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21. Juli 2012 00:03 Uhr

Teil 5

Leserfragen: Ersparnisse in Zeiten der Krise – was tun?

Die Eurozone ist in der größten Krise ihrer Geschichte. Die Sparer sind verunsichert. Was sollen wir mit unserem Geld tun? Sind ältere Lebensversicherungen sicher? Finanztest-Redakteurin Karin Baur gibt Antworten.

  1. Karin Baur Foto: BZ

  2. Wird das Sparschwein bald nutzlos? Viele Bundesbürger fürchten wegen der Eurokrise um ihr Geld. Foto: dpa

Aufgrund der zurückliegenden Leitzinssenkung der EZB auf 0,75 Prozent ist für Guthaben bei Banken nur noch eine sehr geringe Verzinsung zu erwarten. Lohnt es sich überhaupt noch, Ersparnisse von Privatanlegern bei einer Bank zu belassen?
... fragt Klaus Hoefert, Weil am Rhein

Es kommt auf die Bank an. Die besten Tagesgeldzinsen finden Sie bei Online-Anbietern. Moneyou zum Beispiel, der Online-Ableger der niederländischen ABN Amro Bank, bietet 2,45 Prozent pro Jahr, und zwar schon ab dem ersten Euro. Cortal Consors zahlt für Neukunden 2,4 Prozent, die Volkswagen Bank Direct 2,3 Prozent pro Jahr, jeweils zeitlich befristet. Diese Angebote dienen vor allem dazu, neue Kunden zu gewinnen. Tagesgeldzinsen können sich zudem täglich ändern. Sie sollten daher regelmäßig prüfen, ob Ihre Bank noch zu den Top-Anbietern gehört und gegebenenfalls wechseln. Prüfen Sie auch, ob Ihre Ersparnisse durch Einlagensicherungsfonds abgesichert sind. Aktuelle Spitzenangebote und ihre jeweilige Einlagensicherung finden Sie unter http://www.test.de/zinsen Der Aufwand kann sich lohnen. Zum Vergleich: Volksbank Freiburg und Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau bieten zurzeit weniger als ein Prozent pro Jahr für Tagesgeld. Aber vielleicht fühlen Sie sich bei Ihrer Filiale um die Ecke gut aufgehoben – das kann auch viel wert sein.

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Wie verhält man sich angesichts der Krise richtig? Soll man Geld, das man übrig hat, besser ausgeben oder lieber Kredite abbezahlen?
...  fragt Ulla Pons

Klare Antwort: Auf jeden Fall lieber Kredite abbezahlen. Das würde ich Ihnen auch raten, wenn Sie gefragt hätten, ob Sie lieber Geld anlegen sollen oder Kredite abbezahlen. So viel Zinsen, wie Sie dadurch sparen, bekommen Sie mit keiner Geldanlage, jedenfalls mit keiner sicheren. Am teuersten sind Dispokredite. Es ist auch keine gute Idee, in Erwartung einer Inflation Kredite aufzunehmen. Erstens wissen Sie nicht, ob die Inflation tatsächlich kommt – im Moment zumindest sinkt die Inflationsrate. Und zweitens können Sie Ihren Kredit nur dann leichter abbezahlen, wenn Ihr Gehalt dann genauso steigt wie die Preise.

Sind bestehende ältere Lebensversicherungen sicher? Bekommt man wegen der Eurokrise weniger zurück, als man einbezahlt hat? Wäre eine Beitragsfreistellung derzeit klug?
... fragt Peter Wüger


Lebensversicherungen sind immer noch sicher und Sie bekommen ausgezahlt, was Ihnen bei Vertragsabschluss garantiert wurde. Bei älteren Verträgen sind die Garantiezinsen höher als bei Neuverträgen, in den neunziger Jahren etwa gab es zeitweise vier Prozent. Wegen des allgemein niedrigen Zinsniveaus fallen aber die Überschüsse weniger üppig aus als früher. Wenn Sie vor 2005 abgeschlossen haben, bekommen Sie die Auszahlung nach Ablauf von zwölf Jahren steuerfrei. Sie sollten es sich daher gut überlegen, ob Sie den Vertrag beitragsfrei stellen wollen. Mit einer Einschränkung allerdings: Der Beitrag für die Versicherung sollte Sie nicht überfordern und es sollte nicht Ihre einzige Geldanlage sein.

Ist es sinnvoll, die ersparten Euro auf eine Schweizer Bank zu transferieren,in Schweizer Franken umzutauschen und die Zinsen in der deutschen Einkommensteuer-Erklärung anzugeben? Wenn nicht: Warum bringen dann vermögende Leute aus aller Herren Länder ihr Geld in die Schweiz?
...  fragt Wilhard Kehl


Ein Motiv wird klar, wenn Sie sich die aktuellen Ereignisse um die Crédit Suisse und den Kauf von Daten-CDs durch die deutschen Steuerbehörden anschauen: Zumindest einige dieser vermögenden Leute wollten die Zinsen eben nicht in einer Einkommensteuer-Erklärung angeben. Abgesehen davon gilt der Schweizer Franken seit je als Fluchtwährung in Krisenzeiten. Die Zinserträge spielen eine untergeordnete Rolle, für zehnjährige Staatsanleihen gibt es derzeit rund 0,5 Prozent pro Jahr, für ein- und zweijährige Papiere sogar Negativzinsen: minus 0,5 Prozent pro Jahr. Sie bezahlen den Staat dafür, dass Sie ihm Geld leihen dürfen. Auch Währungsgewinne gibt es mit dem Franken kaum noch, seit die Schweizer Nationalbank im Sommer vergangenen Jahres zum Euro ein Kursziel von 1,20 Franken je Euro festgelegt hat.


