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06. November 2012

Für ein Recht auf Beschneidung

Bei ihrem Besuch in Emmendingen informiert sich Integrationsministerin Bilkey Öney auch bei der Jüdischen Gemeinde.

  1. Zum Informationsbesuch waren gestern die Ministerin für Integration Bilkey Öney (rechts) und die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle (links) in der Emmendinger Synagoge. Viktoria Budyakova und Jakiv Brontfeyn vom Vorstand der jüdsichen Gemeinde berichteten über die Situation der Gemeinde Foto: Markus Zimmermann, Markus Zimmermann

EMMENDINGEN. Ein klares Bekenntnis für das Recht auf Beschneidung im Rahmen der Ausübung religiöser Bräuche legte Bilkay Öney (SPD), baden-württembergische Ministerin für Integration, bei ihrem Besuch in der Synagoge ab. "Ich mache dies nicht als Muslimin, sondern als Person, die Respekt vor Religion hat", erklärte sie dabei. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde versicherte sie auf der erste Station ihrer Visite in Emmendingen, dass im Land auch die Staatsanwaltschaft kein Interesse daran habe, Beschneidungen strafrechtlich zu verfolgen.

Eine beruhigende Nachricht für die gastgebenden Vertreter der jüdischen Gemeinde, die betonten, dass trotz der Diskussion die Beschneidungspraxis weiter gepflegt werde. Viktoria Budyakova berichtete aber auch von Verunsicherungen durch die Diskussion. So habe es ein Emmendinger Arzt strikt abgelehnt, dass bei der Bescheidung eines Erwachsenen ein Rabbiner oder Mohel anwesend sind. "Es gibt das Recht des Kindes, aber auch das Elternrecht", betonte Bilkay Öney, die auf Einladung der Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle Emmendingen besuchte.

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Interkultureller Trialog von Juden, Christen und Moslems

Öney zeigte sich sehr erfreut über den in Emmendingen gepflegte interkulturellen Trialog von Juden, Christen und Muslimen. Gerade auf das Zusammenwirken von Juden und Muslimen setze sie im Kampf gegen Rechtsextremismus und damit auch Antisemitismus. "Es gibt immer noch antisemitische Einstellungen bis in die Mitte der Gesellschaft", so Öney und leider auch bei Teilen von muslimischen Migranten. Deshalb sei es umso wichtiger, die vielen Gemeinsamkeiten zu betonen und, so Sabine Wölfle, die Unterschiede als Bereicherung zu verstehen". "Stellen sie Förderanträge direkt bei uns", machte die Ministerin Monika Miklis, die regelmäßig interkulturelle Projekte für Kinder und Jugendliche anbietet, Hoffnung, dass solche Projekte zukünftig gefördert werden könnten.

Keine Probleme habe die Gemeinde, die mehr als 300 Mitglieder in den Kreisen Emmendingen und Ortenau zählt, mit der Beerdigung nach jüdischem Brauch. "Wir beerdigen nicht ohne Särge und die Zusammenarbeit mit örtlichen Bestattern, die mit den jüdischen Gebräuchen vertraut sind, ist sehr gut", betonte Viktoria Budyakova. Die stellvertretende Gemeinde-Vorsitzende äußerte den Wunsch, dass, nachdem der jüdische Religionsunterricht an Schulen gleichgestellt sei, der Islamunterricht den gleichen Status erhalten möge. In der Gemeinde sei der Unterricht sehr gut organisiert.

Deutlich verbesserungswürdig seien die Sprachkurse für Migranten, betonte der Vorsitzende Jakiv Brontfeyn. Die Kurse, die von der Arbeitsagentur angeboten werden, seien wenig hilfreich, wisse er aus eigener Erfahrung. Deshalb habe die Gemeinde auch Mitglieder, die aus den GUS-Staaten kamen, gefordert und sogar eigene Lehrer beschäftigt. Denn die Sprache, da waren sich alle einig, sei das A und O bei einer gelingenden Integration. "Um die müssen sich aber auch die Migranten selbst bemühen", so Viktoria Budyakova. Dass Integration nicht gleichbedeutend sie mit dem Verzicht auf die eigene Kultur, betonte Ruslan Manishirov, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde.

Beim Besuch in der Kreisgeschäftsstelle des Deutschen Roten Kreuzes informierte sich die Ministerin über die Integrationsangebote des DRK. Im Mittelpunkt stand dabei das Projekt KomBi das DRK-Kreisgeschäftsführer Jochen Hilpert vorstellte. Mit Landrat Hanno Hurth und der Sozialdezernentin Ulrike Kleinknecht-Strähle wurde die Thematik der Unterbringung von Asylbewerbern diskutiert. Sicher sei, so Sabine Wölfle, dass die bisherige Mindestfläche je Person in den Unterkünften deutlich vergrößert werde. Statt den bisher geltenden viereinhalb Quadratmetern stünden nun sieben oder siebeneinhalb Quadratmeter im Raum. Dadurch würden sich die Lebensbedingungen der Asylsuchenden deutlich verbessern. Jedoch werde bei der Verbesserung nicht allein auf die Quadratmeterzahl geachtet. Qualitative Verbesserungen, beispielsweise bessere Sprachkurse, dürften aufgrund von zu hohen Kosten für eine räumliche Verbesserung nicht vernachlässigt werden, so die Abgeordnete.

Autor: Markus Zimmermann