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26. August 2014

Gewonnen haben beide Teams

Das Friedensspiel des FC Emmendingen und des FC Newark auf historischem Boden endete 4:1, doch das war Nebensache.

  1. Kranzniederlegung am Gedenkstein für 44000 im Ersten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten auf dem Friedhof Langemark: SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner, OB-Stellvertreter Joachim Saar und Stadthistoriker Hans-Jörg Jenne mit Spielern und Betreuern des FC Emmendingen und des FC Newark. Foto: Hans Meidhof

YPERN/EMMENDINGEN. Es war ein historisches und bewegendes Spiel: Hundert Jahre, nachdem deutsche und englische Soldaten im belgischen Ypern mit einem Match zwischen den Schützengräben für wenige Stunden das grausame Schlachten unterbrochen hatten, standen sich am Sonntag der FC Emmendingen und der Newark Town FC aus der englischen Partnerstadt gegenüber. Das Spiel endete wie berichtet 4:1 für das Team des Landesligisten, doch das war Nebensache.

Renzo Düringer, Vorsitzender des FC Emmendingen und Francis Towndrow auf englischer Seite waren die Initiatoren für die Begegnung der beiden Fußballvereine auf dem eigens für dieses Spiel gebauten Fußballplatz im belgischen Messines, auf das noch weitere folgen werden. Nach einer problemlos verlaufenen Busfahrt hatte die 60-köpfige Delegation am Freitagabend Ypern erreicht und konnte am "Zapfenstreich" am Menen-Tor – einer feierlichen Zeremonie zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten – teilnehmen. Joachim Saar und Renzo Düringer legten in einem Seitenflügel des Ehrenmals zusammen mit Newarks Town-Mayor Tom Brickley und Gran Cartledge, dem Sheriff von Nottinghamshire, Kränze nieder.

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Am Samstag machten die englischen und deutschen Teilnehmer verschiedene Besuche auf den Schlachtfeldern und Friedhöfen des Kriegsschauplatzes rund um Ypern. Chris Grant aus Newark führte die Besucher kenntnisreich in die historischen Vorgänge ein. Dabei wurde auch der Originalschauplatz des Fußballspiels am Weihnachtstag 1914 besucht, an dem sich heute ein Kreuz mit Informationstafel befindet. Es folgte ein Besuch der Ypres Salient, der Anhöhe 60, die im Wechsel von Franzosen, Deutschen und Engländern eingenommen wurde. Beim Ausflug auf die verschiedenen Schlachtfelder rund um Ypern gab es für alle Teilnehmer Informationen, die bisher so nicht bekannt waren. Auch Stadthistoriker Hans-Jörg Jenne trug zum Verständnis Wissenswertes bei.

Ein beeindruckendes Erlebnis war der Besuch auf dem Commonwealth-Tyne Cot mit seinen 35 000 Namen von gefallenen Soldaten. Ein FCE-Spieler sagte: "Man muss viel Demut haben vor dem jugendlichen Alter der Toten und froh sein, dass wir heute in einer kriegsfreien Demokratie leben und nicht in kriegerische Ereignisse hineingezogen werden." Beeindruckend war auch der Besuch des Friedhofes Langemark. Dort legten OB-Stellvertreter Joachim Saar, der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner und Hans-Jörg Jenne am zentralen Gedenkpunkt einen Kranz der Stadt nieder.

Der Sonntag begann mit einem Empfang des Bürgermeisters von Mesen/Messines, Sandy Evrard, an dem auch die britische Botschafterin Alison Rose und ihr deutscher Amtskollege in Brüssel, Ekkard Cunz, teilnahmen. Alle Redner würdigten die Initiative der beiden Fußballvereine, anlässlich des 30-jährigen Partnerschaftsjubiläums auf authentischem Boden ein "Friedensspiel" auszutragen. Pünktlich um 11 Uhr legte der englische Torhüter den Ball auf die Mittellinie und ein temporeiches und faires Spiel begann. FCE-Chef Renzo Düringer sagte: "Gewonnen haben beide Mannschaften, weil wir im Gegensatz zu unseren historischen Vorbildern nach dem Spiel gemeinsam Mittagessen waren und Freunde bleiben und uns nicht im Schützengraben gegenseitig das Leben nehmen müssen."

Weitere Fotos auf Seite 19 und im Internet: http://mehr.bz/ypern-fc14

Autor: Hans Meidhof