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29. August 2017

Traditionen des Judentums erfahren

Beim Tag der Jüdischen Kultur am 3. September gibt es einen Einblick in Beiträge des Judentums zur europäischen Kultur.

  1. Carola Grasse, Monika Miklis und Olga Maryanovska (nicht auf dem Bild) laden zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 3. September ein Foto: Georg Voß

  2. Carola Grasse, Monika Miklis und Olga Maryanovska (nicht auf dem Bild) laden zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 3. September ein Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. "Diaspora" ist das Leitthema des Europäischen Tags der Jüdischen Kultur, der in 33 europäischen Ländern von Bosnien-Herzegowina bis Portugal und der Türkei am ersten Samstag im September begangen wird. Der Tag will dazu beitragen, Traditionen und Bräuche des europäischen Judentums besser bekannt zu machen, und erinnert an die Beiträge des Judentums zur europäischen Kultur.

"Der europäische Tag der jüdischen Kultur entstand 1996 auf Initiative der elsässischen Jüdischen Organisation ’B’nai B’rith Hirschler’ im Department Bas-Rhin", sagt Carola Grasse, Vorsitzende des Vereins für Jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen. Der Zentralrat der Juden wünscht sich auch eine Öffnung der Häuser, um Antisemitismus vorzubeugen. Nicht viele Gemeinden und Städte in Baden haben wie Emmendingen gleichzeitig eine lebendige jüdische Gemeinde und eine aktive Gedenkstätte, wie das Jüdische Museum in Trägerschaft des Vereins für Jüdische Geschichte und Kultur. Daher ist das Programm in Emmendingen so vielfältig und lockt auch Besucher aus dem Elsass an.

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Mit der jüdischen Gemeinde ins Gespräch kommen

Aufgrund der Geschichte haben sich unterschiedliche jüdische Identitäten in den jeweiligen europäischen Ländern mit den unterschiedlichsten Strömungen vom Reformjudentum über konservative und orthodoxe jüdische Gemeinden herausgebildet. "Es ist gibt nicht die jüdische Identität", sagt Monika Rachel Raija Miklis, Dozentin am Jüdischen Lehrhaus Emmendingen. "Man spricht besser von Identitäten." Das Judentum in der Schweiz unterscheide sich von dem in Deutschland. In der Diaspora leben religiöse, kulturelle, nationale und ethnische Gemeinschaften, die wie das Judentum in alle Teile der Welt verstreut sind. Im engeren Sinn bezeichnet Diaspora "Juden, die nicht in Israel leben", so Monika Rachel Raija Miklis. "Diaspora ist ein komplexes und hoch spannendes Thema", ergänzt Carola Grasse. "Wir versuchen das Thema auf vielfältiger Weise aufzugreifen."

Die jüdische Gemeinde Emmendingen bietet am Simon-Veit-Haus wie jedes Jahr koscheren Wein und Sekt, selbstgebackenen Kaffee und Kuchen, sowie Challa; das ist ein Zopfbrot, das an jüdischen Feiertagen gereicht wird. So gibt es für Besucher reichlich Gelegenheit, um mit den jüdischen Gemeindemitgliedern um die Vorsitzende Olga Maryanovska ins Gespräch zu kommen. Zudem wird Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky die Besucher durch die Synagoge in der Landvogtei führen. Er hlt auch im jüdischen Museum einen Vortrag über "Als religiöser Jude in der Diaspora leben". Hier sind Gespräche und Diskussion mit dem Rabbiner willkommen. Ursula Hellerich, Dozentin am Jüdischen Lehrhaus Emmendingen bietet unter dem programmatischen Titel "Weit von Wo?" einen Einblick in die aktuelle Literatur der jüdischen Diaspora im 21. Jahrhundert und liest Auszüge daraus vor. Monika Rachel Raija Miklis wirft einen Blick auf jüdische Identitäten im Spiegel moderner Synagogenarchitektur mit anschaulichen Bildern wie etwa der in Rottweil, die Anfang des Jahres eingeweiht wurde. Als Vorlage der Synagogenarchitektur dienen so Davidstern oder Gebetkapseln, die zwölf Stämme Israels oder hebräische Wörter.

Weiter bieten Noemi Wertheimer und Carola Grasse eine Führung durch das Jüdische Museum und die Sonderausstellung "Zeugnisse jüdischer Familiengeschichte" an. Sie stehen auch zu Fragen offen beim Tag der offenen Tür, bei der das Museum und die Mikwe besichtigt werden kann. Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur schließt mit einem Konzert mit Stella’s Morgenstern im Bürgersaal des Alten Rathauses. Mit zwei Stimmen, vier Händen, vier Sprachen und zwölf Instrumente werden der Gitarrist Andreas Hecht und Sängerin Stella "New and Old Jewish Folk präsentieren in der anglosächsischen Folk-Tradition mit mediterranen und orientalischen Klängen. Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei, um Spenden wird gebeten.

Programm: 11 bis 18 Uhr Museum geöffnet, 12 bis 18 Uhr Bewirtung am Simon-Veit-Haus, Kirchstr. 11; 11.30 Uhr Vortrag"Als religiöser Jude in der Diaspora leben"; 14 Uhr Führung durch das Museum und die Sonderausstellung "Zeugnisse jüdischer Familiengeschichten" ; 15 Uhr Vortrag "Jüdische Identität im Spiegel moderner Synagogenarchitektur"; 17 Uhr Vortrag "Weit von wo? - Literatur der jüdischen Diaspora im 21. Jahrhundert"; 14 und 16 Uhr Führung durch die Synagoge, Landvogtei 11; 19 Uhr Konzert mit Stella‘s Morgenstern "New and Old Jewish Folk", Altes Rathaus, Marktplatz 1.

Autor: Georg Voß