Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. November 2017

Neue Musik für eine neue Schaukel

Der Verein Benefiz Musik und Kultur für andere gab in der Boehle-Halle zwei grandiose Konzerte zugunsten des Kinderschutzbundes.

  1. Musik für eine neue Nestschaukel: beim 14. Benefizkonzert des Vereins „Benefiz - Musik und Kultur für andere“ wurde der Emmendinger Kinderschutzbund unterstützt. Foto: Katharina Bächle

EMMENDINGEN. Musik und Kultur mit dem Wohltätigkeitsgedanken zu verbinden, darin sieht der Verein Benefiz – Musik und Kultur für andere – seinen Zweck. Bei seinem 14. Konzert unter dem Titel "Grenzenlos" absolvierte das rund 80-köpfige symphonische Blasorchester unter Hardy Mertens zwei grandiose Auftritte in der gut gefüllten Fritz-Boehle-Halle. "Der Verein trägt nicht nur den Namen Benefiz, sondern lebt dieses Motto auch", sagte der Vorsitzende Günter Krieg.

Schirmherr OB Stefan Schlatterer ergänzte, dass es vor einem viertel Jahrhundert eigentlich damit angefangen habe, "nur ein gutes Konzert zu gestalten." Er sei, wie alle Besucher sehr gespannt, was in diesem Jahr erarbeitet wurde. Unter dem Titel "Grenzenlos" fanden sich dieses Mal Musikerinnen aus Baden, Württemberg, der Schweiz und Frankreich zusammen und boten in ihrem Konzertprogramm symphonische Blasmusik vom feinsten.

Musik zur Entschleunigung

Den Auftakt machte "Azerbaijan Capriccio" von Fikret Amirov, das von volkstümlichen Melodien geprägt war und bei dem der Komponist der Sowjetunion mit Hohn und Spott gegenübertritt. Das 1961 entstandene Stück nutze er als Waffe gegen das Regime. Hörbar schon an den ersten Takten, die die Zuhörer mit an diesen Kriegsschauplatz nahmen.

Werbung


Edward Elgars neunte Enigma-Variation Nimrod hingegen wird ruhig und getragen von den Musikern interpretiert. Hardy Mertens versteht es, die Wichtigkeit eines jeden Tones der zufälligen Tonfolge, auf der das Stück basiert, zu untermauern. Das Orchester bot damit herrliche Musik zur Entschleunigung.

Die beiden Kompositionen von Hardy Mertens entführten die Konzertbesucher zum einen nach Sardinien und auf eine Reise in ein Land aus 1001 Nacht. Mit "Xenia Sarda" erklang typisches mediterranes Flair. Ähnlich wie Sibelius in "Finlandia", verarbeitet Mertens mit seiner Tondichtung seine Eindrücke, die er in Sardinien in Form der Gastfreundschaft, der Natur, des Essens, des Weines und des Nationalstolzes erfahren hat. Mit der Auftragskomposition "Viva el Litro" zeigte sich eine weitere Facette der neuen Musik. Die orientalischen Klänge der Bläser wurden durch perkussive Rhythmen untermauert. Fallende Blätter und Herbstlaub, das in rot, gelb, grün und braunen Farbtönen leuchtet, zauberten die Musiker dem Publikum mit dem Stück "October" von Eric Whitcare vor das innere Auge. Musikalische Erinnerungen an einen leuchtenden, bunten Herbst treten durch die verschiedenen Klangfarben der englischen Romantik zutage. Mit immenser Tonspannung gelingt es Mertens, die Seele der herbstlichen Natur einzufangen.

Den Abschluss machte – passend zum Reformationsjahr – der Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott", der die Grundlage für Philip Sparks "Between the two rivers" bildet. Mal marschähnlich, mal als dunkles Bassthema oder als Fuge erklingt das Kirchenlied und zeigt unterschiedlichste Klangfacetten.

Unterstützt wurde in diesem Jahr der Kinderschutzbund Emmendingen, der vom Erlös eine Nestschaukel finanzieren will. Angelika Herold-Reisch vom Kinderschutzbund dankte den Musikern, "dass sie sich die Zeit nehmen, für uns so ein tolles Konzert zu spielen."

Mit ihrem reichhaltigen Applaus entlockten die Besucher noch zwei Zugaben. Kurz und spritzig schickten die Musiker ihr Publikum mit "Chuckrer Out" und dem "Philips Centennial Marsch" ihres Komponisten Mertens auf einen beschwingten Nachhauseweg. "Es hat sich gelohnt", war der Tenor der Besucher.

Autor: Katharina Bächle