24. Januar 2009
Mut zur modernen Moschee
In Mulhouse entsteht ein neues Gotteshaus / Es signalisiert einen Islam, der Teil der Stadt sein will
MULHOUSE. In Mulhouse wird heute der Grundstein für eine neue Moschee gelegt. Das ist auch in der Großstadt, in der ein Viertel der gut 100 000 Einwohner Muslime sind, keine Selbstverständlichkeit. Der 7,6 Millionen Euro teure Gebäudekomplex entsteht auf einem sehr prominent gelegenen, auffällig geschnittenen Grundstück am Eingang der Stadt.
Den Neubau einer Moschee empfinden die Muslime der Stadt als große Anerkennung, sagt Ayyoup Abouliaqin, der Projektleiter der Moschee namens An-Nour (das Licht). Bislang finden sie sich an neun größeren Gebetsorten ein – meist sind das ausgediente Hallen in Randlage, unbemerkt vom Rest der Stadt. Das soll sich nun ändern, zum Ramadan 2011 ist die Einweihung des Gebäudekomplexes geplant. Er umfasst nicht nur die religiösen Räume für bis zu 2000 Menschen und eine Schule: Entlang der Rue d’Illzach hinter dem Multiplexkino entsteht auf einem 4600 Quadratmeter großen Areal in Form eines Dreiecks ein Gemeindezentrum mit Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen, einer Küche, Verwaltungsbüros, einem Tee-Salon, einem Reisebüro und einer Bücherei, Sportangeboten, Grünflächen und einer Tiefgarage. Vom 21 Meter hohen, kantigen Minarett wird kein Muezzin zum Gebet rufen, aber es wird mit einem Aufzug auch für Körperbehinderte zugänglich sein.Werbung
Der Bauherr – der 1974 gegründete muslimische Verein Amal – ist sicher, dass die Finanzierung des Projekts klappt: "Uns wird es nicht ergehen, wie in Straßburg, wo die Bauarbeiten durch Finanzierungsnöte seit Jahren verschleppt werden", sagt Abouliaqin. "Die Hälfte des Geldes haben wir bereits gesammelt."
Der muslimischen Gemeinde von Mulhouse gelang es, sich ein prominent gelegenes Gelände im Viertel "Nouveau Bassin" zu sichern. Die moderne, klare Architektur des Baus signalisiert einen Islam, der Teil einer modernen Stadt sein möchte. Dass es sich beim Verein Amal um eine gemäßigte muslimische Gruppe handelt, war für die Stadt ein Argument mehr für ihre Unterstützung: Mulhouse subventionierte den Bau mit 235 000 Euro vor Steuern – eine Summe, die dem Verkaufswert des Grundstücks entspricht. "Einer Gruppierung, die das soziale Gleichgewicht der Stadt gefährden würde, hätten wir das sicher nicht gewährt", sagt Bernard Stoessel, der als Beigeordneter auch für die Religionsgemeinschaften der Stadt zuständig ist.
Im Elsass sind die Kommunen und Gebietskörperschaften nach dem Lokalrecht zu mehr finanzieller Unterstützung der Religionsgemeinschaften verpflichtet als anderswo in Frankreich. "Diesen Grundsätzen folgen wir auch gegenüber dem Islam", sagt Stoessel. Lediglich der Vertreter der rechtsextremen Partei Front National im Stadtrat monierte, dass man den Muslimen ein Grundstück zur Verfügung stelle, wo keines für ein neues Gefängnis greifbar sei. Die Stadt unterstützte in den 90er Jahren bereits den Bau der kleineren Moschee "Kaba" im Stadtteil Bourtzwiller mit einem günstigen Pachtvertrag fürs Grundstück. "Mit der neuen Moschee", sagt Stoessel, "öffnet sich die muslimische Gemeinschaft zur Stadt hin."
Autor: Bärbel Nückles




