So geht’s mit der Nahwärme

Kurt Meier

Von Kurt Meier

Do, 09. Juni 2016

Elzach

Neue Genossenschaft Elzach informierte / Bis Ende 2017 soll das erste Leitungsnetz verlegt sein.

ELZACH. Zum Jahresende 2017 soll das Leitungsnetz zur Nahwärmeversorgung im "Quartiersgebiet Elzach Süd" verlegt und eine neue Heizzentrale installiert sein. Diese zwei ehrgeizigen Ziele nannten die Vorstände der Nahwärmegenossenschaft Elzach in einer von rund 30 Interessierten besuchten Info-Veranstaltung am Freitag im Haus des Gastes. Im zweiten Ausbauschritt soll die gesamte Kernstadt angeschlossen werden. Ausbaustufe drei sieht einen weiteren Versorgungsstrang in Richtung Sportplatz, Wittenbachstraße, Rißlersberg, Finkenacker etc. vor.

Stand der Dinge

"Nahwärmeversorgung verantwortungsvoll in Bürgerhand" lautet der Leitsatz der Nahwärmegenossenschaft, die seit kurzem jetzt Mitglied des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands ist und so die strengen Auflagen einer Genossenschaft erfüllt. Dies gebe Mitgliedern und künftigen Nutzern der Nahwärme die Garantie, dass ihre finanziellen Einlagen sicher sind und auch ihre Ansprüche auf Versorgung mit Wärme jederzeit erfüllt werden. Vorstandsmitglied Peter Haiß gab der Versammlung einen kurzen Überblick über den Stand der Dinge. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Verlegung der ersten Nahwärmeleitungen. Wie von Anfang an geplant, soll der erste Leitungsstrang von der jetzigen Heizzentrale neben dem Aldi entlang der Freiburger-, Rechberg- und Franz-Xaver-Stenzel- bis zur Kreuzstraße verlegt werden. Daran anknüpfend wird dann das gesamte Wohnquartier "Elzach Süd" einschließlich der Stichstraßen erschlossen.

Wichtig sind aber genügend Anschlusswillige: Die Zielmarke liegt bei 100 Hausanschlüssen im Stadtteil "Elzach-Süd". Diese Marke nannte Arnold Berghoff. Der Diplom-Ingenieur vom Planungsbüro Hölken-Berghoff in Vörstetten ist für die technische Seite des Projektes verantwortlich. Einschlägige Erfahrungen hat er genug: Berghoff zeichnet unter anderem für die Nahwärmekonzepte in St. Peter, St. Märgen und Niedereschach verantwortlich. Auf seine Anregung hin wurde auch die Erweiterung des Leitungsnetzes auf die Kernstadt beschlossen: Die enge Bebauung lasse eine Vielzahl von Anschlüssen auf kurzem Weg erhoffen. Das erhöhe die Rentabilität. Außerdem sei eine Abgrenzung schwierig: "Der darf noch anschließen, das Nachbargebäude nicht mehr – wie wollen Sie das glaubhaft darstellen?", so Berghoff. Hier liegt das Zeitfenster für die Realisierung bei zwei bis drei Jahren ab 2018.

Fr-xaver-Stenzel-Strasse

Die Gesamtlänge der Versorgungsleitung im ersten Bauabschnitt bezifferte der Planer auf rund 3,5 Kilometer. Im Schnitt schaffe man drei Kilometer pro Jahr einschließlich der Hausanschlüsse. Etwas langsamer wird es aber in der Franz-Xaver-Stenzel-Straße gehen. Die soll laut Stadtratsbeschluss von Grund auf saniert werden. Das heißt: Trink- und Abwasserleitungen, Versorgungsleitungen für Strom, Telekom und so weiter werden komplett erneuert. Erst wenn das erledigt is,t wird die Nahwärmeleitung dazukommen, bevor dann der neue Straßenbelag aufgebracht wird. An der Zielmarke ändert das aber nichts: Ende des Jahres 2017, so die Vorstandsmitglieder Karl Weber und Nikolaus Dufner, soll die Nahwärmeversorgung auf jeden Fall betriebsbereit sein.

