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14. Januar 2014

"Du, Gott, eine Frage noch..."

Zum Auftakt der Glaubenskurse im Kirchenbezirk sprachen Prominente in der Stadtkirche über ihre persönlichen Erfahrungen.

  1. Vorsicht Goldmedaillengewinnerin: Esther Weber im Interview mit Schuldekan Ulrich Schmidt Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Was bedeutet Glauben? Ist es reine Privatsache oder gar etwas, für das man sich in der säkularen Welt schämen muss? Ist der Glaube an einen guten Gott angesichts der vielen Krisen und Katastrophen überhaupt noch aufrecht zu halten, also noch zeitgemäß? Solchen Fragen versucht die evangelische Kirche nachzugehen mit ihren Kursen zum Glauben, die in diesem Jahr von Januar bis Juni nicht nur den Gläubigen im Kirchenbezirk Emmendingen angeboten werden.

"Wir möchten Sie zum Fragen ermuntern, um über den Glauben zu reden", fordert Schuldekan Ulrich Schmidt zur Auftaktveranstaltung in der evangelischen Stadtkirche die Besucher auf. Gekommen sind mehr als 50 interessierte Bürger unterschiedlichen Alters. Die Fragen zum Glauben, zu Gott und der Bibel sind vielfältig und unerschöpflich. "Du, Gott, eine Frage noch …", heißt entsprechend das Motto der Informationsveranstaltung.

Lauter Punk-Rock von den Toten Hosen ist zu Beginn in der Stadtkirche zu hören. Es dient als Beispiel, dass auch Leute, von denen es nicht erwartet wird, zu Fragen des Glaubens Stellung nehmen, ohne selbst gläubig zu sein. In dem Lied "Beten" beleuchtet der Sänger Campino die Frage nach Gott: Er habe es nie richtig gelernt zu beten und war sich keiner Schuld bewusst und war als Kind nie gerne in der Kirche. Doch angesichts des Todes treibt es ihn wieder in die Kirche: "Ich bin hier, um mit dir zu reden."

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Gleich fünf Personen des öffentlichen Lebens bekennen sich in der Stadtkirche zum evangelischen Glauben. Es sind, wie Ulrich Schmidt hervorhebt, ihre persönlichen Erlebnisse, ihre ganz persönlichen Zugänge zu Gott und dem Glauben. "Genauso vielfältig, wir die Menschen selbst", sagt er. Für den CDU-Landtagsabgeordneten Marcel Schwehr ist es wichtig, über den Glauben zu sprechen, da er ein überzeugter Christ ist. Er erinnert an die verschiedenen christlichen Feste, bei denen es sich anscheinend um Früchte ohne Kern handle. Das Weihnachtsfest ist zum Stressfaktor geworden, Ostern wird meist nur mit dem Osterhasen verbunden. "Es ist paradox, man rennt draußen herum, hat Stress", sagt er. "Und doch gibt es Sehnsucht nach Halt und Orientierung." Marcel Schwehr fragt aber auch zugleich: "Wie kann die Gesellschaft den Kern wiederfinden?". Vielleicht indem man eine Aufgabe in einer Gemeinschaft übernimmt." Er selbst war Ministrant.

Ausgangspunkt, über den Glauben nachzudenken, war für die Freiämter Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench ein Gespräch mit einer Bekannten, in dem sie kritisiert wurde: "Du glaubst immer noch an Gott bei all diesem Leid?" "Ja, da ist noch etwas anderes", antwortet sie. Sie ist mit dem Glauben in einem evangelischen Haushalt aufgewachsen. "Der Glauben kann Gelassenheit geben", fasst sie zusammen. Er gibt innerliche Freiheit, kann trösten und gibt das Gefühl der Geborgenheit.

Der Kabarettist Martin Schley, bekannt als SWR-Hausmeister Edwin Hämmerle, war einst Chorknabe und erinnert daran, wie ihn die christlichen Rituale, die stille Andacht und das Glockenschlagen anzogen. "Was glaube ich?" fragt er. Das könne man nicht logisch erklären. "Herz, verlass dich darauf, das Hirn kann es nicht." Auf einen anderen Aspekt weist die Jura-Studentin Talia Fix hin. "Ich glaube lieber an Gott als an Nichts." Man dürfe angesichts des Antagonismus zwischen Bibel und Wissenschaft, auch zweifeln. Sie sei keine überzeugte Christin, wenn sie nicht wisse, dass sie sich auf Gott verlassen könne. "Man verliert nichts durch seine Glauben", ergänzt sie.

Die im Rollstuhl sitzende Waldkircherin Esther Weber gewann bei den Paralympics 1992 in Barcelona die Goldmedaille im Degen-Einzel. Ulrich Schmidt stellt ihr Fragen nicht nur nach ihren sportlichen Erfolgen und dem Fechtsport an sich, sondern auch nach ihrem Glauben. Esther Weber ist gläubige Christin und in einem christlichen Haushalt aufgewachsen. "Für mich ist der Glauben wichtig, er gehört einfach zum Alltag hinzu", erklärt sie im Interview. Sie sieht den Glauben als Kraftquelle an.

Zu guter Letzt weist Schmidt mit einer Dia-Show auf die verschiedenen Darstellungen von Gott in der Kunst hin. "Gottesbilder müssen sich wandeln. Genauso wie wir uns im Laufe des Lebens wandeln, so ändern sich die Vorstellungen von Gott", so der Schuldekan. "Welche Bilder von Gott sprechen mich an." Solche Art von Fragen und viele mehr kommen auf die Teilnehmer der Veranstaltungen zu, um sie gemeinsam zu erörtern.

Glaubenskurse im Internet unter: http://www.kurse-zum-glauben.de

Autor: Georg Voss