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14. Januar 2017

Eine Pädagogik der Ermutigung

Fritz-Boehle-Schule wurde als erste Schule in Baden-Württemberg als Best-Practice-Schule für Unternehmergeist ausgezeichnet.

  1. Noel Kuner und Katrin Fix enthüllen die neuen Ehrentafeln Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Die Fritz-Boehle-Schule wurde in Berlin vom Network For Teaching Entrepreneurship (NFTE) Deutschland als Best-Practice-Schule für Unternehmergeist 2016 ausgezeichnet. Sie ist eine von 13 Schulen und die erste in Baden-Württemberg, die diesen Preis erhielt. "Seit zehn Jahren läuft es hier perfekt", lobt Ulla Phillips, NFTE-Projektleitung Baden-Württemberg. Und das bei fast 300 Schülern und Schülerinnen. Diese Auszeichnung gebe es nicht für jede Schule. "Es ist wahnsinnig, was Lehrer und Schule leisten. Der diesjährige Preis sollte dringend nach Emmendingen."

Schulsprecherin Noel Kuner (Klasse 9) und Katrin Fix (Klasse 10) enthüllten dazu die entsprechenden Tafeln der NFTE, nach der die Schule Selbstvertrauen und Unternehmergeist mit innovativen NFTE-Wirtschaftskursen fördere. "Alle unsere Schüler und Schülerinnen ab der achten Klasse gehen durch diesen Kurs", sagt Schulleiterin Angela Hauser, die das Lob gerne annahm und an Lehrer und Schüler weitergab. Es führe auch bei Schülern zum Erfolg, von denen man es nicht erwartet habe. NFTE Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein, der den Anspruch hat, Lehrer auszubilden, die mit den Schülern Unternehmergeist und eine Geschäftsidee entwickeln. "Es ist eine wertschätzende Veranstaltung", sagt Ulla Phillips. "Wir wollen Einfallsreichtum, Eigeninitiative, Selbstvertrauen und Unternehmergeist in den öffentlichen Schulen wecken und fördern." Im Mittelpunkt stehe die Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen. Immer wieder entdeckt Phillips, dass auch leise Schüler eine Geschäftsidee haben: "Es ist manchmal verblüffend, was in ihnen steckt." Es sei eine Pädagogik der Ermutigung, die in den Brennpunkten der USA entstanden und hier in Deutschland auf die soziale Marktwirtschaft übertragen worden sei.

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Sven Erschig, Martin Haertwig und Sebastian Waldmüller sind NFTE-Lehrer an der Fritz-Boehle-Schule. "Insgesamt gibt es neun NFTE-Lehrer, eine stehe noch in den Startlöchern", so Angela Hauser. Im NFTE-Kurs werden die Schüler Unternehmer, die ihre eigenen Ideen und Produkte verkaufen. Dazu gehört auch die Erstellung eines Businessplans. So entwickelte Noel Kuner einen Mini-Mülli, der direkt am Schultisch befestigt wird und den kleinen Müll aufsammeln helfen will, und Katrin Fix einen Hiking-Stoßdämpfer, der an den Schuhsohlen befestigt wird und beim Bergsteigen die Knie schonen soll. Andere Schüler haben einen beleuchteten Regenschirm entwickelt.

Jedes Jahr gibt es Landesevents, bei dem sich zehn bis 15 Schulen bewerben können. Die Sieger fahren zum Bundesevent "Schülerpreis für Unternehmergeist", das im Dezember in zeitgleich mit dem Europaevent Berlin zusammenfiel. So konnte Elias Heller nach Berlin fahren und belegte mit seiner Geschäftsidee "Hatschi" den zweiten Platz. Der Bundessieger darf im März nach New York fliegen. Dort präsentieren die Schüler Projekt und Businesspläne. "Die Entwicklung eines Businessplan ist für ein Bewerbungsgespräch ein Meilenstein und Alleinstellungsmerkmal", erklärt Phillips. Oft haben Personalchefs gesagt: "Das war der Punkt, warum ich diesen Bewerber genommen habe." Auch seien die Schüler gut im Präsentieren ihrer Projekte. "Sie sprechen ruhig, was gerade im Bewerbungsgespräch wichtig ist."

NFTE-Lehrer Sven Erschig hat auch ein Sandwich-Projekt entwickelt. Es gehe nicht nur darum, die Sandwichs herzustellen, auch die Kosten müssen ermittelt werden: "Was kostet eine Gurkenscheibe, wieviel kostet eine Toastbrotscheibe", erläutert Erschig. NFTE sei mit Praktikum oder Betriebsbesichtigungen ein Gesamtpaket zur Berufsorientierung. "Die Schüler sind für NFTE leicht zu begeistern und sehr aufmerksam", fasst Angela Hauser zusammen. Es handelt sich hier um 14- oder 15-jährige Schüler. "Es ist in dieser Phase wichtig, ihnen den Rücken zu stärken."

Die Projekte der NFTE Deutschland werden auch unterstützt von der 1998 gegründeten Karl Schlecht Stiftung mit dem Ziel der umfassenden Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, die auch ethische und soziale Kompetenz beinhaltee. "Es ist erstaunlich, was die Schüler aus diesem Programm machen", sagt Marleen Schreiber, Junior-Referentin Bildung der Karl Schlecht Stiftung. "Wir freuen uns, dass wir mit der Fritz-Boehle-Schule zusammenarbeiten können."

Autor: Georg Voss