Ein Hauch von Abenteuer und Historie

Volker Münch

Von Volker Münch

Mo, 19. Juni 2017

Eschbach

Mittelaltermarkt und historische Sonnwendfeier im Gewerbepark Breisgau bieten den Besuchern lebendigen Geschichtsunterricht.

ESCHBACH. Mittelalter live: Ungewohnte trompetenartige Töne, das metallisch klirrende Geräusch von Schwertern, die aufeinander schlagen, und immer wieder lautstarkes "Jubel!" künden vom Lagerleben der Ritterschaften, der historischen Kaufleute, des Gesindes und der Gaukler. Einmal in die Welt des Mittelalters eingetaucht, konnten die Besucher des Mittelaltermarktes und der historischen Sonnenwendfeier am Wochenende im Gewerbepark Breisgau die Vielfalt der europäischen Regionen und der unterschiedlichen Epochen erleben.

Wer unter dem Stress der schnellen Kommunikationsmedien leidet, konnte für Entschleunigung sorgen, wenn er respektive sie sich mit Freunden oder Familienmitgliedern auf den Weg in den Gewerbeparks machte. Totenköpfe sowie original nachempfundene Zelte und Einrichtungsgegenstände aus der Zeit zwischen dem sechsten und dem 15. Jahrhundert sorgten für ein besonderes Ambiente, bei dem den Zuschauern ein Hauch von Abenteuer und Geschichte um die Nase wehte. Und dann die Kostüme – Verzeihung, die Gewänder, die der Kleidung der Menschen jener Zeit nachempfunden sind.

Genuss und hohen Unterhaltungswert bot die Demonstration des Lebens in den Lagern der Sippen und Ritterschaften. Wikinger, Ritter, einfache Krieger, Handeltreibende, Gaukler, Musiker und natürlich der Medikus zeigten den Alltag jener Zeit. Da wurden aus einzelnen Metallringen Kettenhemden hergestellt, die in der damaligen Zeit etwa den Gegenwert eines Einfamilienhauses hatten und nur sehr betuchten Rittern angelegt wurden. Schaurig, lustig und beeindruckend zugleich – betrachtet man das aus heutiger Zeit – war das Treiben des Medikus. Er wurde übrigens von einem echten Arzt verkörpert, der mit einem Augenzwinkern gleich zum Aderlass oder zur Operation bat, bei der eine Pfeilspitze mit brachialen Werkzeugen entfernt wurde. Das beste Mittel damals gegen Wundbrand: die Amputation ganzer Gliedmaßen.

Für die Mitglieder der Gruppen ist es mehr als nur ein Zurschaustellung oder ein Spiel. Es ist auch das Vermitteln von Wissen über das Leben der Menschen im Mittelalter. Und das hatte wenig mit Romantik zu tun, sondern war durchaus beschwerlich, manchmal auch gefährlich, schweißte aber auch Clans, Sippen und Stämme zusammen. Es war – das konnten die Besucher erleben – ein völlig anderes Lebens als heute. Auf dem Marktplatz gab es viel historische Handwerkskunst zu sehen: Gewandmeisterinnen, Kräuterfrauen, ein Schmied, Korbbinder, Holzschnitzer und so mancher fahrende Händler und Hökerer buhlten an anderen Ständen um die Gunst des Publikums.

Diesmal waren es deutlich mehr Lager mit Bewohnern, die zum Event gekommen waren. "Es sind in diesem Jahr 20 Lager", freute sich Manfred Korpel, der das Ereignis mit seinem Bruder Roland und Josef Zehner, Vorsitzender des Vereins "Historisches Eschbach", organisierte.

Gastfreundschaft wurde in den Lagern vieler Ritterschaften und Clans groß geschrieben. Sie freuten sich, wenn Besucher um Eintritt baten und sich für die Geschichte der jeweiligen Gruppe interessierten. Es war ein lebendiger Geschichtsunterricht, den Jung und Alt erlebten. Um die Gruppen wie "’s lumbegsindel" aus Waldkirch, die Spielleute "Skadefryd" aus Bad Säckingen und um den Gaukler "Franz von Schabernack" bildeten sich Menschentrauben. Bei Einbruch der Dunkelheit setzte sich der Fackelzug durchs mittelalterliche Dorf in Bewegung. Dann wurde nach einer Feuershow das Sonnenwendfeuer entzündet.

Bildergalerie im Internet unter http://www.badische-zeitung.de