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27. Januar 2016

Erinnerung an ein Überleben im Naziterror

Zum Holocaust-Gedenktag las die Zeitzeugin Tamar Dreyfuss in der Breisacher Realschule / Fotoausstellung im Blauen Haus .

  1. Die Klasse 9f der Hugo-Höfler-Realschule sang unter der Leitung der Musikerin Katharina Müther anlässlich des Gedenktags für den Holocaust jüdische Lieder. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Mit einer Lesung in der Hugo-Höfler-Realschule und einer Ausstellung im Blauen Haus wurde am Sonntag in Breisach des Holocausts an den europäischen Juden gedacht.

Vor 20 Jahren gab Bundespräsident Roman Herzog die Anregung, den 27. Januar zum Gedenktag zu ernennen. An diesem Tag des Jahres 1945 hatte die Rote Armee der Sowjetunion das Konzentrationslager Auschwitz befreit, in dem die Schergen des Naziregimes Hunderttausende Juden, Roma und Sinti sowie politische Häftlinge aus vielen Ländern Europas quälten und ermordeten. 2002 erhoben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum internationalen Gedenktag, seither wird an diesem Datum weltweit der vielen Opfer des Holocausts gedacht.

Eine wichtige Erfahrung für die junge Generation

In der Hugo-Höfler-Realschule las die Jüdin Tamar Dreifuss aus ihrem Buch "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944". Es basiert auf den Lebenserinnerungen ihrer Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter zusammen im jüdischen Ghetto der litauischen Hauptstadt Wilna und später versteckt in einem Kloster den Naziterror überlebte. Die Mutter hat sie nach dem Krieg in Israel aufgeschrieben, ihre Tochter Tamar hat sie später ins Deutsche übersetzt und in eine für Kinder verständliche Sprache gebracht.

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"Denn meine eigenen Kinder und Enkel haben mich gefragt, wie meine Mutter und ich das damals überleben konnten", sagte die in der Nähe von Köln lebende Tamar Dreifuss bei ihrer Lesung in der Realschule. "Ich erzähle meine Geschichte, damit die junge Generation verstehen lernt, warum sich das, was damals geschah, niemals wiederholen darf", fügte die 77-jährige Zeitzeugin hinzu.

Mit jüdischen Liedern begleitete die Sängerin und Akkordeonistin Katharina Müther mit Schülern der Klasse 9f der Hugo-Höfler-Schule die Lesung. Auf einem Workshop hatte man sie zuvor gemeinsam einstudiert. Teilweise waren die Lieder in jiddischer Sprache.

Am Abend wurde im Blauen Haus die Wanderausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg" eröffnet. In ihr hat der renommierte litauische Fotograf Antanas Sutkus Ende der 1980er Jahre Überlebende des jüdischen Ghettos von Kaunas (Litauen) porträtiert. Die schwarz-weiß Aufnahmen sind überaus eindrucksvoll. Zusätzliche Infotafeln unterrichten über die Ermordung der litauischen Juden zwischen 1941 und 1944. Bei der Vernissage spielten Katharina Müther (Akkordeon) und die Lehrerin Charlotte Waibel (Cello) Klezmer-Musik.

Zusammen mit ihren Kollegen Regina Maußner und Oliver Staib leitet Waibel an der Realschule das Projekt "Wider des Vergessens", das sich auf vielfältige Weise mit der Geschichte der Vernichtung des europäischen Judentums durch das Hitler-Regime auseinandersetzt.

Bürgermeisterstellvertreter Lothar Menges, der als Repräsentant der Stadt Breisach an der Ausstellungseröffnung teilnahm, betonte die Bedeutung des Gedenkens an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Mit Gemeinderat Reiner Zimmermann (SPD) reist Menges in Breisachs polnische Partnerstadt Oswiecim, dem ehemaligen Auschwitz. Die beiden Kommunalpolitiker repräsentieren die Europastadt dort bei der zentralen Feier zum Holocaust-Gedenktag.

Kontakt und Info: info@juedisches-leben-in-breisach.de

Die Ausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg" im Blauen Haus in Breisach (Rheintorstraße 3) kann bis Ende Februar jeweils mittwochs von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung besucht werden.

Autor: Kai Kricheldorff