sagt er.
73 MILLIONEN EURO FÜR 2,65 KILOMETER
Rund 73 Millionen dürfte die Verlängerung der Straßburger Straßenbahnlinie D beide Städte kosten. Die Brücke wird sich auf ein Volumen zwischen 20 und 30 Millionen Euro belaufen – je nachdem, für was für eine Brückenvariante sich die Städte entscheiden. Vertraglich gebunden haben sich Straßburg und Kehl bislang nur für die Kosten der Entwurfsplanung von 1,8 Millionen Euro. Bei 517.000 Euro liegt der Kehler Anteil, dessen Höhe sich durch einen Interreg-Zuschuss aus Brüssel im besten Falle halbieren ließe.
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2,65 Kilometer liegen zwischen der Haltestelle Aristide Briand im östlichen Straßburger Viertel Neudorf und dem Kehler Bahnhof mit einem großen Park-and-Ride-Platz. Wenn sich das Straßburger Tram-Netz nach Osten hin erweitert, liegen die Vorteile beileibe nicht nur auf Kehler Seite. Straßburg hegt ehrgeizige Pläne für die Gebiete zwischen dem Verwaltungssitz an der Place de l’Etoile und dem vernachlässigten Rheinhafenviertel, das beim Nato-Gipfel im April 2009 durch brandschatzende Randalierer in die Schlagzeilen geriet. Es handelt sich um die einzigen noch verfügbaren Grundstücksressourcen der Großstadt und die rot-grüne Mehrheit im Gemeinderat sieht auf den Arealen entlang der Route Nationale 4, deren Verlauf auch die Tram einmal durch das heutige Hafengebiet bis zum Rhein folgen los, ein Ökoquartier im Entstehen.
PENDLER, TOURISTEN, EINKÄUFER – alle PROFITIEREN
Straßenbahnen stehen zum Glück nicht im Stau. 30 Minuten war der Bus Nummer 21 früher zwischen den Zentren von Kehl und Straßburg unterwegs. De facto schlängelte er sich meist bis zu einer Dreiviertelstunde durch den Verkehr. Inzwischen bindet er nur noch die Tram-Endhaltestelle in Neudorf an, was die Fahrgastzahlen auf der Strecke um ein Drittel in die Höhe trieb. Die Tram Straßburg-Kehl dürfte für Einkäufer aus Richtung Straßburg interessant sein, ebenso wie Schulkinder aus Kehl, aber auch Touristen, die sich vor dem Autoverkehr in der französischen Großstadt scheuen, schneller an ihr Ziel bringen.
Noch mehr Fahrgäste versprechen sich die Kommunen auch von den Pendlern: 35.000 Fahrzeuge sind heute täglich auf der Strecke unterwegs, zu der die Tram einmal parallel fahren soll. Rund 22.000 Menschen nutzen den Linienbus Straßburg-Kehl im Jahr 2008. In der weiteren Perspektive könnte mit zugtauglichen Schienen sogar eine grenzüberschreitend-regionale Verbindung zwischen dem elsässischen Molsheim, dem Flughafen Straßburg-Entzheim, Straßburg/Kehl und dem badischen Offenburg entstehen.
Doch die Zeit drängt für alle weiteren Schritte: Vor Ende 2011 muss mit dem Bau begonnen werden, damit das Vorhaben in Frankreich in den Genuss einer staatlichen Förderung kommt. 10 Millionen Euro hat die Pariser Regierung Straßburg für die deutsch-französische Tram versprochen.
- Hintergrund: Die Tram macht Kehl zur Straßburger Vorstadt
- Basel/Weil am Rhein: Bauarbeiten für neue Tramlinie nehmen Fahrt auf
Autor: Bärbel Nückles
