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12. April 2013

Die Wünsche des Patienten achten

BZ-SERIE AUSBILDUNGSBERUFE: Drei junge Leute auf dem Weg zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer an der BDH-Klinik Elzach.

  1. Ausbildungsalltag der künftigen Pflegekräfte: Simon Dirschnabel, Ekatharina Zogalla und Gina Manz mit Patienten Foto: Winterhalter

ELZACH. Gina schiebt einen Patienten im Rollstuhl durch den Flur zu einem Therapietermin. Der ist gut gelaunt und singt. Er freut sich, von Gina betreut zu werden und bedankt sich. Die fortschreitende Genesung eines Patienten befriedigt sie, vor allem wenn es ihm anfangs gar nicht gut ging. "Die Beziehungen zu den Menschen gerade bei solchen Fortschritten bilden die Erfahrungen, die diesen Beruf so interessant machen" erzählt Gina.

Die 21-jährige Gina Manz aus Gutach erlernt ihren Ausbildungsberuf, den zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin, in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflegehilfe an der BDH- Klinik in Elzach. Sie macht dies gemeinsam mit ihren Kollegen Simon Dirschnabel, 21 Jahre, und Ekatharina Zogalla, 20 Jahre, beide aus Waldkirch. Die drei besuchen den Kurs 12/13 und arbeiten auch in der praktischen Ausbildung auf den Stationen zusammen. Ihre staatlich anerkannte Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer dauert ein Jahr und umfasst 700 Stunden theoretische Ausbildung und 900 Stunden fachpraktische Ausbildung. Die praktische Arbeit findet auf den Stationen der BDH-Klinik sowie in Kooperationseinrichtungen, wie etwa den ambulanten Pflegediensten der Sozialstationen in Elzach oder Waldkirch, statt. Die Elzacher Klinik gehört zum BDH Bundesverband Rehabilitation, der größten deutschen Fachorganisation auf dem Gebiet der Rehabilitation neurologischer Patienten. Sie bietet moderne Rehabilitation für Patienten mit Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems sowie geriatrische Rehabilitation für Menschen mit altersbedingten Erkrankungen.

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Dieser Beruf beruht auf einer eigenständigen Ausbildung, die nur ein Jahr dauert und direkt für den Berufsalltag im Pflegedienst qualifiziert. "Viele Absolventen und Absolventinnen schließen die dreijährige Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege noch an. Durch die weitere Qualifikation sind dann andere Verdienstmöglichkeiten gegeben.", erläutert Vera Schächtele, die Schulleiterin und Lehrerin für Pflegeberufe. Es ist aber auch möglich, direkt nach der einjährigen Ausbildung in den Beruf einzusteigen. "Gerade für berufliche Späteinsteiger oder Umschüler ist dies attraktiv, da ein Jahr sehr überschaubar ist", fügt die Schulleiterin hinzu. Es ist immer wieder eine große Freude, wenn die Auszubildenden nach einem Jahr in eine gute Zukunft starten. Nach der einjährigen Ausbildung gibt es viele Chancen, auch ein Übergang in die Ausbildungen vieler weiterer Berufe im Pflegebereich.

Simon Dirschnabel aus Waldkirch hat nach seinem Hauptschulabschluss ein Praktikum im Altenpflegeheim absolviert und dabei festgestellt, dass er "sehr viel Empathie für Menschen hat und gut mit Patienten umgehen kann". Deshalb hat er ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in einem Behindertenheim angehängt und sich anschließend bei der BDH- Klinik beworben. "Ich will jetzt erst mal Berufserfahrung sammeln, vielleicht mache ich später noch die dreijährige Ausbildung", sagt er. Auch Gina Manz und Ekatharina Zogalla haben vor ihrer Ausbildung ein FSJ absolviert. "Zum einen um praktische Erfahrung zu sammeln, zum anderen ist für die Bewerbung soziales Engagement verpflichtend", erklärt Gina.

