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07. Januar 2012

Blick ins Elsass

  1. Luxuriöse Wohnungen sollen in dem einstigen Lagergebäude auf der Halbinsel Malraux entstehen. Foto: BRI

Luxus statt Lager

Die Baugenehmigung liegt vor, im März will ein private Investor mit den Arbeiten beginnen: Nachdem im ersten einstigen Straßburger Lagergebäude der Firma Seeg muller 2008 die europäische Mediathek eröffnet wurde, wird jetzt das zweite Lagergebäude, dem früher der Verwaltungstrakt des Unternehmens angegliedert war, saniert und umgebaut. 46 luxuriöse Wohnungen unterschiedlicher Größe werden – auf drei Etagen verteilt – dort aufgesetzt, wo das Gebäude in seinem Satteldach gipfelt. Im unteren Bereich des Lagerhauses und im angrenzenden Turm sind 2500 Quadratmeter Büroflächen geplant, außerdem sind im Erdgeschoss 1500 Quadratmeter für Cafés und Restaurants reserviert. 2000 Quadratmeter Fläche im sanierten Komplex bleiben der öffentlichen Nutzung vorbehalten – die Stadt Straßburg verhandelt derzeit mit lokalen Akteuren, die sich vor allem der digitalen Kunst verschrieben haben. 35 Millionen Euro wird die Konversion des heruntergekommenen Lagerhauses kosten – Anfang 2014 sollen die Wohnungseigentümer durch die großzügigen Glasfassaden den Blick aufs Hafenbecken genießen können. Seit dem Jahr 2000, als das Unternehmen Seegmuller Pleite ging, stehen die Gebäude auf der Halbinsel Malraux bereits leer.

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Ruhiger Jahreswechsel

Waren die Nächte zwischen Weihnachten und Neujahr (und besonders die Silvesternacht) in den vergangenen Jahren häufig durch brennende Autos und Krawalle geprägt, ist der Jahreswechsel 2011/2012 in der Europastadt relativ ruhig verlaufen. In den Stadtteilen Koenigshoffen und Neuhof sind sechs bis zehn Autos abgefackelt worden – die Zahlen sind von der Präfektur allerdings noch nicht bestätigt worden. Sicher ist jedoch: In Mulhouse brannten mindestens doppelt so viele Fahrzeuge. Vereinzelt wurden Polizisten mit Feuerwerkskörpern beworfen. Die Beamten setzten sich mit Tränengas zur Wehr. außerdem versuchte ein Mann in Hautepierre Polizisten mit dem Auto anzufahren, diese zogen ihre Schusswaffen, um sich zu schützen. Von 26 Personen, darunter neun Minderjährigen, hat die Polizei die Personalien aufgenommen, einige wurden kurzzeitig festgehalten. Gegen ein Uhr morgens kehrte jedoch bereits langsam Ruhe ein in den als sozialen Brennpunkten bekannten Stadtvierteln – im Stadtzentrum wurde das neue Jahr von friedlich Feiernden begrüßt.

Heimkehr des Wolfs?

Ist der Wolf zurück im Elsass? Noch ist es nicht eindeutig bewiesen, doch hat an Weihnachten ein junger Hirsch auf den Höhen oberhalb des Münstertales einen gewaltsamen Tod gefunden, der diesen Verdacht nahe legt. In der Nähe des Finsterwandweges hat ein Jäger ein wahres Schlachtfeld entdeckt: Mehrere Quadratmeter Schnee waren von Blut rot gefärbt, die Knochen des etwa 40 Kilo schweren und circa sechs bis acht Monate alten Hirsches lagen verstreut und abgenagt in der Einöde, in die sich Menschen eher selten verirren. Für die Jäger, die sich den Fund angesehen haben, steht fest, dass nur ein großes und an die 40 Kilo schweres Tier mit einem ausgeprägt starken Gebiss diese Tat vollbracht haben kann. Weil in den Vogesen der Luchs inzwischen wieder heimisch ist, fiel der Verdacht zunächst auf die Großkatze, allerdings sprechen die Spuren im Schnee eine andere Sprache: Bei einem Luchs hätten nur vier Ballen zu sehen sein dürfen, Abdrücke von Krallen hätten sich nicht gefunden. Die Spuren zeigen aber fünf Ballen mit Krallen, was den Schluss nahe legt, dass der hungrige Angreifer ein großes Tier aus der Familie der Hunde war – ein Wolf eben oder sogar mehrere. Um sicher zu gehen, werden jetzt die DNA-Spuren ausgewertet. Für die Experten weist bereits die Brutalität, mit welcher der Hirsch erlegt wurde, auf einen Wolf hin. Außerdem haben die Jäger beobachtet, dass sich das Wild in den vergangenen Wochen in Rudeln formiert hat, ein weiteres Indiz für die Präsenz eines Angreifers. Vor einigen Monaten wurden im Bereich von Gérardmer Spuren eines ähnlich blutigen Kampfes entdeckt.

