Vier Anlagen für das Nahwärmenetz

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 14. September 2016

Elzach

BZ-INTERVIEW mit Vorstandsmitgliedern der Nahwärmegenossenschaft / Heizzentrale wird gebaut / Stadtversorgung ist das Ziel .

ELZACH. Im Juli 2015 hat sich in Elzach eine Nahwärmegenossenschaft (NGE) gegründet. 57 Genossen zeichneten ihre Einlage von 2000 Euro und sorgten für ein Startkapital von 114 000 Euro. Nach einem Jahr ist Zeit für eine Zwischenbilanz. Über bereits erledigte Aufgaben, die erste Bauphase, Kundeninteressen und mittelfristige Ziele sprach BZ-Mitarbeiter Nikolaus Bayer mit dem vierköpfigen NGE-Vorstand und Projektingenieur Arnold Berghoff.

BZ: Die weitere Kundenwerbung wurde vor einem Jahr als wichtig bezeichnet. Wie steht es um das Interesse an der NGE bis heute?
Haiss: Wir haben mit Anschluss-interessenten und Anwohnern des ersten Versorgungsgebiets schon Informationsabende durchgeführt. Das Interesse war hoch. Die zuerst kalkulierte Mindestzahl von 83 Zeichnern ist erreicht. Aber wir sind planerisch schon weiter und streben kurzfristig 100 Genossenschaftsmitglieder und Anschlüsse an.

BZ: Die neue NGE nannte einen Investitionsbedarf von 2,34 Millionen Euro. Zu 60 Prozent sollten sie über KfW-Kredite, also Fremdmittel, gedeckt werden. Gilt diese Größenordnung noch?
Wisser: Diese Kalkulation gilt weiter; und zwar für die damals angesprochene Bauphase I des Versorgungsnetzes, das bis Ende 2017 fertiggestellt wird. Inzwischen ist die Planung aber fortgeschritten. Noch in Phase I stehen weitere Anlageinvestitionen, wie der Kauf der HEB-Heizzentrale (Holzwärme Elzach-Biederbach), an. Der Finanzrahmen erhöht sich auf 5,3 Millionen Euro. Der weitere Ausbau soll in Modulen erfolgen. Die Kosten dafür, also ein Versorgungsangebot für die ganze Kernstadt, schätzt der NGE-Vorstand vorsichtig auf etwa 12,75 Millionen Euro.

BZ: Wie weit sind die Vertragsverhandlungen mit den derzeitigen Wärmeerzeugern HEB und Stadt fortgeschritten und was wurde ausgehandelt?
Dufner: Der Vertrag mit der HEB ist vorbesprochen. Ihre Anlagen werden an die NGE veräußert. Der Übergang mit ihren Bestandskunden erfolgt zum Jahreswechsel 2016/17. Diese Aufnahme bringt für die künftigen Kunden der NGE eine Verbraucherpreissenkung. Denn grundsätzlich gilt: Je mehr Abnehmer und Kostenaufteilung, umso günstiger wird der Preis. Was die Stadt und ihr mit Klärgas gespeistes Blockheizkraftwerk betrifft, so wird es wahrscheinlich 2017 erneuert.

BZ: Die NGE wird mit Vollendung der Bauphase I Ende 2017 also erstmals Netzwärme liefern. Welche Stadtgebiete gehören dazu?
Haiss: Dieses erste Teilstück im anvisierten Stadtversorgungsnetz wird von der Freiburger Straße über die Rechberg- und sanierte Franz-Xaver-Stenzel- weiter über die Kreuzstraße bis zur Kirche führen. Parallel dazu werden Erschließungsstränge am Stadtwäldele, der Brand-und der Nikolausstraße gebaut. Als große Abnehmer konnten bereits beide Kirchen mit ihren Immobilien sowie die Schulen gebunden werden.

BZ: Es wurde vor einem Jahr von vier Bauphasen gesprochen? Können Sie etwas zu den weiteren Ausbauzielen der NGE – zu Zeitplan und Versorgungsgebieten sagen?
Berghoff: Ich möchte anmerken, im Verteilungsgebiet I dürfte im Bereich Freiburger Straße der Anschluss schon im Juni 2017 erfolgen. Die Netzausweitung richtet sich immer nach der vorhandenen Kundendichte. Geplant ist bis Ende 2018 die Bauphase II, die voraussichtlich Mittelstädtli und Vorstädtle erschließt. Als Endziel wird – optimistisch betrachtet bis 2020 – die Erschließung der ganzen Kernstadt Elzach möglich sein. Langfristig muss die NGE dafür mit mindestens 400 Anschlüssen kalkulieren.
"Das Ziel ist die Erschließung der ganzen Kernstadt"

