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24. Januar 2012 00:03 Uhr

Naturschutz

Bremst der Feldhamster Straßburgs neue Autobahn?

Gegner des größten Straßenprojekts im Elsass fordern Moratorium bis zur Präsidentschaftswahl im April – und haben womöglich einen possierlichen Verbündeten: den Feldhamster.

  1. Possierlich: der Feldhamster. Foto: dpa

STRASSBURG. Wollen die konservativen Kräfte im Elsass den Bau einer neuen Autobahn im Westen von Straßburg noch vor der Präsidentschaftswahl im April in trockene Tücher bringen? Die Kritiker des Autobahnbaus sind davon überzeugt. Denn im Januar wurde das Projekt an den französischen Autobahnbetreiber Vinci vergeben; damit sind Rechtsansprüche geschaffen. Alain Jund, Straßburger Beigeordneter und regionaler Sprecher der französischen Ökopartei Europe-Ecologie-Les Verts, fordert deshalb ein Moratorium bis zur Wahl.

Der Bau der mindestens 400 Millionen Euro teuren vierspurigen Umgehungsstraße soll 2013 beginnen. Drei bis vier Jahre später dürfte sie fertig sein. Sie soll die bestehende Stadtautobahn am Rande des Straßburger Zentrum (täglich rollen hier 200 000 Fahrzeuge) insbesondere vom Nord-Süd-Transitverkehr entlasten. Die neue Autobahn soll mit wenigen Ausfahrten die A 4 (Paris-Straßburg) bei Vendenheim mit der A 35 bei Duttlenheim 24 Kilometer weiter südlich verbinden.

Der Straßburger Präfekt Pierre-Etienne Bisch hält das Vorhaben für unumgänglich. Doch eine unabhängige Verkehrsstudie bezweifelt die entlastende Wirkung der neuen Strecke: Sie werde, weil sie gebührenpflichtig sein wird, den Verkehr auf der bestehenden Stadtautobahn um nicht einmal fünf Prozent verringern. Dafür aber werde wertvolles Ackerland in Anspruch genommen. Vor allem gefährde das Projekt eine ganz besondere Spezies – den Feldhamster.

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Diese Tierart zu schützen und vor dem Aussterben zu bewahren, dazu wurde Frankreich erst vor einem halben Jahr vom Luxemburger Europäischen Gerichtshof verpflichtet. Alain Jund sieht allein deswegen den Beginn der Bauarbeiten je nach Ausgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich in drei Monaten und der Parlamentswahl im Juni in Frage gestellt. Es könne auch nicht angehen, dass die Autobahn gegen den Willen des Straßburger Oberbürgermeisters und gegen die Mehrheit im Stadtrat gebaut werde. Die rot-grüne Koalition im Straßburger Rathaus regiert erst seit 2008, jenem Jahr, in dem das höchste französische Gericht, eine Klage gegen die Autobahn abschmetterte, deren Planung 20 Jahre alt ist.

Fünf Millionen Euro sollen, so will es der konservative Regionalpräsident und Befürworter des Autobahnbaus, Philippe Richert, insbesondere in den Schutz des Feldhamsters gesteckt werden. "Ich habe immer gesagt, dass das zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Umweltschutz werden soll", sagt er. Für Alsace Nature hingegen zählt die neue Autobahn zu den heißen Eisen im bevorstehenden Wahlkampf – in einer Reihe mit dem Atomkraftwerk Fessenheim und das Giftmülllager Stocamine.

Autor: Bärbel Nückles