Das Wachstum soll maßvoll sein

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 04. April 2017

Emmendingen

Perspektivwerkstatt erarbeitet erste Zwischenergebnisse.

EMMENDINGEN. Nach der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung "Wachstum und Bebauung" wurde es am Samstag in der Steinhalle konkreter: in drei Arbeitsgruppen wurden unter der Projektleitung von Ute Kinn die ersten Ideen konkretisiert. Die erste Gruppe widmete sich den Themen Natur- und Umweltschutz, Grünflächenentwicklung, Klimaschutz und Wachstum, die zweite beschäftigte sich mit Verkehr, Nahversorgung, Handel und Gewerbe sowie der sozialen Infrastruktur. Eine dritte Gruppe nahm sich Investoren und Zielgruppen, Flächenbedarf sowie Wohnen und Bauen vor.

Natur und Umwelt
Karin Ritter, als Sprecherin für die Belange des Natur- und Umweltschutzes, sprach sich für den Erhalt von Haselwald/Spitzmatten sowie des Grüngürtels um die Stadt aus. Insgesamt sollte im Flächennutzungsplan der Verlust von Flächen und Landwirtschaft möglichst gering gehalten werden. Diese Kleingruppe sucht dennoch nach Orten für Wohnbebauung. Sie will auch prüfen, ob etwa im Gewerbegebiet Richtung Teningen Flächen zum Wohnen umgewidmet werden können. Georg Grafenmüller sprach sich für die Kleingruppe Klimaschutz für die Erstellung von Leitlinien für eine klimafreundliche Stadtentwicklung aus. Emmendingen brauche Frischluftschneisen, ausreichend grüne Inseln, um die Überhitzung von Quartieren zu verhindern. Zudem warb die Gruppe für autofreie oder autorreduzierte Stadtteile. Neben der Priorisierung von Rad- und Fußwegen sollten auch Überflutungsflächen und Versickerungsmöglichkeiten zum Schutz vor Hochwasser in die Planung miteinbezogen werden. Der Sprecher der Gruppe Wachstum Siegfried Hertel warb für ein qualitatives und beschränktes Wachstum von Emmendingen. Zielmarke für das Jahr 2035 seien 30 000 Einwohner. Einerseits solle der Zuzug begrenzt, andererseits das mehrgeschossige Bauen verstärkt und das Wohnen auf nicht genutzten gewerblichen und brachliegenden Flächen ermöglicht werden, etwa im Telekom-Gebäude oder bei Fischer-Upat.

Verkehr und Gewerbe
Andreas Rapp, als Sprecher der Kleingruppe Verkehr, plädierte für ein übergeordnetes Verkehrskonzept. Eine repräsentative Erhebung sollte dafür die Grundlage schaffen, bei der die Interessen von ÖPNV, dem motorisierten Individualverkehr, dem Parken, Radfahrern und Fußgängern Einzug finden sollten. Wichtige Einzelthemen seien etwa der Durchgangsverkehr Bürkle-Bleiche, Ost-West-Verbindung Waldkirch-Emmendingen-Kaiserstuhl, ein verbesserter ÖPNV oder die Wiederbelebung der K 5102. Zudem warb Rapp für ein Radwegekonzept mit Stellplätzen sowie für mehrgeschossige Parkplätze auch auf Supermärkten.

Für die Kleingruppe Nahversorgung, Handel und Gewerbe warb deren Sprecher Günther Hoffmann für eine mobile Grundversorgung in Maleck und Windenreute sowie in anderen unterversorgten Stadtteilen. Zudem sollen die Wochenmärkte attraktiver und vielseitiger gestaltet werden. Wenn Neugewerbe angesiedelt wird, so sollte geprüft werden, ob die Einkaufsläden für Wohnraumnutzung aufgestockt werden können. Außerdem sollte dem Leerstand in der Innenstadt entgegengewirkt werden. Sabine Mertes präsentierte Überlegungen für die konkreten Bebauungspläne, die aus dem Flächennutzungsplan entwickelte werden sollte. Sie seien nur auf städtischen Flächen zu entwickeln: "Nur so können bezahlbare Wohnformen entstehen." Dabei sollten soziale Wohnformen festgelegt werden. Auch sei an den Bau von Wohnungen für betreutes Wohnen und für benachteiligte Menschen zu denken. Zudem wirbt die Gruppe für die Beteiligung von Bürgergenossenschaften an den Bebauungsplänen. Wichtig für die soziale Infrastruktur seien ferner Kommunikations- und Begegnungsstätten, Wohnungstauschbörsen sowie die Ausweitung der Ehrenamtsbörse. Als gutes Beispiel nannte Sabine Mertes die Initiative Tafelberg.

Investoren und Zielgruppen
Die Sprecherin der "Investoren" Elisabeth Schneider-Reichel, empfahl die Förderung von Non-Profit-Investoren und die Gründung von Bauherrengemeinschaften aber auch selbst zum Investor zu werden. Dabei sei es ein Wunsch, eine städtische Beratungsstelle für zielorientiertes Bauen und Wohnen zu errichten, die als Anlaufstelle und Netzwerk dienen könne. Astrid Heidemann, als Sprecherin der Kleingruppe "Flächeninanspruchnahme", warb für eine Nachverdichtung und für maßvolles Wachstum auf neuen zu priorisierenden Flächen. Auch sollten innerstädtische Gewerbeflächen zur Wohnbebauung freigegeben werden. Die Kleingruppe Wohnen und Bauen um Sprecher Michael Rengers legte Grundsätze für ein maßvolles Wachstum fest mit guten Standards und einer prozessbegleitenden Bürgerbeteiligung. Dazu gehörten etwa preiswerte Wohnräume, neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser oder Wohngemeinschaften für bestimmte Zielgruppen sowie Raum für Begegnungsstätten. Rengers sieht auch durchaus Zielkonflikte zwischen Nachverdichtung und Erhalt von Grün- und Naturflächen. Auch könnten ökologische Standards zu Kostensteigerungen führen.