Nur Superlative für "1590 Jakob & Elisabeth"

Georg Voß

Von Georg Voß

Mo, 17. Juli 2017

Emmendingen

Das Publikum reagiert im Wehrle-Werk mit großer Begeisterung.

EMMENDINGEN. Selten gab es eine so große Einigkeit unter Zuschauern: Von "wunderbar" bis "spitzenmäßig" reichten am Freitagabend im Wehrle-Werk die Bewertungen für das Musical des Goethe-Gymnasiums. Mit Superlativen wurde "die Welturaufführung", so Gastgeber Volker Steinberg von der Wehrle-Werk-AG, von "1590 Jakob & Elisabeth" auch nach der Aufführung bedacht. Dazu gab es den verdienten Beifall und Standing Ovations. In der Tat war es eine herausragende Aufführung, die das Goethe Gymnasium zu seiner 350-Jahr-Feier auf die Beine gestellt hatte.

200 Mitwirkende des GGE sind an diesem großartigen Bühnenerfolg beteiligt. Der Aufwand ist immens, umso größer dann der Erfolg.

Text und Musik stammen von dem gebürtigen Emmendinger Jens Uhlenhoff, der 2008 den Kulturpreis der Stadt verliehen bekam. Und für die vielen Mitwirkenden braucht es eine gewaltige Halle. Die zum Theater umfunktionierte Halle bietet einen kontrastreichen Raum für eine faszinierende Geschichte um die Liebe zwischen Jakob und Elisabeth, die die Geschichte Emmendingen prägte, und den frühen Tod von Jakob des Dritten, der unerwartet 1590 nach seiner Konvertierung zum Katholizismus im Alter von 28 Jahren als Markgraf von Baden-Hachberg starb. Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht der Witwe Elisabeth von Pallandt-Culemborg.

Bei der Premiere am Freitagabend schlüpfte Eva Bartmann in die Gesangsrolle der älteren Elisabeth. Die Ruinen der Hochburg sind als Filmausschnitt zu sehen. Auf dem Boden hockend mit dem Rücken zum Publikum stimmt sie ihr Klagelied an: "Dieser Ort war früher mein Zuhause." Hätte sie geahnt, hätte sie gewusst, wohin ihr Weg führen würde, klagt sie, hätte sie sich anders entschieden und schreit zum Schluss ihren Verdruss hinaus. Schwarzgekleidete Tänzerinnen setzen die Klage kongenial in Szene. Sie wird nach dem Tod Jakobs Gefangene der Hochburg sein, da die Markgrafschaft an Jakobs Bruder Ernst Friedrich, gespielt von Leonardo Lukanow, fiel, und er wieder die Reformation einführte. Getreu nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555: "cuius regio, eius religio".

Dann ein Szenenwechsel. Marktplatzgeschehen im neuzeitlichen Köln um 1586. Die Händler kommen in die Stadt, Tänze werden aufgeführt und der Dom ist immer noch nicht fertig. "Seit 200 Jahren arbeiten wir daran. Verdammte Großbauprojekte." Zwei Rabauken werden beim Brotdiebstahl erwischt, doch Elisabeth als junge Frau (Elena Braun) hat Mitleid mit den beiden Kindern: "Ich weiß, ihr habt Hunger". Und Elisabeth strahlt viel Optimismus aus. "Ich will die Welt in ihren Farben sehen." Das Markgeschehen verwandelt sich in ein Freudenfest, in eine riesige Polonaise. Und der Chor stimmt mit ein, während die Musik kraftvoll und vorwärtstreibend ist. In dieser Szene sind fast alle Akteure des GGE auf der Bühne vertreten. Eine Ohren- und Augenweide.

Köln ist Ende des 16. Jahrhunderts die zweitgrößte Stadt Deutschlands und ein Thema macht dort die Runde. Wird der lutherische Jakob seine angebetete Elisabeth heiraten dürfen? Doch zuvor hält ein gewisser Jobst (Raphael Müller-Bütow) um die Hand von Elisabeth an, der Tochter des Grafen Floris Pallandt (Micha Kulse). Bei dieser Szene beweisen die Musicalmacher viel Humor, da Jobst derartig tollpatschig um deren Gunst wirbt, dass es für die Zuschauer eine Freude ist.

Doch in Emmendingen herrscht ein anderes Klima. Die beiden Brüder Ernst Friedrich und Jakob bewegen Menschen wie Schachfiguren auf einem Brett. Während im ersten Akt sich alles um die Anbahnung der Ehe zwischen Jakob und Elisabeth dreht, fokussiert sich der zweite Akt mehr um die geschichtlichen Ereignisse.

Emmendingen erhält 1590 das Stadtrecht. In Emmendingen findet das zweite Religionsgespräch statt. Daraufhin konvertiert Jakob zum Katholizismus. "Cuius regio, eius religio", heißt es schließlich. Die Szene ist ein absoluter Höhepunkt des Musicals. Stimmgewaltig kommt der Chor daher, großartig choreografiert sind die Bewegungen, die zur kraftvollen Musik passen.

Die Rollen der vier singenden und spielenden Hauptprotagonisten sind jeweils doppelbesetzt. Im anderen Cast sind die Darsteller der Gesangsrollen Tim Stolberg (Jakob), Yara Borchert (die junge Elisabeth) Johanna Armbruster (die ältere Elisabeth) und Helena Huber. Für die Gesamtprojektleitung ist Berthold Breitsch verantwortlich. Die musikalische Gesamtleitung hat Joachim Müller, der Goethes Groove Connection dirigiert. Das Orchester leitet Elisabeth Engelken. Regie führt Stefan Gnädinger.

Unterstützt werden sie von einer Tanzgruppe (Leitung: Ilse Rauer und Irmgard Staubach-Schönberger). Für die Übergänge der Bühnenbilder ist Suleika Schäfer verantwortlich. Die technische Leitung hat Hannes Mutter.