Große Heizzentrale statt viele Einzellösungen

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 01. Juli 2017

Elzach

Die Nahwärme-Genossenschaft Elzach stellte bei einem Informationsabend die wichtigsten Fakten zum Nahwärmenetz vor, das gerade entsteht.

ELZACH (fa). Vor einer Woche fand der dritte und letzte Informationsabend der Nahwärme-Genossenschaft für Anwohner des Bauabschnitts II statt. Doch auch danach geht es ja mit der Verlegung des Nahwärmenetzes weiter. Für alle Interessierten hier eine kleine Auswahl von häufig gestellten Fragen samt den Antworten von Peter Haiss und Karl Weber vom Vorstand der Nahwärme-Genossenschaft Elzach.

Muss ich mich jetzt entscheiden, ob

ich anschließe oder nicht oder geht

das auch später noch? – oder anders

gefragt: Werden für alle Fälle gleich

sämtliche Häuser anschlussfähig

gemacht?

Im Sinne aller Beteiligten muss es Ziel der Genossenschaft sein, bereits heute so viel Wärmeabnehmer als möglich zu gewinnen. Je mehr mitmachen, desto günstiger für jeden. Ein Anschluss zu einem späteren Zeitpunkt ist dennoch grundsätzlich möglich, wird jedoch teurer, da Tief- und Rohrleitungsbau als Einzelmaßnahme wesentlich aufwändiger sind. Vorsorglich kann bereits im Zuge der aktuellen Baumaßnahmen eine Leitung in´s eigene Grundstück verlegt und erst später angeschlossen werden, allerdings entfallen mit dieser Variante nennenswerte Zuschüsse. Diese darf die Genossenschaft erst dann an den Anschlussnehmer weitergeben, wenn Wärme bezogen wird.

Für wie lange binde ich mich?

Zu welchen Fristen kann ich

kündigen?

Voraussetzung für einen Anschluss und die Versorgung mit Wärme ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Der Wärmeliefervertrag gilt zunächst für zehn Jahre und kann während dieser Laufzeit nur aus wichtigen Gründen gekündigt werden.

Wieviel Platz brauche ich für

einen Anschluss?

Die Größe der Übergabestation hängt vom Wärmebedarf und der Anzahl der Heizkreise ab. Für einen gewöhnlichen Haushalt mit bis zu 30 MW Leistung hat der Wärmetauscher eine Dimension von etwa 60 x 65 x 30 Zentimeter (Breite mal Höhe mal Tiefe) – gegenüber einem Ölkessel ein nennenswerter Raumgewinn.

Was kostet mich das Ganze?
Die Kosten hängen von den örtlichen Gegebenheiten wie Wärmebedarf (Größe der Übergabestation), Länge der Außen- und Innenleitung und der Anzahl der Heizkreise ab. Jeder Interessent erhält ein individuelles Angebot. Zuschüsse (von der Kreditanstalt für Wiederaufbau/KfW 271/281 oder vom "Anreizprogramm Energieeffizienz"/APEE) werden an die Wärmeabnehmer weitergereicht.

Was mache ich mit dem Restöl

in meinem Tank?

Die Nahwärmegenossenschaft hat ein Interesse daran, dass die erzeugte Wärme möglichst schnell von den Endverbrauchern abgenommen wird. Daher bietet sie an, das Restöl dem Hauseigentümer zu den beim Kauf entstandenen Kosten (Rechnung) abzunehmen.

Wer entsorgt die alten Anlagen

wie Öltanks etc.?

Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung des Hauseigentümers, sich um die Entsorgung der Altanlagen zu kümmern. Die örtlichen Heizungsbaufirmen sind auf das Projekt vorbereitet und helfen weiter. Hinweis: Die Jugendabteilung der Sportfreunde Elzach/Yach hat sich angeboten, alte Heizanlagen nach deren Ausbau zu entsorgen.

Woher kommt der Brennstoff

für die Nahwärme?

Erklärtes Ziel der Genossenschaft ist es, möglichst regional nachwachsenden Brennstoff (Hackschnitzel und Holzpellets) zu verwenden. Geringe Lieferwege und die Wertschöpfung vor Ort sind einige Argumente, die dafür sprechen.

Wenn die Heizung ausfällt,

wie schnell wird repariert?

Das Leitungssystem wird kontinuierlich technisch überwacht. Bei einer Störung wird eine Reparatur umgehend eingeleitet. Der Versorger sichert in einer Extremsituation im Wärmeliefervertrag eine Behebung einer möglichen Wärmelieferungsstörung binnen 48 Stunden zu, dann notfalls mittels mobilen Heizanlagen.

Kann ich meine Solaranlage

weiter nutzen?

Einer Nutzung einer thermischen Solaranlage steht nichts entgegen, da auch hiermit regenerative Wärmeenergie erzeugt wird.

Wann ist der erste

Bauabschnitt fertig?

Die Leitungen hierfür sind zu über 75 Prozent verlegt. Es sind im Gang oder folgen noch die Franz-Xaver-Stenzel-Straße (fertig bis Anfang September), Teile vom Schießgraben, Nikolaus- und Kreuzstraße sowie zum Schluss, nach den Bauferien, Am Stadtwäldele. Im Herbst soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein, dann wird gleich mit dem zweiten begonnen.

Wann kann die erste

Nahwärme bezogen werden?

Die erste Wärme kann im neu erschlossenen Gebiet ab Anfang Juli bezogen werden, und zwar zunächst in der Brandstraße. Hierzu muss die Wärmeleitung in Richtung Sonnhalde angeschlossen, das heißt, die Landesstraße gequert werden. Die früheren HEB-Kunden im Bereich Sonnhalde werden von der Genossenschaft bereits seit Anfang des Jahres mit Wärme beliefert.

Welche Gebiete – grob umfasst –

sind in den Bauabschnitten

2 bis 4 wann dran?

Bauabschnitt II umfasst den Bereich von der katholischen Kirche bis zur Ladhofbrücke, begrenzt durch die Elz. Bauabschnitt III wird den Brühl bis zur BDH-Klinik umfassen. Bauabschnitt IV geht von der Heizzentrale der Holzwärme Elzach-Biederbach (HEB) beim Aldi über das neu zu erschließende Sauterareal über den Rißlersberg in Richtung Finkenacker.

Ist Elzach die einzige

Nahwärme-Gemeinde in der Region?

Ähnliche Projekte sind bereits realisiert in St. Peter, St. Märgen, Niedereschbach (bei Villingen), Teningen, Staufen usw. Die dort gemachten positiven Erfahrungen motivieren die Vorstände, sich für das Elzacher Projekt zu engagieren.
Wie kam es überhaupt zu der Idee,

so etwas zu machen?

Die Idee entwickelte sich aus den Erfahrungen der HEB und dem Ziel, diese durch einen Zugewinn an Anschlussnehmer wirtschaftlich besser aufzustellen. Ursprünglich wurde nur das Gebiet bis zur katholischen Kirche betrachtet, allerdings wäre es schwerlich zu erklären gewesen, warum andere Hauseigentümer der Kernstadt nicht die Vorteile einer Nahwärmeversorgung nutzen dürften, zumal die Bebauung innerhalb der Innenstadt deutlich enger ist – entsprechend hoch ist der Wärmebedarf je Laufmeter Hauptleitung (die sogenannte Wärmedichte).