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13. September 2017

Hilfe im Kampf ums Überleben

Endinger sammeln Medikamente für Menschen in Tovar.

  1. Schlange stehen für lebenswichtige Medikamente: Die Endinger Hilfsaktion ist für viele Menschen in Tovar die einzige Chance, notwendige Medikamente zu bekommen. Foto: Privat

  2. Haidy Collin mit Padre Pedro Hernández beim Auspacken einer Medikamentenlieferung aus Endingen. Foto: Privat

  3. Haidy Collin mit Padre Pedro Hernández beim Auspacken einer Medikamentenlieferung aus Endingen Foto: Privat

ENDINGEN. Die Medikamentensammlung für die Menschen in Tovar/Venezuela läuft auf Hochtouren. Bernd Meyer, Vorsitzender des Freundeskreises und der Stiftung der Colonia Tovar, und Sarah Misle Dürr, die aus Tovar stammt, machen tagelang nichts anderes, als Medikamente abzuholen, zu sortieren, zu dokumentieren, zu verpacken und zu verschicken. "Es ist ein Fass ohne Boden. Die Zustände in Venezuela und Tovar werden jeden Tag schlimmer," berichten sie im BZ-Gespräch.

Ohne die breite Unterstützung aus der Bevölkerung in Endingen und der ganzen Region könnte den Menschen in Tovar überhaupt nicht geholfen werden. "Wir bekommen Medikamente von verschiedenen Stellen, viele Menschen helfen uns Gott sei Dank", sagt Sarah Misle Dürr. Dass die Situation in Venezuela und auch in Tovar einer Katastrophe gleicht, ist bekannt. Wie groß die Katastrophe ist, die eigentlich ein humanitärer Notstand ist, kann sich hierzulande jedoch niemand wirklich vorstellen. "Jeder Tag ist ein Kampf ums Essen, um Medikamente, um die Sicherheit, ums Überleben", sagt Sarah Misle Dürr. Dass der Sohn einer Freundin in Tovar bei einem Überfall im eigenen Kuhstall umgebracht wurde, kann sie kaum fassen.

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Zusammen mit Bernd Meyer verbringt Sarah Misle Dürr fast ihre gesamte Freizeit damit, Medikamente für den Transport zu verpacken – und das ist eine unglaublich aufwändige Arbeit. Jedes Medikament muss aufgelistet werden, bevor es in den Karton kommt. Die Medikamentenpakete gehen direkt nach Tovar an die evangelische Kirchengemeinde, von dort gehen sie an die Medizinbank, die Alexandra Collin zusammen mit den beiden Tovarer Ärztinnen Vanessa Muttach und Genesis Rudmann betreut. Wer ein Rezept hat, kann zur Medizinbank gehen, die nur an einem Tag wenige Stunden geöffnet ist, und bekommt das Medikament zugeteilt – wenn es vorhanden ist. Gibt es dringend benötigte Medikamente nicht, ist das für viele eine Katastrophe.

Mit den Spenden, die der Freundeskreis und Sarah Misle Dürr erhalten, werden aber auch ganz gezielt Medikamente gekauft – zum Beispiel für die Schule für behinderte Kinder in Tovar. Ganz besonders dringend gebraucht werden dort Medikamente, die bei Epilepsie verordnet werden. Das kostet Geld, doch noch mehr Geld kostet das Versenden der Pakete. Ein 15 Kilo schweres Paket voller Medikamente kostet 150 Euro. Bernd Meyer freut sich über jeden Euro: "Jeder soll wissen, was wir mit dem Geld machen und wie dringend wir es brauchen." Das Geld stammt aus der Kollekte von dem Gedenkgottesdienst für die Menschen in Venezuela und der großen Veranstaltung mit Fritz Keller in Oberbergen. Dazu kommen die vielen kleinen Spenden, die Bernd Meyer und andere Mitglieder des Freundeskreises bekommen. "Wir versuchen mit vereinten Kräften, mit Freundeskreis und Stiftung, die Kosten zu stemmen", sagt Bernd Meyer.

Alle Medikamentenpakete sind bislang in Tovar eingetroffen, die Verteilung vor Ort klappt. Nun soll das Projekt öffentlich gemacht werden, nachdem die Testphase erfolgreich abgeschlossen ist. Alle Tovarer, die in der Region leben, und alle Menschen hier, die Verwandte und Freunde in Tovar haben, der Freundeskreis und viele andere, wollen dazu beitragen, die Not der Menschen in Tovar auf diesem Wege wenigstens etwas zu lindern. Keine Blutdruckmedikamente, keine Antibiotika, keine Schmerzmittel, kein Verbandsmaterial, keine orthopädischen Hilfsmittel – es gibt nichts. Und es gibt Menschen, die ihr Auto verkaufen, damit sie sich in Kolumbien Stomabeutel für ihren künstlichen Darmausgang kaufen können.

Allem Elend zum Trotz machen Sarah Misle Dürr und Bernd Meyer unverdrossen weiter und hoffen, dass ihre Hilfsaktion weiterhin regen Zuspruch erfährt.

Medikamente für Tovar

Wer Medikamente spenden möchte, kann sie zur Buchhandlung Vollherbst-Koch oder zu Bernd Meyer (Seilnachtstraße 12, Tel. 07642/1888) oder Toni Morand (Stollbruckstraße 7, Tel. 07642/ 5588) vom Freundeskreis bringen. Die Packungen dürfen angebrochen sein, die Medikamente müssen aber noch mindestens sechs Monate haltbar sein. Wer weitere Informationen zur Hilfsaktion für die Colonia Tovar möchte, kann sich außerdem an Sarah Misle Dürr (Tel. 0176-86232832 oder E-Mail sarahms gmx.de) wenden.

Spendenkonto: Stiftung Colonia Tovar, IBAN:DE19 6809 0000 0000 5858 58; Verwendungszweck: Medikamentenversand.  

Autor: rsz

Autor: Ruth Seitz