Nahwärme ist billiger als Heizöl

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Sa, 03. Mai 2014

Elzach

Die Stadt stellte ihr Energieversorgungskonzept für das Gebiet zwischen Neunlindenstraße und L 101 vor.

ELZACH. Die Stadt Elzach lässt für das Gebiet zwischen der Landesstraße L 101 (nach Biederbach) und der Neunlindenstraße ein Nahwärmekonzept erarbeiten. Das Interesse an Nahwärme in diesem Gebiet ist groß. Wenn die Wirtschaftlichkeit des Nahwärmenetzes in den nächsten Monaten festgestellt werden kann, kann mit einer Inbetriebnahme des Netzes voraussichtlich 2016 gerechnet werden.

Im November wurde den Bürgern die Idee dieses "Quartierskonzepts" vorgestellt, erinnerte Bürgermeister Roland Tibi. Damals wurde eine Umfrage angekündigt, um Daten zur Bausubstanz und zum Bedarf zu erheben. Es wurden 232 Fragebogen versendet, berichtete Wiebke Gerhardt vom betreuenden Büro "endura kommunal", 141 Fragebogen kamen zurück – eine Rücklaufquote von 61 Prozent. "Das ist sehr gut." Es habe Spaß gemacht, die gut ausgefüllten Fragebogen auszuwerten. In dem Quartier wurden mehr als die Hälfte der Häuser (57 Prozent) vor 1960 gebaut, fast jedes vierte Haus (23 Prozent) zwischen 1960 und 1978; also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung. Diese Häuser haben einen hohen Energieverbrauch pro Quadratmeter beheizter Fläche. Hinzu kommt, dass jede vierte Heizanlage (27 Prozent) älter als 20 Jahre ist mit hohen Verbrauchskosten, hohen Kohlendioxid-Emissionen und steigendem Ausfallrisiko. Der Sanierungsbedarf bei den Heizungsanlagen sei hoch, fasste Gerhardt zusammen, die Nahwärmelösung erfülle die Auflagen des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württembergs und entsprechende dem Wunsch nach Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Entsprechend haben 97 der angeschriebenen 232 Eigenheimbesitzer (41 Prozent) Interesse an Nahwärme bekundet.

Im Ergebnis sei die Wahrscheinlichkeit hoch, in das Quartier ein Nahwärmenetz zu legen, stellte Rolf Pfeifer, Geschäftsführer der "endura kommunal", fest. Der Preis für Nahwärme werde definitiv billiger sein als das aktuell verwendete Heizöl. Der Nahwärmepreis hänge maßgeblich von der Zahl der Anschlussnehmer ab. Je mehr Nachbarn mitmachen, je höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Haus angeschlossen wird. Im Moment kann Pfeifer nicht sagen, welche Straße mit Nahwärme versorgt wird. Er weiß jedoch schon jetzt, dass nicht jede Straße mit Nahwärme erschlossen wird. Ein großer Vorteil sei, dass es bereits eine Heizzentrale und weitere Infrastruktur gibt: "Das spart Investitionskosten."

Im nächsten Schritt werden die technischen Voraussetzungen geprüft und die Investitionskosten berechnet. Pfeifer rechnet damit, dass er Ende 2014 den Interessenten ein Preismodell und einen Wärmetarifvertrag vorstellen kann. Sein Ziel: Ein Nahwärmepreis, der 10 bis 15 Prozent unter den Vollkosten für Heizöl liegt. Der Preis hänge auch davon ab, wie viele Fördermittel akquiriert werden können. Nach der Unterzeichnung der Verträge Anfang 2015 kann dann mit einer Inbetriebnahme des Nahwärmenetzes im Jahr 2016 gerechnet werden. "Dann müssen wir aber richtig Gas geben."

Nächste Bürgerinformation ist nach der Sommerpause

Das Betriebsmodell wird noch diskutiert, informierte Bürgremeister Tibi, möglich wäre die Gründung einer Genossenschaft oder, dass die Stadt die Nahwärme anbietet. "Die Frage ist momentan noch, ob wir das wirtschaftlich hinbekommen", betonte Roland Tibi, "erst dann kann über ein Betreibermodell geredet werden".

Die nächste Bürger-Informationsveranstaltung wird nach der Sommerpause sein, informierte Rolf Pfeifer. Dann wird die technische Lösung vorgestellt. In einer vierten Bürger-Informationsveranstaltung vor Weihnachten soll dann schließlich auch der Preis vorgestellt werden.