Um einen Pflegeberuf zu erlernen, sollte man auch einige Fähigkeiten mitbringen sagt Simon: "Einfühlungsvermögen und Teamfähigkeit sind sehr wichtig. Aber auch persönliche Stärke, denn wir erleben viele Schicksale, da müssen wir erst lernen, damit umzugehen." "Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein", gibt Gina an, sind ebenfalls essentiell.

Kommunikation hat in der Arbeit der Azubis einen hohen Stellenwert. "Wir versuchen immer auf die Wünsche der Leute einzugehen", sagt Gina. "Das ist wichtig für den Patienten, um gesund zu werden." Viele weitere Tätigkeiten gehören zum Tagesablauf des Teams. "Wir kümmern uns um die Körperpflege und die Vitalzeichenmessung. Dazu gehört es, den Blutdruck, Puls und Temperatur des Patienten festzustellen", erklärt Simon. "Bei der Körperpflege sowie bei allen anderen Pflegeverrichtungen ist es wichtig, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe geben. Der Patient soll so viel wie möglich mitarbeiten, um wieder ins Leben zurück zu finden. Wir bringen ihnen auch das Essen und bei Bedarf unterstützen wir sie bei der Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus sind es wichtige Kleinigkeiten, die zu tun sind, etwa prophylaktische Verrichtungen wie das Einreiben des Rückens, Betten machen, Patienten bei Toilettengängen begleiten, Tabletten richten", erzählt Simon. "Die Medikamente ausgeben dürfen wir jedoch nur unter Aufsicht", ergänzt Ekatharina. Das dürfen nur die Gesundheits- und Krankenpfleger". "Deshalb arbeiten wir auch immer in einem Team auf den verschiedenen Stationen. Jeder Azubi ist auf einer anderen Station und hat dort einen Praxisleiter als Ansprechpartner. Am Anfang ist natürlich alles unbekannt, aber mit zunehmender Dauer wird man immer selbständiger.

Drei Fachabteilungen, die sich auf zehn Stationen verteilen, gibt es an der BDH Klinik: die Früh-Reha, die schwere neurologische Ausfälle behandelt, die "normale" neurologische Rehabilitation und die Geriatrie als Station für ältere Patienten mit entsprechenden Krankheitsbildern. Die Ausbildung sieht sieben Einsätze vor. Dazu gehört auch, in einem ambulanten Pflegedienst mitzuarbeiten. Die Arbeitszeiten sind in Schichtdienste aufgeteilt. Die Auszubildenden werden regelmäßig in allen drei Schichtdiensten (Früh-, Kern- und Spätschicht) eingesetzt. Zusätzlich werden während der einjährigen Ausbildung drei Nachtdienste absolviert

Von den Azubis betreut Leute mit Schädigungen am Gehirn, etwa nach einem Schlaganfall oder einer Sauerstoffunterversorgung nach Herzinfarkt. Auch unfallbedingte Schädelhirntraumata sind häufig. "Einige Patienten müssen erst mal wieder atmen, laufen, schlucken und sprechen lernen", erklärt Ekatharina "Dabei unterstützen wir sie. Ich hatte mal eine Patientin, die war an einer Beatmungsmaschine, als sie zu uns kam und musste alles neu erlernen. Sie konnte innerhalb von vier Wochen wieder essen, lernte laufen und ging am Ende nach Hause. Das schaffen zwar nicht alle. Aber Ich freut mich für sie und war stolz, zu ihrer Genesung beigetragen zu haben", sagt Ekatharina abschließend. "Es kommt auf die Kleinigkeiten an. Viele Patienten und Angehörige bedanken sich dafür, für die Pflege, das gibt mir eine Wertschätzung. Man baut eine Beziehung auf und freut sich, wenn es den Leuten besser geht", erzählt Gina. Wie bei ihrem Patienten, dem der gesundheitliche Fortschritt spürbar ins Gesicht geschrieben ist.

Autor: Tobias Winterhalter