Der Weg führt "ins Offene"

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Mi, 21. Februar 2018

Emmendingen

Die Jahresausstellung Emmendinger Künstler hat ein neues Konzept: Eine Jury wählte die zwölf Teilnehmer dafür aus.

EMMENDINGEN. Zwölf Positionen, zwölf Statements – so charakterisiert Paula Seeger vom Organisationsteam des Kulturkreises die Jahresausstellung Emmendinger Künstler. Zwei Dinge sind neu: Das Thema "Ins Offene" war vorgegeben, und eine dreiköpfige Jury hat aus 31 Bewerbern zwölf Teilnehmer ausgewählt, die vom 4. März bis 6. April im Rathausfoyer ihre Werke zeigen werden.

Konzept und Idee waren ausführlich im Kunststammtisch des Kulturkreises diskutiert worden. "Ich verspreche mir viel davon", sagt Kultur-Fachbereichsleiter Hans-Jörg Jenne. Die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Ausstellungen seien immer spannend gewesen, doch er habe bedauert, dass es dabei keine Qualitätsmaßstäbe gegeben habe, ohne zu bewerten; der Kulturkreis habe niemanden wegschicken wollen. Die Begrenztheit der Räume führte dann oft dazu, dass acht Bilder an einer Wand hingen – besser seien drei, damit jedes die Chance habe zu wirken. Deswegen habe sich die Jury – Paula Seeger, Bernd Heeber, Volker Bauermeister – nun bewusst für zwölf Künstler entschieden.

"Die Beliebigkeit ist weg

und das ist gut."

Hans-Jörg Jenne
Das bedeute nicht, dass die anderen schlechter seien, aber die Aussteller haben angeboten, was ins Thema passe: "Die Beliebigkeit ist weg und das ist gut." Noch ein Vorteil: Die Arbeit sei jetzt auf mehr Schultern verteilt worden. Jenne stellte für das Jahr 2019 eine weitere neue Idee vor: Ein Wochenende lang sollen in der Steinhalle all jene ausstellen können, die es wollen.

Paula Seeger erklärte das Vorgehen. Das Thema habe zwei literarische Hintergründe: Karl-Heinz Otts Roman "Ins Offene", in dem der Autor in das Dorf seiner Kindheit zurückkehrt und die Enge und Prägung, aber auch seinen Weg der Befreiung daraus beschreibt; und das Gedicht "Der Gang aufs Land" von Friedrich Hölderlin, in dem es um Natur, aber auch um den Aufbruch und einen offenen Blick auf die Zukunft gehe.

Entsprechend werden ganz unterschiedliche Interpretationen zu sehen sein. Skulpturen, Fotografie, Malerei, Mischtechniken "und ein Tür" (Seeger) werden gezeigt. Skulpturen etwa stecken im Material, die Bearbeitung öffnet es; oder die Objekte vermitteln Durchblick, Einblick und Ausblick, wie Beate Neumann ihre Werke genannt hat. Räumliche Offenheit und der Bezug zur Natur werden in der Ausstellung ebenso eine Rolle spielen wie der Perspektivwechsel in Alex Jungs Fotografien. Oder es geht um Enge, die sich öffnet – das kann in der Malerei ein Spiel mit Transparenz und Farbigkeit sein. Dazu wird es Arbeiten geben, die sich mit Offenheit als innerer Lebenshaltung auseinandersetzen – offen sein gegenüber dem, was kommt, oder mit dem Ringen um diese Offenheit.

Jenne ist noch ein anderer Aspekt wichtig: "Es hat auch was mit Demokratieverständnis zu tun, Kunst allen zugänglich zu machen." Eine Galerie sei schön, aber nur für den, der sie aufsuche. Im Rathausfoyer sei es anders. Wer seinen Ausweis hole und einen Moment warten müsse, sehe die Werke – und nicht wenige schauten sie danach genauer an.

Die Aussteller: Lydia Leigh Clarke, Hanne Günther, Peter Hauck, Katharina Hoehler, Alex Jung, Beate Neumann, Lilli Röckle, Nadja Stolp, Birgit Straub, Wolfgang Straube, Julia von Troschke, Waldtraud Wengert.

Die Ausstellung "Ins Offene" im Rathausfoyer bis 6. April, Montag, Dienstag 8 bis 16 Uhr, Mittwoch 8 bis 14 Uhr, Donnerstag 8 bis 19 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr.

Die Vernissage am Sonntag, 4. März, 11.15 Uhr; Paula Seeger führt ein, Stephen Altoft (Trompete) und Lena Gersbacher (Oboe) musizieren.