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27. Juli 2011
Auf Beutezug
Wolf-Alarm in den Vogesen
Achtzehn Mal sind seit April auf der lothringischen Seite der Vogesen Schafherden angegriffen und fast 50 Tiere getötet worden. Der Verdacht fiel bald auf einen Wolf, aber es gab keinen Beweis. Bis jetzt.
LE BONHOMME. Nun ist dank einer Kamerafalle am Col du Bonhomme in den Südvogesen der Nachweis gelungen: Erstmals seit Jahrzehnten streift wieder ein Wolf durch diese Wälder und reißt Schafe und Lämmer.
Schon Anfang April wollte ein Hobbyfotograf mit einer bei Ventron installierten, automatischen Kamera einen Wolf festgehalten haben. Im Juni lag ein erstes offizielles, allerdings unscharfes Foto aus einer Kamerafalle des Forstamtes (ONCFS) vor. Eindeutige Merkmale eines Wolfes am Kopf wie die Maulpartie mit den Lefzen und die weiße Zeichnung waren nicht auszumachen: Das Tier war von der Kamera von hinten erwischt worden.Am vergangenen Wochenende veröffentlichte das ONCFS nun jenes entscheidende Foto aus einer Kamerafalle, ausgelöst am 8. Juli kurz vor 19 Uhr, sechs Kilometer vom Dorf Le Bonhomme entfernt. Für die Wildhüter lässt die Aufnahme keinen Zweifel: Größe, Haltung, Fellzeichnung sind die eines Wolfes.
Exkremente oder Fellreste, die einen Genbeweis ermöglicht hätten, wurden nicht gefunden. Dennoch sehen sich die Behörden nun genötigt, die Schafbauern zu entschädigen. Denn laut Gesetz gilt: Ist der Täter ein Hund, zahlt der Besitzer, handelt es sich um ein wildes Tier, belangen die Bauern den Staat.
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Verwunderlich ist es daher nicht, wenn die zuständigen Präfekturen in Colmar und im benachbarten Département, in Epinal, nun Zurückhaltung walten lassen. In einigen Fällen ist es unklar, ob tatsächlich ein Wolf die Lämmer getötet hat.
Im Gebiet des Haut-Doubs verlangen Schafzüchter nach ähnlichen Vorfällen am Juni inzwischen, dass der Wolf dort erlegt wird. Lange hatte man in dieser kargen Gegend keinen Wolf mehr gesehen. Mitte der 70er Jahre kursierte nach mehreren ungeklärten Angriffen das Gerücht von der "Bête des Vosges", der Bestie, die ihr Unwesen in den Vogesen trieb. Wolfsrudel verzeichnen die Karten des staatlichen Forstamtes nur im südlichen Alpengebiet. Die Angst vor dem Wolf geht nun trotzdem um.
Das Thema gilt auch als heikel, weil der Schutz von Tierarten wie Luchs und Wolf in den 70er Jahren in Frankreich, ungeachtet der Risiken vorangetrieben wurde.
Für das Urlaubsziel Elsass ist ein streunender Wolf allemal keine gute Werbung. Nicht weit von jener Stelle, wo der Wolf fotografiert wurde, könnten Wanderer unterwegs sein. Und dann das Dilemma der Bauern: Ein Schäfer, der die kleinen, oft weit verstreuten Herden bewacht, ist zu teuer. "Die Tiere möglichst nahe bei den Gebäuden und Stallungen zu halten", sagt ein Betroffener, Olivier Munschaus Ventron, "ist für uns bei der täglichen Arbeitsbelastung ebenso schwierig."
Wildhüter Alain Laurent, Koordinator des Netzwerks Wolf-Luchs des ONCFS, glaubt allerdings, dass es sich bei dem in den Südvogesen jetzt fotografierten Exemplar um einen einsamen Wolf handelt. Dafür spreche, sagte Laurent bei Veröffentlichung des Fotos, dass er anfangs bis zu zwölf Schafe oder Lämmer auf einmal gerissen habe, dann alle zwei bis drei Tage ein Tier. "Dieses Verhalten entspricht einem Wolf, der sein Rudel verlassen hat und sich nun in einem fremden Revier befindet."
Autor: Bärbel Nückles


