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23. Mai 2017

Wenn jede Minute zählt

Die lokale Schlaganfallstation des Kreiskrankenhauses wurde rezertifiziert / Seit Mai 2016 ist dort auch Lysetherapie möglich.

  1. Krankenhausgeschäftsführerin Elisabeth Vario (von links) und die Ärzte Michael Kottlors, Robert Kaufmann und Peter Hafkemeyer neben dem Monitor für die Teleneurologie. Foto: Lena Marie Jörger

EMMENDINGEN. Zeit ist kostbar – das gilt insbesondere bei einem Schlaganfall. Wenige Minuten entscheiden, ob ein Patient sich wieder erholt oder mit einer Beeinträchtigung leben muss. Im Landkreis Emmendingen kümmert sich die lokale Schlaganfallstation am Kreiskrankenhaus Emmendingen um Betroffene. Seit einigen Monaten bieten die Ärzte dort eine Behandlungsmöglichkeit an, für die Patienten früher nach Freiburg gebracht werden mussten.

Was ist ein Schlaganfall?
Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt. Wie Michael Kottlors, Facharzt für Neurologie und Oberarzt der Inneren Abteilung am Kreiskrankenhaus, erläutert, gebe es zwei Hauptursachen. In zehn bis 20 Prozent der Fälle löse eine Blutung im Gehirn einen Schlaganfall aus. In etwa 80 Prozent der Fälle seien verstopfte Blutgefäße, zum Beispiel durch ein Gerinnsel, die Ursache. Durch die Unterversorgung komme es "innerhalb von Minuten zu irreversiblen Schäden", erklärt Michael Kottlors. Symptome eines Schlaganfalls können unter anderem Sprachstörungen und Lähmungen sein. Wer derartige Symptome bemerkt, sollte sofort einen Notarzt rufen. Laut Robert Kaufmann, Facharzt für Neurologie und Oberarzt auf der Schlaganfallstation, werden im Landkreis pro Jahr rund 300 Patienten behandelt, 2016 seien es fast 400 gewesen. "Die Zahlen werden weiter zunehmen", erklärt er und begründet das mit dem demografischen Wandel.

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Was ist eine Schlaganfallstation?
Die Schlaganfallkonzeption für Baden-Württemberg sieht ein dreistufiges System vor: mit überregionalen Schlaganfallzentren, regionalen Schlaganfallschwerpunkten und lokalen Schlaganfallstationen. Letztere gibt es am Kreiskrankenhaus – es ist die einzige im Landkreis. Die Station mit vier Betten ist Teil der Inneren Abteilung. Rund um die Uhr – auch am Wochenende – versorgen dort Ärzte und speziell geschultes Pflegepersonal die Patienten.

Seit wann gibt es die Station?
Die Station wurde 2002 konzipiert, zwei Jahre später wurde sie zertifiziert, im Februar 2017 rezertifiziert. Beim Pressegespräch im Kreiskrankenhaus zeigt sich Peter Hafkemeyer, Chefarzt der Inneren Abteilung, stolz. Günther Schützhoff, Oberarzt der Inneren Abteilung, habe "großen Anteil" an der Umsetzung der Station gehabt, die Neurologen Michael Kottlors und Robert Kaufmann hätten einen "großen Teil zur Realisierung des Zertifizierungsprozesses" beigetragen, lobt er. Elisabeth Vario, Geschäftsführerin des Kreiskrankenhauses, ist ebenfalls stolz auf die Rezertifizierung. Sie spricht von einer "deutlichen Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung". Früher mussten Betroffene mit akuten Symptomen auf die Schlaganfallstation der neurologischen Universitätsklinik Freiburg gebracht werden. Dort wurden sie mit der intravenösen Lysetherapie behandelt. Seit Mai 2016 ist das auch am Kreiskrankenhaus Emmendingen möglich – seit Oktober 2016 rund um die Uhr.

Was ist intravenöse Lysetherapie?
Diese Behandlungsmethode gibt es laut Michael Kottlors seit Mitte der 90er-Jahre. Dem Patienten wird ein Medikament gespritzt, das das Blutgerinnsel auflösen soll. Zeit spielt eine wichtige Rolle: Das Medikament muss innerhalb von viereinhalb Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome gespritzt werden. Diese Therapieform war, wie Peter Hafkemeyer erklärt, ein "wesentliches Kriterium" für die Rezertifizierung.

Ist die Therapie für jeden geeignet?
Nein, bevor sie angewandt wird, ist eine umfassende Diagnostik notwendig. "Es gilt abzuklären, ob möglicherweise etwas anderes, zum Beispiel eine Migräne, Auslöser für die Symptome war", erklärt Michael Kottlors. Der Zeitdruck, unter dem das Personal auf der Station arbeitet, ist groß. "Je schneller ein Patient das Medikament bekommt, desto besser kommt er raus", betont der Neurologe. Seit Mai 2016 seien im Kreiskrankenhaus 21 Patienten lysiert worden. Patienten mit einem großen Gerinnsel müssen für eine sogenannte Katheterintervention weiterhin in die Freiburger Uniklinik gebracht werden. "Wichtig ist, dass auf unserer Station das Getriebe läuft", so Michael Kottlors. Alle Berufsgruppen arbeiteten Hand in Hand. Während der Patient auf dem Weg sei, werde die Station informiert. Sobald der Patient angekommen sei, beginne die Diagnostik. Dazu setzt das Team auch auf Teleneurologie.

Was bedeutet Teleneurologie?
Über einen Monitor, der vor den Patienten geschoben wird, werden Neurologen der Freiburger Uniklinik zugeschaltet. Sie können den Patienten dank einer hochauflösenden Kamera sehen und auch mit ihm sprechen. Der Neurologe in Freiburg und ein Arzt vor Ort untersuchen dann gemeinsam den Patienten.

Autor: Lena Marie Jörger