Ohne Energievergeudung unterwegs

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Fr, 09. Oktober 2015

Elzach

Das Projekt "Mobil im Tal – Perspektiven für Jung und alt" kommt auch in Schulen / "Reisespiel" mit erstaunlichen Ergebnissen.

ELZACH. "Mobil im Tal – Mobilitäts-perspektiven für Jung und Alt im ’Zwei-tälerland’" heißt ein seit einigen Monatenn laufendes Projekt vom "Rat der Jugend im Zweitälerland", unterstützt und begleitet von verschiedenen Institutionen, etwa vom Caritasverband. Die Etablierung einer On-line-Mitfahrzentrale im Elz- und Simonswäldertal ist ein Kernpunkt des Projekts. Doch geht es zum Beispiel auch um Mobilität allgemein, deren Kosten und Energieverbrauch. Dies war Anfang der Woche unter anderem Thema einer "Schulstunde" in Elzach.

In den zehnten Klassen der Realschule fand dieser "Workshop Mobilität" statt. Charlotte Hönnige und Paulos Wacker vermitteln das Thema so fachkundig, souverän und locker, als hätten sie ihr ganzes, junges Leben noch nichts anderes getan. Dabei sind die zwei und ihre "Lehrerkollegen" in den anderen Klassen selbst noch Schüler, am Gymnasium in Waldkirch, und außerdem Mitglieder im oben erwähnten Rat der Jugend. Für den "Unterricht" an diesem Vormittag habtten sie lediglich im Vorfeld eine Einweisung.

"Was braucht ihr für ein gutes Leben?" heißt die erste Frage an die Realschüler. Einige Antworten: "Kaffee", "Zuhause", "Familie und Freunde", "Dusche", "Mobiltelefon". – "Und worauf könnt ihr verzichten?" lautet Frage zwei. Auch hier ein paar Antworten: "Plastik", "Krankheit", "Drogen", "Fast food" "Zigaretten" "Regen", "Mobiltelefon"...

Paulos Wacker und Charlotte Hönnige erklären den oft gehörten Begriff "Nachhaltigkeit": "Dass man die Ressourcen so verwendet, dass spätere Generationen auch noch was davon haben"oder kurz: "Nicht über die Verhältnisse leben".

Und so ist man auch schon beim Thema "nachhaltige Mobilität" angekommen, und zwar in Form eines Spiels: Eine Reise ist zu planen und der dafür anfallende Kohlendioxid (CO-2)-Verbrauch anzugeben. Zwei Beispiele: Die erste Schülergruppe fährt mit dem Zug (82 Kilogramm Co2) nach Lloret de Mar, wohnt zehn Tage in einem einfachen Hotel (381 kg), ernährt sich – fast – vegetarisch (16 kg, inklusive einer Fleischmahlzeit) und geht jeden Abend in die Disco (79 kg) – Gesamtverbrauch: 528 Kilogramm.

Eine andere Gruppe fliegt für 21 Tage nach Peru (7316 kg), übernachtet dort 20 Nächte in Zelten (145 kg), ernährt sich rein vegetarisch und aus heimischem Anbau (17 kg), badet im Meer (0 kg) und nimmt für ihre Rundreise den Bus (129 kg) – ergibt zusammen 7651 Kilogramm.

Erkenntnisse: Wenig überraschend ist, dass das Flugzeug am umweltschädlichsten ist, schon etwas mehr, dass zum Beispiel Skiurlaub für die Umwelt recht belastend ist und dass auch ein ICE relativ viel CO2 verbraucht. Charlotte Hönnige und Paulos Wacker: "Die Idee hinter dem Spiel ist: Sich bewusst machen, wie man verreist – ohne dass man Träume oder auch das Fliegen aufgeben muss."

Hierzu zitiert Marie Winterhalter, Schulsozialarbeiterin am Schulzentrum Oberes Elztal, die Absicht des Projekts: "Mobilität ist heute im ländlichen Raum, zu einem zukunftsweisenden Thema geworden. Vor allem für junge Menschen, stellt die eingeschränkte Mobilität ein erhebliches Problem da."

Der Rat der Jugend im Elz- und Simonswäldertal habe sich genau diesem Problem angenommen und organisiert solche Mobilitätsworkshops, in denen die Schüler ins Thema "Nachhaltige Mobilität" eingewiesen werden. Primär gehe es darum, Schüler für die Thematik zu sensibilisieren. Marie Winterhalter: "Ein grundlegendes Konzept der Workshops ist es, Nachhaltigkeit und Mobilität zu vernetzen". Beim erwähnten "Reisespiel" konzipieren Schüler in Gedanken eine Reise, welche möglichst umweltfreundlich, aber dennoch realistisch ist. "Dies stößt auf positive Resonanz, da Schüler immer wieder erschrocken sind, wie hoch jetzt die CO2 - Emissionen wirklich sind", so Marie Winterhalter und: "Uns ist es wichtig, dass wir möglichst viele Schüler erreichen und vielleicht sogar den einen oder anderen zum Umdenken bewegen können. Mobilität ist eines der wichtigsten Themen, das jedem tagtäglich begegnet. Zukünftig wird es immer wichtiger sein, effektiv, nachhaltig und generationenübergreifend Mobil zu bleiben".