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11. Juli 2017

Leben und lernen mit und in der Natur

Erster "Tag der offenen Tür" im neuen Endinger Waldkindergarten "Wurzelkinder" stößt auf große Resonanz.

  1. Planer Oliver Heizmann (rechts) erläutert die Vorteile der in Stroh-Lehm-Bauweise konstruierten Schutzhütte. Foto: Christel Hülter-Hassler

ENDINGEN. Eine städtische Einrichtung, die noch vor kurzem von einigen in Endingen kritisch beäugt oder belächelt worden ist, ist zwischenzeitlich etabliert und nachgefragt: Am ersten "Tag der offenen Tür" des Waldkindergartens "Wurzelkinder" am Sonntag gab es viel anerkennende Resonanz und mehr als 200 interessierte Besucher in den Riedmatten.

"Da sitzen irgendwelche Ökos im Endinger Wald und betreuen Kinder!" Diese Vorstellung einiger kritischer Beobachter gehöre wohl der Vergangenheit an , freut sich Hendrik Epe angesichts der großen positiven Resonanz. Allein die Tatsache, dass der Waldkindergarten in kürzester Zeit mit großem ehrenamtlichen Einsatz auf die Beine gestellt werden konnte, suche seinesgleichen in der Region, so der Vorsitzende des Fördervereins.

Im September 2016 hat die Einrichtung auf einem idyllischen, von Wald, Wiesen und Reben umgebenem Platz in der Gemarkung "Riedmatten" ihren Betrieb aufgenommen. Elf Kinder werden zur Zeit hier betreut, 19 Plätze sind anvisiert. Ein Schmuckstück ist die aus Holz, Strohballen und Lehm in viel Eigenleistung von Eltern und Unterstützern gebaute Schutzhütte in Achteckform. Viele Besucher lassen sich am Sonntag von Planer Oliver Heizmann erklären, warum das Raumklima in dieser Bauweise so angenehm ist und warum die alten Materialien heute wieder so nachgefragt sind.

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Lob kommt auch von Bürgermeister-Stellvertreterin Bettina Stumpf-Maroska. Das Angebot des Waldkindergartens helfe der Stadt, auf den zunehmenden Bedarf an Plätzen mit einer ganz besonderen Einrichtung zu reagieren , die alle Anforderungen erfülle. Der von Aline Czapiewski und Ronald Linder betriebenen Idee vom Waldkindergarten hat sich inzwischen eine immer größer werdende Gruppe von motivierten Eltern angeschlossen. Es gibt einen Förderverein und ein mit viel Herzblut agierendes pädagogisches Team, dem auch die Waldpädagogin Aline Czapiewski angehört.

Leiterin Natalie Heitzmann dankt in ihrer Begrüßungsrede vor allem der Stadt für ihr Entgegenkommen als Trägerin und versichert: "Die Kinder fühlen sich hier sehr wohl!"

Dass im Waldkindergarten nichts "dubios" oder unprofessionell ist – davon überzeugen sich die Besucher während der angebotenen Führungen, den Darbietungen der Kinder oder auch auf dem eindrucksvoll gestalteten Rundweg im Wald mit Barfußpfad, vielen Bildern und bemerkenswerten Texten.

"Immer wenn ich hierher komme, freue ich mich für meine Enkelin Mathilda", versichert Sonja Schmidt. "Ich finde auch andere Kindergartenkonzepte gut und schlüssig", betont die Lehrerin, aber dieser Ort ermögliche den Kleinen ein unmittelbares Leben mit der Natur und mit den Jahreszeiten. "Es hat viel von dem, wie Kinder früher spielen konnten", so die vierfache Großmutter.

Ihre Tochter Leonie fügt hinzu, dass sich alle Kinder hier sofort zuhause fühlten. "Es sind die Eltern, die abwägen. Die Kinder lassen sich sofort ein auf die vielfältigen Möglichkeiten."

Vorgefertigtes Spielmaterial gibt es nicht. Die "Wurzelkinder" erfahren Bildung mit allen Sinnen. Sie schauen, horchen, entdecken und begnügen sich mit Wenigem. Das "entschleunigte Leben" spricht viele an, wenn sie sich den Tagesablauf im Waldkindergarten erklären lassen. Großer Wert wird auf klare Strukturen im Ablauf, auf feste Rituale und auf ein starkes Miteinander gelegt.

"Ich bin froh über die Möglichkeit!" sasgt Daniel Schlindwein. Im Herbst beginnt für Sohn Enjo, die Kindergartenzeit bei den Wurzelkindern. Auch die Großeltern beobachten zufrieden, wie freudig Enjo den Barfußpfad ausprobiert.

Informationen gibt es auch unter waldkindergarten-endingen.de

Autor: Christel Hülter-Hassler