Tagebucharchiv veranstaltet Autobiografietage

Autoren und Leser im Gespräch

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Do, 06. November 2008 um 16:25 Uhr

Emmendingen

Der Schriftsteller Martin Walser ist der prominenteste Teilnehmer der ersten Autobiografietage, die das Deutsche Tage bucharchiv in Emmendingen vom 21. bis 23. November veranstaltet.

EMMENDINGEN. Für Frauke von Troschke ist es der krönende Abschluss des Jubiläumsjahres mit großer Außenwirkung: Zum zehnjährigen Bestehen veranstaltet das Deutsche Tagebucharchiv erstmals "Autobiografietage". Prominentester Teilnehmer ist der Schriftsteller Martin Walser, der zum Thema "Schreiben als Verarbeitung von Lebenserfahrungen" in der Steinhalle öffentlich aus seinen Werken lesen wird.

Ziel der Veranstaltung, die in den kommenden Jahren regelmäßig angeboten werden soll, ist es, Verfasser und Leser von Tagebüchern und Lebenserinnerungen miteinander ins Gespräch zu bringen. "In Kleingruppen und Workshops sollen unter fachkundiger Moderation verschiedene Aspekte des Verfassens und Verstehens autobiografischer Texte besprochen und ausprobiert werden", erläuterten gestern beim Pressegespräch die Projektleiter Jutta Jäger-Schenk und Gerhard Seitz. Themenspektrum der Diskussion sind das lebensbegleitende Schreiben von Tagebuchaufzeichnungen, das rückblickende Aufschreiben von Lebenserfahrungen und das Lesen und Verstehen autobiografischer Texte.

Eröffnet wird die dreitägige Veranstaltung mit der öffentlichen Lesung des Schriftstellers Martin Walser am 21. November, 19 Uhr, in der Steinhalle (siehe Infobox). Walser wird dabei mit Prof. Ulrich Ott, dem ehemaligen Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach auch über die Tagebuchaufzeichnungen, die sein Leben begleitet haben, sprechen – eine Diskussion, in die sich auch die Zuhörer aktiv einmischen dürfen. Vorträge, Workshops und Arbeitsgruppen stehen am Samstag im Mittelpunkt der Tagung. Schon 55 Anmeldungen aus ganz Deutschland liegen zu den beiden Schreibwerkstätten "Die Gedanken sind frei" mit der Psychologin Elisabeth Mardorf und "Vom Erinnern zum Wort" mit der Kunst- und Poesietherapeutin Elvira Bleyler vor. Bei den übrigen Workshops steht das Lesen und Verstehen von Tagebüchern und Erinnerungen im Fokus. Ein Lieder- und Leseabend mit Juliane Hollerbach am Samstagabend und ein Gespräch zwischen DTA-Lesern und Tagebuchautoren mit Textauszügen am Sonntagvormittag, sowie die Wiederholung der erfolgreichen Ausstellung "Lebensspuren" im Rathaus runden die Veranstaltung ab.

Derzeit werden 6640 Dokumente von 2020 Autoren aufbewahrt

"Diese Tagung wird das Renommee des Tagebucharchivs noch verstärken", ist Kultur-Fachbereichsleiter Hans-Jörg Jenne überzeugt. Die Stadt unterstützt die Tagung als Projektpartner ebenso wie der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Land Baden-Württemberg und viele Sponsoren. "Unser besonderer Schatz sind neben den tollen Dokumenten unsere vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter", lobte die DTA-Vorsitzende Frauke von Troschke ihr Team. Derzeit werden 6640 Dokumente von 2020 Autoren im Alten Rathaus aufbewahrt und ausgewertet.