Musikalische Postkarten verschickt

Katharina Bächle

Von Katharina Bächle

Di, 12. April 2016

Emmendingen

Das Abschlusskonzert des Jugendblasorchesters Breisgau bot jede Menge Stielvielfalt.

EMMENDINGEN. Jedes Jahr veranstaltet das Jugendblasorchester Breisgau (JBO) ein Konzert zu einem bestimmten Projekt. Etwa 40 Jugendliche aus verschiedenen Orchestern aus dem gesamten Bezirk des Oberbadischen Blasmusikverbandes nahmen in diesem Jahr daran teil. Beim Abschlusskonzert in der Elzhalle in Wasser ging das Orchester diesmal unter dem Motto "Postkarten – Stilvielfalt grenzenlos" mit seinen beiden Dirigenten Katrin Osner und Nicholas Reed auf musikalische Weltreise.

Siyahamb ´Ekukhanyeni Kwen-Khos – mit diesen Zeilen startete die Reise um die Welt. Die erste Postkarte trug den Absender Afrika. Darauf stand soviel wie "Wir marschieren im Licht Gottes." Dieser Spiritual symbolisierte mit seiner drängenden Rhythmik den Aufbruch. Aber auch das Stimmungsbild der afrikanischen Steppe, ihre weite Landschaft und die Natur wurden musikalisch erlebbar. Den einsetzenden Regen etwa mit dem Effektinstrument Regenmacher.

Afrika war der Beginn der musikalischen Reise auf verschiedene Kontinente und in ferne Länder. Das JBO schrieb in seinem Konzert insgesamt sechs musikalische Postkarten voller Eindrücke und Impressionen. Mal still, mal drängend-dynamisch, bis hin zu großer Ausdrucksstärke.

Eine musikalische Postkarte, die nicht nur Grüße aus einem fernen Land brachte, sondern vor dem inneren Auge einen Film ablaufen ließ, war das Stück "Red covered bridge" von Robert Sheldon. Die mit großen Spannungsbögen angelehnte Komposition hatte Anklänge an die großen Hits der Filmgeschichte und ließ dem Publikum zugleich Raum für eine eigene Geschichte. Eine rot überdachte Brücke in Illinois diente als Sheldon als Inspiration für sein lyrisches Werk. Und wahrlich in den Takten waren die Geschichten der Menschen, die diese Brücke überqueren, mit jeder Note herauszuhören.

Große, grenzenlose Stilvielfalt wurde geboten. Von afrikanischen Spirituals über amerikanische Arrangements bis zu griechischen Suiten. Auch klanglich differenzierte das Orchester und präsentierte sich neben großem, voluminösem Klangkörper auch mit zwei Ensemblestücken. So machte das Register der Flöten in Ungarn Station und brachte Béla Bartóks "Country dance" zu Gehör. "Hier geht es nicht um einen typischen Country-Sound. Eher werden volkstümliche Elemente der ungarischen Musik verarbeitet", erläuterte Marcel Hiller. Mit kleinen Moderationen gab der Saxofonspieler dem Publikum einen kleinen Abriss zu den jeweiligen Stücken.

Die Klarinetten spielten "Deep River", einen afroamerikanischen Spiritual, in dem der Jordan besungen wird.

Der schwarze Kontinent hatte es dem Orchester als Reiseziel besonders angetan. Und so sendeten die Musiker noch eine weitere Postkarten von dort. Mit "The Lion sleeps tonight" erklang ein Stück, das dem Publikum aus dem Film "Der König der Löwen" nur zu gut bekannt war. Doch das Lied ist noch älter als der Film, erfuhren die Besucher von Hiller. "Bereits 1961 brachten die American Tokens diesen Hit heraus."

Die letzte Postkarte sendete das JBO aus Griechenland. Mit der "Suite of Greek Love Songs" von Henk von Lijnschooten präsentierte das Orchester drei Spottlieder über die Liebe. "Für seine Suite dienten von Lijnschooten Volkslieder aus dem 18. Jahrhundert als Basis. Dabei verwendet der Komponist immer nur das Anfangsmotiv der Volkslieder", erklärte Hiller. "Er illustriert den Text wiederum musikalisch und gibt ihnen so seine eigene Note." Die Suite konnte auch als Programmmusik verstanden werden. Mal keck, mal frech, dann wieder wild und aufbrausend. Der Spott und die Ironie der Frau über ihre Liebhaber war in allen drei Sätzen deutlich herauszuhören.

Das Verschicken der musikalischen Post gestaltete sich kurzweilig. Das Publikum erlebte in einer knappen Stunde unterschiedlichste Stile und musikalische Vielfalt auf hohem Niveau. Der Applaus zeigte: Gerne hätte es die ein oder andere Postkarte mehr sein können.