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12. Januar 2013

Mutige Mädchen und Schulautonomie

An der Fritz-Boehle-Werkrealschule beginnt das Projekt im Februar, an der Markgrafen-Realschule wahrscheinlich nach Ostern.

  1. „Mutige Mädchen“ üben als Prävention vor sexuellen Übergriffen. Foto: Nicolas Scherger

EMMENDINGEN. Nicht erst seit der Missbrauchsdebatte ist sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein Thema. Ein von den Psychologen Lynn und Peter Kalinowski entwickeltes Programm soll Mädchen stärken, damit sie keine Opfer werden. Die Initiatoren wollten das Projekt "Mutige Mädchen" in allen Emmendinger Schulen installieren. Doch nun müssen sie stückweise vorgehen und "Klinken putzen".

An der Fritz-Boehle-Werkrealschule beginnt das Projekt im Februar, an der Markgrafenrealschule wahrscheinlich im April; wie an der Förderschule, soll es dort über Spenden finanziert werden. Für das Gymnasium laufen noch Gespräche.

Was unterscheidet das Konzept von
Gewaltpräventionsprojekten?
Ziel ist es, sexuelle Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Aus dem Karate entwickelt, geht es ausschließlich um Verteidigung, vor allem um Selbstbehauptung und die Fähigkeit, Nein sagen und das auch vermitteln zu können. Das Projekt soll das Risiko zu reduzieren, dass Mädchen Opfer werden. Dazu gehört das realistische Einschätzen einer Situation, der Abbau unsicheren Verhaltens und als ultima ratio die körperliche Gegenwehr. "In 80 Prozent der Fälle lässt der Täter von einem sich auch nur minimal wehrenden Opfer ab", sagen die Initiatoren.

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Warum gibt es das

Angebot nicht für alle?

Das Konzept klingt ebenso logisch wie gut; die Stadträte waren bei der Präsentation vor rund einem Jahr sehr angetan (die BZ berichtete). Geld stellten sie allerdings nicht zur Verfügung, und das ist offenbar der Punkt, weshalb es mit dem "flächendeckend" nicht klappt. Heike Petereit-Zipfel von der Initiative Karate Kunst, die im psychologischen Teil unterrichtet, hat sich deswegen mit Schulfördervereinen in Verbindung gesetzt. 750 Euro kostet ein Kurs für 20 bis 30 Mädchen pro Jahr, an der Förderschule und an der Realschule dürfte das auf drei Jahre angelegte Konzept über Spenden laufen.

Warum ist es für alle

Mädchen wichtig?
Die Geldfrage ist heikel, weil die flächendeckende Einführung den Initiatoren nicht nur zu Forschungszwecken wichtig erschien: Es sollten alle Siebtklässlerinnen in den Genuss dieser Schulung kommen, auch die, deren Eltern das vielleicht nicht für nötig halten, weil sie ihre Tochter behütet aufwachsen sehen. Doch aus Kindern werden Leute: "Das ist doch ein Thema, das Frauen ihr ganzes Leben lang begleitet", sagt Petereit-Zipfel. Dann gebe es Eltern, die es schlicht nicht bezahlen können oder wollen, und andere, die sich nicht um das Thema kümmern. Ein Vereinsangebot würde sie also nicht erreichen. Schulunterricht schien die Lösung; so werden die fünf Doppelstunden für die "Mutigen Mädchen" an der Real- und der Werkrealschule in den Sportunterricht integriert. Wie auch immer, den Eltern sollen keine Kosten entstehen.

Warum greift die Stadtverwaltung
nicht ein?
Dass es an der Fritz-Boehle-Werkrealschule ohne Fördervereinsgeld klappt, hängt nach Aussagen des für die Schulen zuständigen Fachbereichsleiters Hans-Jörg Jenne an der Schulform: Als Ganztagsschule habe diese Schule einen Etat für pädagogische Maßnahmen und könne so ein Projekt finanzieren. Aber auch hier liege die Entscheidung bei der Schule, betont er: Die Stadt könne lediglich Türöffner sein, Kontakte vermitteln; was sie getan habe. Aber sie könne und wolle nicht in die schulische Autonomie eingreifen. Für eine gute Idee hält er das Projekt gleichwohl; man könne aber nichts erzwingen und brauche manchmal einen langen Atem. Nicht zuletzt gebe es auch andere Anbieter und Projekte in der Gewaltprävention, beispielsweise laufe eines am Goethe-Gymnasium. Solche Alternativen wendeten sich auch an Jungen, andere setzten bei jüngeren Kindern an.

Kontakt: info@karatekunst.de oder   0176/94389495.

Autor: Sylvia-Karina Jahn