Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Juli 2017 12:16 Uhr

Eduard-Spranger-Schule

Welche Erfahrungen Schüler mit einem Klassenhund machen

Die Schülerinnen und Schüler der Eduard-Spranger-Schule im Emmendinger Ortsteil Wasser haben einen Mitschüler, der bellt und apportiert: Nek, den Klassenhund. Wie läuft der Schulalltag mit Hund ab?

  1. Nek, ein dreieinhalb Jahre alter Barbet, ist als Klassenhund an der Eduard-Spranger-Schule im Einsatz. Foto: Lena Marie Jörger

  2. Apportieren, Slalom, Longieren – das und mehr üben die Schüler mit Nek auf dem Schulhof. Foto: privat

Einige Schüler der Eduard-Spranger-Schule in Wasser haben einen besonderen Mitschüler. Er liebt es zu rennen, hat lockige Haare und vier Pfoten: Nek ist der Klassenhund. Lehrer Joachim Rosenfelder bringt seinen Barbet an mehreren Tagen in der Woche mit in den Unterricht. Manchmal darf Nek einfach nur zuhören, manchmal Aufgaben auswählen. Donnerstags steht Training auf dem Stundenplan – mit den Schülern.

Nek rennt. Immer geradeaus. Die Ohren schlackern im Wind. Der Blick ist stur auf das Ziel gerichtet: auf den bunten Stoffbeutel mit den Leckerlis. Er liegt einige Meter vor ihm auf dem Boden. Dort angekommen, bremst Nek ab, schnappt den Beutel, trabt zurück. Mit hoch erhobenem Kopf und Schwanz. Die Plakette an seinem Halsband klimpert.

Schulhof wird zum Hundesportplatz

"Super, Nekkki", ruft Matthias. Der Schüler lächelt. Mit ausgestreckter Hand wartet er auf Nek, der den Beutel bringt. "Sitz", sagt Matthias, als er bei ihm ist. Er streicht ihm kurz über den Kopf, gibt ihm ein Leckerli. "Gut gemacht", lobt Joachim Rosenfelder, Lehrer und Neks Besitzer. Zusammen mit Matthias’ Mitschülern sitzt er wenige Meter entfernt auf einer Bank und beobachtet. Es ist Donnerstagmittag. Alle zwei Wochen wird der Hof der Eduard-Spranger-Schule zum Hundesportplatz. Apportieren, Slalom, Longieren – das und mehr üben die Schüler mit Nek.

Werbung


Dreieinhalb Jahre ist der Rüde mit dem schokoladenbraunen, lockigen Fell und den Schlappohren alt. "Ich wollte ohnehin einen Hund, also habe ich mir überlegt, dass ich ihn in den Unterricht mitnehmen könnte", erzählt Joachim Rosenfelder. Ein Jahr lang informierte er sich, unter anderem im Arbeitskreis Schulhund, über das Thema. Schließlich erarbeitete er ein Konzept für den Einsatz des Klassenhundes, informierte die Schulleitung und die Kollegen und holte die Zustimmung der Eltern ein.

"Nek ist ein Barbet", erklärt Joachim Rosenfelder. "Diese Rasse hat mir gefallen, weil sie noch nicht so überzüchtet ist." Nek stammt von einem Züchter aus der Schweiz. Zusammen mit einigen seiner Schülern fuhr er kurz nach Neks Geburt dorthin. "Als Welpe habe ich ihn dann schon ab und an mit in die Klasse genommen, damit er sich an die Schüler gewöhnt und sie sich an ihn."

Die Kinder haben mittlerweile mit Absperrband verbundene Wasserkanister in einem Kreis aufgestellt. Im Inneren dieses Kreises steht Jürgen. Nek steht außerhalb. Jürgen nimmt den Leckerlibeutel in die rechte Hand, gibt dem Hund ein Zeichen und beginnt, im Kreis zu rennen. Nek trabt außen entlang. Die rosafarbene Zunge hängt ihm aus der Schnauze. Jürgen hält an, ändert die Richtung. Nek folgt. Dann stoppt Jürgen wieder, sucht Neks Blick. "Sitz!" Der Hund gehorcht und schaut sein Gegenüber erwartungsvoll an. Jürgen wirft den Beutel in einem hohen Bogen auf den Schulhof. Auf das Kommando "Apport" stürmt Nek los, holt den Beutel und die verdiente Belohnung.

