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05. Februar 2014

Die hohe Kunst des Miteinander überzeugte

200 Zuhörer am Sonntagmorgen bei einem ungewöhnlichen Konzert im Festsaal des Zentrums für Psychiatrie.

  1. Schuberts Forellenquintett im ZfP: Diego Banuelos (Geige), Kilian Ziegler (Bratsche), Boris Feiner (Klavier), Matthias Heinrich (Cello), Jozef Novotný (Kontrabass) Foto: Hildegard Karig

EMMENDINGEN. Dieses Konzert, veranstaltet innerhalb des Programms des Komm /Therapie und Kultur im ZfP, fand überaus guten Zuspruch: Am Sonntagmorgen waren etwa 200 Zuhörer in den Festsaal des ZfP gekommen. Ein Programm, in dessen Mittelpunkt das bekannte und beliebte Forellen-Quintett von Franz Schubert stand, hatte für die Veranstalter überraschend viele Besucher angelockt. Durch die Gegenüberstellung des Klassikers (Schubert) mit zwei unbekannteren Werken (Schnittke und Albrechtsberger) erwies sich das Programm als klug konzipiert und interessant.

Ein weiteres Moment für die Attraktivität der Veranstaltung war die Besetzung. Dem Kontrabass kamen an diesem Morgen Partien zu, welche das Instrument aus der üblichen Verantwortung für das Bassfundament herausholten und es kammermusikalisch eigenständig erleben ließen. An den Beginn des Konzertes war der "Hymnus 2" des zeitgenössischen Komponisten Alfred Schnittke gesetzt und damit Cello und Kontrabass in den Vordergrund gerückt. Matthias Heinrich, Violoncello, und Jozef Novotný, Kontrabass, boten eine sinnliche Wiedergabe dieses Stückes, das in seiner spröden Ruhe beeindruckte. Äußerst lang gehaltene Töne, nebeneinandergestellt in den tiefsten Tiefen, wirkten meditativ, die Pizzicati dazu im Kontrast ließen aufhorchen und die hohen Flageolett - Passagen dieser beiden tiefen Instrumente, in denen das Stück ausklang, entführten in unübliche Klangwelt. Das unbeschwerte fröhliche Divertimento von Johann Georg Albrechtsberger nahm sich danach fast ein wenig zu brav aus, lediglich die warme dunkle Färbung durch Viola (Kilian ZIegler), Cello und Kontrabass bedeutete eine Besonderheit.

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Dann das Quintett von Schubert, das sowohl durch seine Besetzung als auch durch seine Länge eine kammermusikalische Besonderheit darstellt. Klavier, Violine (Diego Banuelos), Viola, Violoncello und Kontrabass gewinnen als Ensemble neuen Klangreiz, der tänzerische, heitere Charakter des Werkes lässt sich auch auf die Pizzicato-Passagen des Basses zurückführen. Schuberts lyrischer Melodienreichtum und seine Instrumentationskunst bezauberten aufs neue. Wunderschön gespielt im Andante das Miteinander von Bratsche und Cello. Die Streicher, Mitglieder der Baden-Badener Philharmonie, überzeugten durch ihre kammermusikalische Abstimmung. Es war zu spüren, dass Musiker mit großer Ensembleerfahrung am Werk waren. Die Gesamtleistung stand im Vordergrund, die Kommunikation untereinander war lebhaft, das Spiel konzentriert aufeinander bezogen.

Der Pianist Boris Feiner, der mit dem Klavierpart des Quintetts am deutlichsten für den konzertanten Charakter des Werkes verantwortlich war, spielte mit sicherer Virtuosität. Die Musizierfreude, die Schubert beim Komponieren schon erfüllt haben dürfte und die vor allem den tänzerisch-beschwingten letzten Satz ausmacht, war in der Wiedergabe intensiv zu spüren und teilte sich den Zuhörern mit den ersten Takten mit. Die Brillanz des Klaviers fand ihre Antwort in den klangschönen Passagen der Streicher, eine Harmonie, die den besonderen Reiz dieser Wiedergabe ausmachte. Die Spielfreude aller griff die musikantisch fröhlichen Momente dieser Schubertschen Musik optimal auf.

Autor: kar