Feuerwerks-Debatte

Nachdem die französischen Ordnungskräfte eine geballte Informationskampagne über die Gefahren des Silvester-Feuerwerks gestartet hatten und von der deutschen Polizei im Bemühen unterstützt wurden, die Einfuhr von Feuerwerkskörpern nach Frankreich zu verhindern, wurden die Franzosen von ihren deutschen Nachbarn ob des Knaller-Verbots schon fast bedauert. Für die elsässische Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA) war das präfektorale Verbot Anlass für eine Umfrage unter ihren Lesern. Das überraschende Ergebnis: 56 Prozent der Umfrageteilnehmer halten das Verbot des Silvester-Feuerwerks für durchaus korrekt. Dabei begründen allerdings die meisten ihre Abneigung gegen die Knallkörper nicht mit den möglichen Verletzungs- oder Brandgefahren, die von den Raketen ausgehen können, sondern mit finanziellen Aspekten. Während viele Familien nicht wüssten, wie sie ihre Kinder ernähren oder mit Kleidung und Schulsachen ausstatten sollten, werde hier das Geld einfach verpulvert, argumentieren einige. Komme es durch die Feuerwerkskörper zu Verletzungen, würde über die Sozialversicherung die Allgemeinheit zur Kasse gebeten – auch dieses Geld könne weit sinnvoller verwendet werden, heißt in den Begründungen der Umfrageteilnehmer. Die Gegner des Verbots sehen ihre Freiheit beschränkt und sehen darin keinen Schutz für körperliche Unversehrtheit: So argumentieren manche: Wer so die Menschen schützen zu wolle, müsse auch das Autofahren, den Alkohol und den Tabak verbieten.

Weihnachtsmarkt-Erfolg

Die Straßburger Weihnachtsmärkte waren ein Erfolg – darin sind sich die Organisatoren bei der Stadt, die Mitarbeiter der Touristen-Information und die Marktbeschicker einig. Nachdem im vergangenen Jahr der viele Schnee, der eisige Wind und die niedrigen Temperaturen die Lust vieler Weihnachtsmarktbesucher gedämpft und die Besucherzahlen hatten schrumpfen lassen, konnte 2011 an den Erfolg des Jahres 2009 anknüpfen. Bei verhältnismäßig milden Temperaturen kamen wohl wieder rund 2,2 Millionen Menschen in die Stadt, die nicht nur über die Weihnachtsmärkte bummelten, sondern sich Straßburg auch von der Ill aus zeigen ließen. Obwohl zwischen dem 17. Dezember und Heilig Abend die Touristenboote aufgrund von beginnendem Hochwasser in der Ill nicht auslaufen konnten, ist man beim Straßburger Hafen mit dem Dezemberumsatz sehr zufrieden. Sehr gut besucht war das Schweizer Dorf auf dem Gutenberg-Platz. Wenn der Weihnachtsmarkt Ende November wieder eröffnet, wird Georgien Gastland sein.

Kulturtelegramm

Klassik: Der gestiefelte Kater als Kinderoper von César Cui wird am Mittwoch, 11. Januar, jeweils um 14.30 Uhr und um 20 Uhr sowie am Freitag, 13. Januar, um 20 Uhr im Straßburger Konservatorium aufgeführt. Reservierungen unter (0033388)754823.

Werke von Sibelius und Grieg interpretiert das Philharmonische Orchester von Straßburg am Donnerstag, 12. Januar, sowie am Freitag, 13. Januar, jeweils um 20.30 Uhr im Straßburger Musik- und Kongress-Palast. Die Leitung hat Kirill Karabits, Solist am Flügel ist Simon Trpceski. Reservierungen unter (0033369)063700.
Kabarett: Auch im neuen Jahr setzt die Straßburger Choucrouterie die Aufführungen der Jahresrevue fort, in der das lokal- und regionalpolitische Geschehen des abgelaufenen Jahres karikiert wird. Gespielt wird die Revue parallel in Elsässisch und Französisch und zwar bis zum 25. März jeweils täglich von Mittwoch bis Sonntag. Die elsässische Fassung beginnt immer um 20.30 Uhr, die französische um 20.45 Uhr. Reservierungen unter (003388)360728.

Autor: bri