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09. Oktober 2017

Renaturierung

Arbeiten auf der Rheininsel Ile du Rhin abgeschlossen

Der Trinationale Eurodistricts Basel (TEB) besuchte das Naturschutzgebiet auf der Rheininsel Ile du Rhin. Dort wurde die Renaturierung erfolgreich beendet.

  1. Philippe Kniebiely erklärt Renaturierungsmaßnahmen. Foto: Mahro

  2. Die Spuren der schweren Maschinen, die auf der Rheininsel aktiv waren, sind weitgehend zugewachsen. Foto: Annette Mahro

WEIL AM RHEIN/KEMBS. Die ersten Zugvögel machen hier wieder Ruhepause, Natur und Artenreichtum kommen zurück. Auf der zwischen dem Altrhein und dem Grand Canal d’Alsace gelegenen Rheininsel "Ile du Rhin" sind die Renaturierungsarbeiten abgeschlossen. Der auf den Namen "Petit Rhin" oder kleiner Rhein getaufte alte Rheinarm schlängelt sich wieder auf sieben Kilometer Länge durch eine rund 120 Hektar große Auenlandschaft. Ein knappes halbes Jahrhundert lang wuchs hier nur Mais.

Niemand käme auf die Idee, die Insel als Schlüssel- oder Leuchtturmprojekt des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB) zu bezeichnen. Als grüne Lunge und Rückzugsort für Flora und Fauna ist das seit 2005 zum Elsässer Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne (PCA) gehörende Gebiet aber ein atmendes Herzstück für die gesamte Region.

Der TEB-Districtsrat hat das am Samstag zum Anlass für einen Ausflug genommen und damit an die eigenen ersten zehn Jahre erinnert. "Wir sind ja keine Planungsorganisation", erklärt Districtsrats-Präsident Heinrich Ueberwasser, "behalten aber gerne die trinationalen Kinder im Blick." PCA-Direktor Philippe Kniebiely erklärt gleich zum Auftakt der Führung, weshalb man sich zuletzt mit der Kommunikation etwas zurückgehalten habe. Waren doch allein rund 400 000 Kubikmeter Aushub und Neuaufschüttungen nötig, um hier wieder eine Auenlandschaft entstehen zu lassen. "Die schweren Maschinen wären nicht jedem Naturfreund ganz leicht zu vermitteln gewesen", so Kniebiely. Hätte man das Gebiet aber sich selbst überlassen, wäre hier bis in zehn Jahren alles wieder bewaldet gewesen, ist er sicher: kein guter Ansatz für Biodiversität.

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Die Renaturierung der Insel gehörte 2010 zu den ausgehandelten Bedingungen für die Neukonzessionierung des Kembser Rheinkraftwerks bis 2035. Der französische Energieversorger EdF hat dafür mehr als fünf Millionen Euro investiert, weitere 50 Millionen flossen in ein Kleinkraftwerk am Fuß der Insel. Als zusätzliche Maßnahmen kamen Fisch- und Bibertreppen dazu. 150 000 Setzlinge und 50 Hektar Aussaat waren zudem auf der Insel nötig, deren Renaturierung sich aktuell als größtes Naturschutzprojekt Mitteleuropas versteht.

Sich selbst überlassen wird das Gebiet auch weiterhin nicht. PCA-Rangerinnen und weitere Unterstützer sind hier regelmäßig unterwegs, um alles im Auge und invasive Arten in Schach zu halten. Seit die Bagger sich wieder zurückgezogen haben, sind Besucher wieder willkommen. Solange sie sich an einige Regeln halten zumindest, über die Beschilderung zweisprachig informiert. Ähnlich wie auf der anderen Rheinseite im alten PCA-Gebiet steht auch hier bereits ein erster Unterstand zur Naturbeobachtung bereit. Gäste kommen aus allen drei Ländern. Allerdings ist der Zugang aus Deutschland über die Staustufe in Weil-Märkt viel kürzer als von der zweiten Landverbindung auf französischer Seite in Kembs, sind doch bis zum neuen Auengebiet im Süden von hier aus sechs Kilometer zurückzulegen – unmotorisiert versteht sich. Hier wurde allerdings für die Districtsräte, unter die sich die Lörracher Landrätin und TEB-Vizepräsidentin Marion Dammann gemischt hatte, eine Ausnahme gemacht.

Rund 100 Tierarten wurden bisher gezählt

Mit Blick auf die TEB-Mitglieder verweist Kniebiely noch einmal auf die grenzüberschreitende Verankerung des Projekts. Schon das 1982 erstmals offiziell ausgewiesene PCA-Gebiet in den alten Rheinauen zwischen Saint-Louis, Village-Neuf und Rosenau erfuhr maßgebliche Unterstützung von Schweizer Seite. Die heute auf mehr als 900 Hektar angewachsene Fläche zählt auch das Trinationale Umweltzentrum (Truz) in Weil am Rhein zu seinen Projektpartnern und bezieht Unterstützung aus Interreg-Mitteln.

Federführend bleibt die PCA. Von hier aus behält man auch die Entwicklung im Auge. Erste Junglachse aus der Zucht, die deren Wiederansiedlung im Rhein verfolgt, wurden auf der Insel ausgesetzt; die Gelbbauchunke findet hier ideale Verhältnisse und die ersten Graugänse, die seit Jahren in der alten PCA nisten, haben sich die Rheininsel zum neuen Quartier gewählt. Rund 100 Arten wurden bisher gezählt. Kniebiely ist sich sicher, dass es noch mehr werden. Nur die zotteligen schottischen Hochlandrinder, die jenseits des Grand Canal d’Alsace als lebende Rasenmäher eingesetzt werden, sucht man hier vergeblich. Diese Aufgabe übernehmen hier Ziegen und Schafe. Letztere kommen übrigens aus dem Engadin.

Autor: Annette Mahro