so wird geheizt

Aufgrund der erweiterten Planung wird eine leistungsfähigere Heizzentrale als die bisherige benötigt. Die könnte auf dem Areal der Kläranlage gebaut werden. Was eine "Win-Win-Situation" sowohl für die Kläranlage, als auch für die Nahwärmegesellschaft selbst wäre: Denn die Abwärme der Kläranlage könnte dann zum Beispiel in die Nahwärmezentrale eingespeist werden. "Hauptenergieträger wird Holz sein", so Arnold Berghoff – in Form von Holzhackschnitzeln aus den heimischen Wäldern. Dazu kommen zwei Blockheizkraftwerke sowie ein Ölbrenner. Letzterer ist für Notfallsituationen und zur kurzfristigen Abdeckung von Spitzenwerten gedacht. In einem extrem kalten Winter zum Beispiel, wenn morgens zwischen 6 und 8 Uhr sämtliche Heizungen im Versorgungsgebiet gleichzeitig hochgefahren werden. Für die erste Ausbauphase reiche die bestehende Anlage beim Aldi aber aus, versicherte Nikolaus Dufner.

Was kostet es?

Die interessierten Zuhörer sparten nicht mit wichtigen Fragen: Wie sieht es zum Beispiel mit dem Energieverlust auf eine so lange Leitungsstrecke aus? "Da muss der Letzte am Strang halt kalt duschen", scherzte Peter Haiß. Dem ist nicht so, versicherte Arnold Berghoff. Im Sommer werde der Energieträger Wasser, der in den Leitungen zirkuliert, mit 75 Grad die Heizzentrale verlassen. Der maximale Energieverlust liege bei 5 Grad auf 3,5 Kilometer. Dies bedeute: Auch beim letzten Haus kommen noch 70 Grad an. Im Winter werde die Anlage auf 100 Grad hochgefahren.

Eine der wichtigsten Fragen betraf die Finanzierung. Wer an die Nahwärme anschließen will, muss Mitglied der Genossenschaft werden. Die Genossenschaftseinlage beträgt einmalig 2000 Euro. Dazu kommen Anschlusskosten. Die werden individuell je nach technischen Erfordernissen für jedes Gebäude berechnet. Die Anschlussgebühr beinhaltet auch die Übergabestation im Gebäude selbst. Bis zur Übergabestation ist die Genossenschaft auch für die spätere Überwachung und Betriebssicherheit verantwortlich. An der Übergabestation wird die schon bestehende Hausinstallation angeschlossen. Dafür seien in der Regel nur einige wenige Umbauarbeiten notwendig, die örtliche Handwerksbetriebe ausführen können, so Berghoff. In mehreren Rechenbeispielen wurden die Investitionskosten dargestellt. Diese liegen für ein durchschnittliches zwei bis dreistöckiges Wohnhaus zwischen 12 000 Euro und 15.000 Euro. Für das zur Verfügungstellen von Wärme erhebt die Genosseschaft von jedem Nutzer eine monatliche Grundgebühr. Daran knüpft sich dann der Arbeitspreis an. Der wiederum wird nach dem jeweiligen Wärmeverbrauch berechnet.

Wann es Sinn macht

Eine Gretchenfrage für viele: "Grundsätzliches Interesse an einem Anschluss hätte ich schon. Aber meine Heizung ist erst zehn Jahre alt. Macht es Sinn, zu warten?" Technisch gesehen sei es kein Problem, auch später anzuschließen, so Arnold Berghoff. Finanziell hingegen wäre es "rausgeworfenes Geld". Denn die Genossenschaft kann in dieser Aufbauphase staatliche Zuschüsse und Fördergelder der KfW-Bank in Anspruch nehmen, die die Investitionskosten für den Leitungsbau einschließlich der Hausanschlüsse verringern. Die können bei einem späteren Anschluss nicht mehr in Anspruch genommen werden. "Man muss es einfach ausrechnen, welches die wirtschaftlich sinnvollste Variante ist", so Arnold Berghoff. Und auch dies leistet die Genossenschaft: Jeder Anschlusswillige erhält eine individuelle Kostenanalyse, versicherte Peter Haiß.

Nahwärmegenossenschaft Elzach: Alles Wissenswerte, Ansprechpartner etc. auf der Homepage der Stadt Elzach. Der Ausbau vom Nahwärmenetz ist auch Thema der nächsten Gemeinderatssitzung (siehe Meldung links unten).