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05. Februar 2012 20:03 Uhr
Frankreich
Muslimischer Friedhof in Straßburg wird eingeweiht
Alte Häuser und ein Fußballstadion umgeben ihn, den ersten muslimischen Friedhof Frankreichs im Straßburger Stadtteil Meinau. Die Gräber werden gen Mekka ausgerichtet – und es herrscht Sargpflicht.
Frankreichs erster muslimischer Friedhof liegt im Straßburger Stadtteil Meinau. Das frisch angelegte, 1,5 Hektar große Gelände schließt an den städtischen Südfriedhof an. Drumherum gibt es alte Häuser, Autowerkstätten, Hochhausblocks und das Fußballstadion des abgestiegenen Racing-Clubs. In der Nähe liegt der Baggersee, dessen Strandbad im Hochsommer heiß begehrt ist, der nun aber bei Minusgraden ausgestorben in der Wintersonne daliegt.
Driss Ayachour spricht von der Verpflichtung gegenüber der ersten Generation, die nach Frankreich kam, und der Verantwortung für die Jungen, die für die Zukunft der Muslime im Elsass stehen. "Die junge Generation ist Teil dieser Gesellschaft, sie sind französische Staatsbürger." Ihre Toten mussten viele Straßburger Familien muslimischen Glaubens bislang mangels Möglichkeiten oft in ihre Herkunftsländer überführen. "Den Familien wurde die Zeit für ihre Trauer genommen."
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Die Papiere beim Konsulat einholen, einen Flug für den Sarg und die Familie buchen – die Organisation verdrängte Trauer und Rückzug. Und später war die Familie Tausende Kilometer vom Grab entfernt. "Den Angehörigen bleibt dieser doppelte Schmerz nun erspart", betont Ayachour. Er zeigt durch das noch verschlossene Tor, wo sich der Waschraum befindet, den Muslime auch vor einer Moschee aufsuchen. Die Gräber werden gen Mekka ausgerichtet, die Toten auf der rechten Seite liegend bestattet. Rund 1000 Grabstätten finden Platz. Vorgesehen ist, das Gelände in einigen Jahren um noch einmal die gleiche Fläche zu erweitern.
Anders als vom Islam vorgeschrieben, bleibt es in Frankreich untersagt, den Leichnam nur in Stoff gehüllt in der Erde zu begraben. Der Sarg bleibt auch für Muslime Pflicht. Auch werden keine unbefristeten Konzessionen erteilt. Die Regeln in Straßburg sehen vor, dass die Grabstätten nach 40 Jahren geräumt werden. Die verbliebenen Überreste sollen in ein Beinhaus auf dem Friedhofsgelände gebracht werden.
Auf den ersten Blick mag die letzte Ruhestätte für die Straßburger Muslime gar nicht so außergewöhnlich sein. "In den meisten Städten gibt es für Muslime einen abgetrennten Bereich auf den öffentlichen Friedhöfen", sagt Ayachour. Muslime stellen mit geschätzten drei bis fünf Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Frankreich. Das Zugeständnis an die geschätzten 45.000 Muslime im Straßburger Stadtgebiet ist in dieser Form in Frankreich bislang nur im Elsass möglich. Seit 1905 trennt Frankreich Kirche und Staat: Es gibt keine Finanzierung der Religionsgemeinschaften durch die staatlichen Instanzen. Mit Ausnahme der Regionen Elsass und Lothringen. Der Hintergrund: Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten das Elsass und das lothringische Département Moselle zum deutschen Kaiserreich. Nach der Rückkehr in die Französische Republik tastete diese das Privileg nicht an.
In Straßburg hatte Roland Ries im Vorfeld seiner Wahl zum Oberbürgermeister 2008 versprochen, die Religionsgemeinschaften der Stadt gleichermaßen zu unterstützen. Alle politischen Lager stimmten 2009 für den muslimischen Friedhof. Die elsässische Metropole hat Medienberichten zufolge rund 800.000 Euro dafür ausgegeben.
Autor: Bärbel Nückles und kna