Diplomingenieur Arnold Berghoff

BZ: Zu Wärme-Erzeugung: Von der HEB wird die Anlage übernommen. Drei neue Anlagen sollten dazukommen. Gilt das weiter? Was ist für Phase I nötig?
Berghoff: Ja, das wird so sein. Zunächst wird die Versorgung von der HEB-Anlage und durch eine neue Heizzentrale der NGE gesichert. Die neue Zentrale wird auf dem Gelände oberhalb der Kläranlage gebaut. Für Phase I wird ein Blockheizkraftwerk installiert: Ein Pelletsvergaser zur Strom- und Wärmeerzeugung. Der erste Spatenstich für die Tiefbauarbeiten zur Leitungsverlegung ist noch für diesen Oktober geplant. Später sind sukzessive zwei zusätzliche Hackschnitzelöfen nötig und geplant. 2020 wird der dann veraltete HEB-Ofen außer Betrieb gehen.
Weber: Gegen mögliche Ängste von Anwohnern sei hinzugefügt. Die Öfen werden über eine Abgasreinigung mit Elektrofilter verfügen. Sie arbeiten absolut geruchsfrei. Die Feinstaub-Immission liegt mit 15 Milligramm pro Kubikmeter Abluft weit unterm gesetzlichen Richtwert.
BZ: Zum Kundeninteresse: Können Sie etwas zur Höhe der Anschlussbeiträge sagen? Werden diese auch in späteren Ausbaustufen zu halten sein? Und wie hoch werden die Verbrauchskosten ausfallen?
Wisser: Es gibt bei der NGE eine Preistabelle. Immer in Abhängigkeit der im Einzelfall bestehenden Entfernung vom Straßennetz und der Innenleitung bis zur Übergabestation variieren die Kosten. Bei zehn beziehungsweise acht Metern abzüglich Fördergeldern und inclusive Genossenschaftsbeitrag ergibt sich etwa ein Einmal-Beitrag von 9500 Euro. Darin nicht enthalten sind Demontagekosten für die alte Hausheizung. Das Berechnungsmuster für Phase I ist auch für weitere Ausbaustufen das gleiche. Teurer wird es für Nachzügler, wenn für spätere Einzelanschlüsse erneut Netzarbeiten nötig werden. Für den Verbrauch wird bei der NGE ein Nettopreis von 8,5 Cent pro Kilowattstunde berechnet: Bei 20 000 kwh Wärmeabnahme ergäben sich Kosten von 2023 Euro pro Jahr.

BZ: Beim Anschluss von Altbauten oder Mehrfamilienhäusern mit Mietparteien? Gibt es besondere Probleme für Eigentümer oder Vermieter?
Weber: Nein. Der Anschluss macht eine eigene Heizanlage entbehrlich. Sie wird ersetzt durch eine kleine, platzsparende Übergabestation mit Hauptzähler. Darüber hinaus greift der Anschluss nicht in die Heizsysteme der Bestandsgebäude ein. Ein Vermieter muss weiter in Vorkasse gehen und die Kosten – eventuell mit einer Ablesefirma – verteilen. Allgemeinkosten für Kaminfeger, Abgasmessung, Heizstrom oder Wartung aber entfallen.

BZ: Die NGE garantiert Versorgungssicherheit. Wie weit reicht diese?
Berghoff: Die Garantie beinhaltet, dass selbst bei einem einwöchigen Ausfall der leistungsstärksten Anlage die Versorgung gesichert ist. Außerdem wird ein Ölkessel als unabhängige Wärmequelle für Notfälle bereitgehalten. Noch ein Beispiel sei genannt: In den von mir andernorts aufgebauten Nahwärmenetzen lagen die Ausfallzeiten bislang bei maximal drei Stunden im Jahr. Auch für nötige Reparaturen am Netz außerhalb der Grundstücke kommt die NGE auf.

BZ: Gibt es für die NGE – wie im Vorjahr vom Umweltminister angekündigt – auch Unterstützung durch das Land?
Haiss: Ja, durch das Gesetz "Effiziente Wärmenetze" vom April erhalten wir den maximalen Zuschuss von 350 000 Euro, was die Kreditaufnahme vermindert. Allein 200 000 Euro werden dafür gewährt, dass die Wärmeverluste im NGE-Netz unter 15 Prozent der aufgewandten Energie bleiben werden.

BZ: Nach langfristig erfolgter Kredittilgung – was wird in der NGE dann bei Überschüssen geschehen?
Wisser: Schon mit steigender Anschlusszahl sinken die Investitionskosten und damit der Wärmepreis. Kunden sparen bei der NGE auch den bei Heizungsaustausch – nach Erneuerbarem Wärmegesetz – geforderten 15 Prozent Wärmeanteil aus regenerativer Quelle. Langfristig wird der NGE-Vorstand sicher darauf dringen, auch die Überschüsse für niedrigere Preise zu verwenden.