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10. September 2015 20:55 Uhr

Mit Sender versehen

Schwarzwald-Luchs Friedl legt weite Strecken zurück

Luchse sind selten in Südbaden. Vor fünf Monaten ist einer im Schwarzwald aufgetaucht. Die Auswertung seines Senders zeigt nun: Luchs Friedl kommt ganz schön rum.

  1. Friedl wird besendert. Foto: zvg

Wie von anderen Wildtieren auch gibt es vom Luchs keine stabile Population mehr in Baden-Württemberg. Vor fünf Monaten war ein zugewanderter Luchs im Mittleren Schwarzwald aufgetaucht. Expertinnen und Experten des Landes war es gelungen das Luchsmännchen mit einem Halsbandsender ausstatten zu können.

Das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen B415 hat den Namen Friedl bekommen. Nach längerem Aufenthalt im Schwarzwald hat sich Friedl in den letzten drei Wochen über weite Strecken bewegt, wie die SMS-Nachrichten zeigen, die regelmäßig seinen Aufenthaltsort übermitteln.

Die bisherigen Daten zeigen, dass der Luchs sich vom Mittleren Schwarzwald bis nach Ulm und von dort aus weiter Richtung Stuttgart bewegt hat. Das zeigt uns, wo sich Wildtiere in unserer Landschaft gut bewegen können und wo sie auf Barrieren treffen. Autobahnen sind beispielsweise für viele Tiere ein unüberwindbares Hindernis. Die Daten aus dem Luchsmonitoring leisten einen wertvollen Beitrag, um die Durchlässigkeit der Landschaft für Wildtiere besser zu verstehen – und verbessern zu können, beispielsweise durch Grünbrücken über große Straßen. Grünbrücken schützen auch Autofahrer vor gefährlichen Zusammenstößen mit Wildtieren. So können hier wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden, die so in keinem Lehrbuch stehen. Das ist nur möglich, weil sich streng geschützte Wildtierarten wieder bei uns heimisch fühlen, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde jüngst in Stuttgart.

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Ein Ziel der Besenderung ist es, die Gewohnheiten dieser scheuen Tiere zu erforschen. "Wir wollen feststellen, ob Luchse länger bei uns bleiben oder weiterziehen, und welche Wege sie dabei nutzen", erklärte der Wildtierexperte Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg.

Nach der Besenderung durchstreifte der Luchs zunächst den Mittleren Schwarzwald und nutzte dabei regelmäßig eine Fläche von über 200 Quadratkilometern.

Danach begab er sich auf weite Wanderschaft nach Osten. Nachdem der Luchs die A 81 vermutlich unter der Neckartalbrücke querte und auf die Schwäbische Alb zog, war er am 3. September schließlich vor den Toren Ulms angelangt. "In Ulm stand Friedl vor der ersten wirklich großen geschlossenen Siedlung auf seiner Wanderung, kehrte um und zog anschließend in nordwestlicher Richtung entlang der Autobahn A 8 bis Weilheim unter Teck – dem bisher letzten Peilpunkt", sagte Herdtfelder.

Es sei nicht erstaunlich, dass das Tier nach vier Monaten im Schwarzwald weitergewandert sei. "Luchse sind zwar Einzelgänger, sie suchen aber doch die Nähe von Artgenossen des anderen Geschlechts", erklärt Herdtfelder. Da die weiblichen Tiere aus dem Schweizer Jura jedoch in ihrem Ausbreitungsverhalten deutlich zurückhaltender als die Männchen sind, wurde schon mehrfach beobachtet, dass männliche Tiere nach einer gewissen Zeit weiterziehen. Da die heimlichen Tiere dabei kaum gesehen werden, konnte dabei allerdings nur sehr selten der Weg der Tiere nachvollzogen werden. "Wir verfolgen die Bewegungen des Luchses sehr gespannt und hoffen, dass er weiterhin so geschickt die Straßen quert wie bisher und noch lange seine Daten an uns senden wird", so Herdtfelder.

Bis April 2016 soll der Sender noch Daten schicken, bevor sich das Halsband automatisch löst und Friedl wieder unbeobachtet seiner Wege ziehen wird. Zuvor waren im letzten Winter drei Luchse im Schwarzwald nachgewiesen worden, von denen zwei sicher aus dem Schweizer Jura zugewandert waren. Dabei handelte es sich stets um Einzeltiere. Es gibt derzeit keine stabile Luchspopulation im Schwarzwald.
Info

Die aufgezeichneten Wanderungen von Friedl können der oben als zweites Bild hinterlegten Karte entnommen werden. Durchgängig eingefärbt sind Aufenthaltsgebiete und Wanderwege des Luchses. Die Punkte südlich des Oberrheins sind im letzten Sommer nachweislich von Friedl (wissenschaftlich gekennzeichnet: B415) aufgesucht worden. Der Weg, den der Luchs nahm als er von der Schweiz aus in den Mittleren Schwarzwald kam, ist nicht bekannt.

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Autor: bz