Für meine Altersvorsorge habe ich eine fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen, die bald fällig wird. Wie soll ich das freigewordene Geld anlegen? Soll ich alles in norwegischen Staatsanleihen investieren?
... fragt Susanne Steck
, March

Bloß nicht! Es ist keine gute Idee, alles in eine einzige Anlage zu stecken. Das gilt in der Geldanlage immer und umso mehr in einer Krise. Es spricht aber nichts gegen eine Beimischung norwegischer Staatsanleihen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat Norwegen mit der Bestnote, einem AAA, bewertet. Das Land verfügt über Öl und hat kein Schuldenproblem.

Aber jetzt einmal angenommen, der Euro würde zerbrechen: Die neue Mark würde stark aufwerten und gegenüber anderen Währungen wie Dollar, Franken oder eben der norwegischen Krone an Wert gewinnen, sind sich die Experten einig. Und alle Leute, die ihr Geld in diesen Währungen in "Sicherheit" gebracht haben, müssten es unter Verlust zurücktauschen. Sie sehen, mit solchen Anlagen gehen Sie unter Umständen ein hohes Risiko ein. Währungsverluste können schnell 20, 30 Prozent ausmachen, binnen kürzester Zeit.

Sie wollten wissen, was Sie mit Ihrem Geld am besten machen. Legen Sie einen Teil auf Tagesgeld, damit Sie schnell darauf zugreifen können. Den größeren Rest verteilen Sie auf sichere und riskantere, dafür aber renditeträchtigere Geldanlagen. Ein gut gestreutes Depot könnte mehrjährige Zinsprodukte von Banken enthalten, Anleihen oder Rentenfonds sowie Aktien oder Aktienfonds, eventuell auch Immobilieninvestments. Was für Sie passt, hängt unter anderem von Ihrer Risikobereitschaft ab und davon, wie lange Sie anlegen wollen.

Lassen Sie sich fachkundig beraten. Gehen Sie zu Ihrer Hausbank, machen Sie sich die Mühe, sich bei einer anderen Bank oder einem freien Finanzvermittler eine Zweit- oder auch Drittmeinung einzuholen, damit Sie verschiedene Angebote vergleichen können. Eine Anlageentscheidung braucht Zeit.

Ich befürchte wegen der Eurokrise Verhältnisse wie in den 20er Jahren, als es in Deutschland eine große Inflation gab, und viele Leute ein Vermögen verloren haben. Wie lege ich Geld derzeit sicher an? Ich verzichte dabei gerne auf Rendite.
... fragt Wolfgang Goecke


Sicher und gleichzeitig inflationsgeschützt anlegen, das könnte schwierig werden. Vor Inflation schützen Sachwerte, beispielsweise Immobilien oder Aktien. Im Unterschied zu Zinsanlagen verleihen Sie damit Ihr Geld nicht, sondern erwerben Eigentum. Dieses ist jedoch nicht vor Verlust gefeit. Die Risiken von Aktien kennt jeder. Aber auch Immobilien sind nicht so sicher, wie viele Leute denken. Am falschen Ort gebaut oder gekauft, verliert ein Haus oder eine Wohnung schnell mehrere tausend oder sogar Zehntausende Euro an Wert. Eine Immobilie stellt außerdem ein hohes Klumpenrisiko im Gesamtvermögen dar. Kaum jemand kann sich eine Immobilie und dazu noch ein breit gestreutes Depot leisten. Im Gegenteil: Die meisten Leute müssen ihre Immobilie über lang laufende Kredite finanzieren.

Natürlich ist nichts gegen ein selbst genutztes Eigenheim einzuwenden, doch da spielen noch andere Faktoren eine Rolle, nicht in erster Linie die Rendite. Aktienfonds dagegen passen gut auch in kleinere Depots. Doch vor Aktien scheuen viele zurück. Viele haben zur Jahrtausendwende während der New-Economy-Euphorie schlechte Erfahrungen mit der Börse gemacht. Mit einem über mehrere Länder und Branchen gestreuten Aktienfonds – Welt oder Europa – sollten derartige Einbrüche nicht passieren. Wie Sie in der aktuellen Ausgabe von Finanztest lesen können, halten Fachleute die Aktien europäischer Unternehmen für aussichtsreicher als zum Beispiel die amerikanischer Firmen – weil sie über viel technisches Wissen verfügen und in ihrer Sparte oft Weltmarktführer sind.


Was machen Banken überhaupt mit unseren Ersparnissen? Und wie sicher sind diese Ersparnisse?
... fragt Hilde Rischen

Das Geld ihrer Kunden geben die Banken entweder als Kredite weiter oder sie legen es selbst am Kapitalmarkt an und kaufen Aktien und Anleihen dafür. Die Ersparnisse der Kunden sind über Einlagensicherungen geschützt. Gesetzlich vorgeschrieben sind 100 000 Euro je Bank und Kunde.

Der private Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken schützt die Ersparnisse privater Anleger de facto unbegrenzt – vorausgesetzt die Pleitebank ist dort Mitglied. Sparkassen und Volksbanken helfen sich jeweils untereinander, um den Zusammenbruch einer Volksbank oder einer Sparkasse schon von vornherein zu verhindern.
Zur Person: Karin Baur

Die aus Wittnau bei Freiburg stammende Journalistin (44) arbeitet seit 2000 für die Zeitschrift Finanztest, die von der unabhängigen Stiftung Warentest herausgegeben wird. Dort kümmert sie sich um Geldanlagethemen. Zuvor schrieb sie für unterschiedliche Redaktionen der Badische Zeitung.

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Autor: xdml