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10. März 2009 15:33 Uhr

Wer baute den "Üsenberger Hof" in Endingen?

Auf den Spuren des Jörg Landeck

Jörg Landeck und Katharina im Holz ließen Ende des 15. Jahrhunderts den Üsenberger Hof in Endingen erbauen. Ein bisschen etwas von der Ehefrau Katharina war bekannt. Doch bei Landeck tappte man bisher im Dunkeln.

  1. Historiker Thomas Steffens und das Bild vom „Armen Niemand“, das möglicherweise Jörg Landeck darstellt. Foto: Michael Haberer

ENDINGEN. Der in Endingen lebende Thomas Steffens, Historiker der Gemeinden Teningen und March, brachte etwas Licht ins Dunkel. Vor 40 Zuhörern in der Kornhalle berichtete er Neues von den Erbauern und dem Gebäude, in dem das Vorderösterreich-Museum und das Verkehrsbüro untergebracht sind.

Dass das Ehepaar Landeck das Gebäude zur Zeit Kaiser Maximilians I. erbauen ließ, ist dank der Wappen am Gebäude und der Untersuchungen der Balken klar. Bekannt ist auch, dass der große Keller, auf dem der Üsenberger Hof wie auch das Nachbargebäude sitzen, zu einem früheren Gebäude gehörte. Vielleicht wurde dieses schon um die Jahrtausendwende gebaut. Doch mit den Üsenbergern hat das Bauwerk nichts zu tun.

Ein Denkmalpfleger schreibt Geschichte

Alt-Bürgermeister Helmut Eitenbenz wies im Laufe des Abends darauf hin, dass der gemeinsame Nenner des Gebäudes und des mittelalterlichen Adelsgeschlechts ein Denkmalpfleger sei. Dieser habe in den 50er Jahren das damals Adelshof genannte Gebäude freihändig in den Üsenberger Hof umbenannt. Der Denkmalpfleger sei der Meinung  gewesen, Adelshof klinge zu beliebig, so Eitenbenz. Der Mann hat damit ein wenig Geschichte geschrieben, denn der Name Üsenberger Hof ist nicht mehr wegzudenken in Endingen.

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Wahrscheinlich hatte die Witwe im Holz das Geld und das blaue Blut in die Ehe gebracht, so dass sich das Ehepaar Landeck ein für den Niederadel von ritterlicher Herkunft standesgemäßes Gebäude am damaligen Rand Endingens bauen konnte. Landeck selbst könnte Kaufmann gewesen sein, spekulierte Steffens. Er interpretiert die Stube im Obergeschoss, zu der man früher über eine Außentreppe gelangte, als eine Art Kontor. Den Hinweis auf den bürgerlichen Beruf sieht Steffens im Bild vom "Armen Niemand" bei der Treppe im Obergeschoss. Steffens hält die Gesichtszüge für zu differenziert für eine symbolische Figur. Sie könnte Landeck darstellen, denn dieser Niemand liegt wohl auf einem Pfeffersack, dem Markenzeichen der Kaufmannschaft, deren Reichtum von der Würze kam.

Der "Arme Niemand" auf dem Pfeffersack

Sicher dagegen ist Steffens Befund über die Herkunft von Jörg Landeck. Er stammte aus dem Raum Würzburg und hat mit den Herren der Burg Landeck bei Mundingen nichts zu tun. Der Ausgangspunkt für Steffens Detektivarbeit war Johannes Kehrer, der in der Zeit Landecks Bischof in Freiburg war. Kehrer kam aus Wertheim an der Tauber, heute rund eine halbe Stunde Autofahrt von Würzburg weg. Kehrers Vater Hans war mit einer Adelheid Landeck verheiratet. Und Landecks gibt es im Raum Würzburg viele. Die Verbindung nach Endingen scheint stichhaltig. Doch dann war Steffens mit seiner Weisheit erst einmal am Ende. Wo das Ehepaar abgeblieben ist und was es heißt, dass das Erbe an Andreas Hübschmann in Biederbach ging, musste offen bleiben. Hier greift Steffens Einstieg in die Geschichte des Gebäudes: "Von wirklicher Sicherheit sind wir noch weit entfernt."

Autor: Michael Haberer