Nek nimmt den Kindern Ängste – vor allem vor Hunden

Eine halbe Stunde zuvor erweckte der Barbet noch nicht den Eindruck, sich gleich sportlich betätigen zu wollen. Auf seinem roten Teppich in der Gitterbox aus Metall, die in einer Ecke des Klassenzimmers steht, döste er, den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt. Die Tür zu der Box, seinem Rückzugsort, war zwar geöffnet, aber Nek ließ das kalt. Erst als die Kinder ins Klassenzimmer kamen, erhob er sich langsam, streckte sich und trottete aus der Box. Zur Begrüßung gab’s von den Schülern Streicheleinheiten. Und ein Lied, in dem unter anderem folgende Zeile vorkommt: "Nek, der Barbet, der ist wunderschön."

Nicht alle Schüler hätten das dreieinhalb Jahre früher wohl über einen Hund gesagt. Die elfjährige Lenja beispielsweise. Sie hatte Angst. Wer die Schülerin im Umgang mit Nek beobachtet, merkt davon nichts mehr. Lachend spielt sie mit ihm, krault ihn, streckt ihm die Hand mit Leckerlis hin. "Nek hat dabei geholfen, Ängste abzubauen", erklärt Joachim Rosenfelder. "Ich war überrascht, wie schnell das ging." Viele Kinder gingen auch lieber zur Schule, wenn sie wüssten, dass Nek da ist. "Außerdem lernen sie, Verantwortung zu übernehmen", erklärt der Lehrer. "Sie müssen etwa dafür sorgen, dass Nek genug Wasser hat und dass keine Essensreste oder Reißnägel herumliegen." Für alle sichtbar hängt an der Tafel ein Plakat: "Was Nek braucht".

"Es ist wichtig, dass er genug Pausen bekommt und sich erholen kann." Joachim Rosenfelder
An manchen Tagen ist der Barbet einfach nur dabei und kann sich frei im Klassenzimmer bewegen. "Das dient unter anderem der Beruhigung und Motivation", erklärt Joachim Rosenfelder. Im Fachunterricht, etwa in Deutsch, wird der Hund manchmal auch aktiv eingebunden. Mit einem großen Würfel, dessen Seiten statt Zahlen Arbeitsanweisungen anzeigen, wählt er dann beispielsweise Aufgaben für die Schüler aus. Donnerstags steht die direkte Arbeit mit dem Hund im Fokus. Alle zwei Wochen besucht die Klasse zusammen mit Nek die Hundeschule von Sonja Ziemer in Freiburg. Dort lernen sie, worauf es im Umgang mit dem Tier ankommt. Und Tricks wie das Apportieren. In den jeweils anderen Wochen wird das Gelernte auf dem Schulhof geübt.

Dort trabt Nek gerade wieder im Kreis, Carmen hinterher. Die Schülerin hält an. Nek läuft weiter. Carmen schaut ihm irritiert hinterher. "Jetzt wird er langsam müde", stellt Joachim Rosenfelder fest. "Er macht, was er will", sagt Lenja neben ihm und lacht. "Setz dich durch, Carmen", fordert ihr Lehrer auf. Schließlich klappt es, Nek gehorcht. "So, aufräumen", ruft Joachim Rosenfelder. Er lockt Nek zu sich, um ihm die Leine anzulegen. Die Kinder packen das Übungszubehör zusammen und tragen es zurück ins Klassenzimmer. Dort angekommen, zieht es Nek in seine Box. "Es ist wichtig, dass er genug Pausen bekommt und sich erholen kann", erklärt sein Herrchen. Nek legt sich auf seinen roten Teppich. Er macht jetzt erst mal wieder ein Mittagsschläfchen. Hausaufgaben gibt es für ihn keine.
Schulhunde

Nek ist an der Eduard-Spranger-Schule in Wasser nicht als Schul-, sondern als sogenannter Klassenhund im Einsatz, ist also nur im Unterricht in der fünften Klasse von Joachim Rosenfelder dabei. Andere Schüler dürfen in den Pausen mit Nek spielen. Der Barbet ist nicht der einzige Vierbeiner, der eine Emmendinger Schule besucht. An der Fritz-Boehle-Schule beispielsweise gibt es gleich zwei Schulhunde. An der Mundinger Grundschule gab es ebenfalls einen, mittlerweile ist er aber "in Rente". Laut Staatlichem Schulamt haben Schul- und Klassenhunde positive Auswirkungen auf die Lernatmosphäre und auf das Sozialverhalten der Schüler. Wichtig sei aber das Einverständnis der Eltern und ein ausreichender Haftpflichtschutz des Hundehalters. Das teilt auch das Regierungspräsidium Freiburg mit. "Bisher sind die Rückmeldungen zu den Erfahrungen mit Schulhunden durchweg positiv zu bewerten", so das Regierungspräsidium.

Autor: Lena Marie Jörger