"Des Kind het alli Litt gárn"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 24. Dezember 2016

Ettenheim

Die ersten Tage nach der Geburt vom "Kind in der Krippe zu Bethlehem" werden von Martin Winterhalter "uff alemannisch" erzählt.

ETTENHEIM. Was darf an Weihnachten nicht fehlen, wenn alle um den Baum versammelt sind und die Lichter brennen? Natürlich die Weihnachtsgeschichte. Der Ettenheimer Muettersprochler Martin Winterhalter beschreibt in einer ganz speziellen Version, wie die Menschen auf die Geburt im Stall reagiert haben – im Dialekt auf alemannisch, in gereimter Form und in einer Mischung aus Monolog und Erzählung. Die Geschichte beginnt in einem Haus in Bethlehem, in dem die Erzählende von Neugier gepackt ihren Ehemann Karl zu einem Besuch der Fremden im Ort überredet, die da mit einem Kind in einer Krippe vor der Stadt leben.

"Es dát mi halt scho indressiäre, / was diä im Schdall fir á Láwe fehre! / Un jetze noch dár Knäggis drzüe! / Karli , s`losst mir eifach kei Rüeh; / mir gehn zalwander dert nüs, wánns dunggelt; / ás wurd im Dorf sowiso scho gnüe gmunggelt: / Si hewe dár Klei in á Kripf nii glegt, / wahrschins, well des meh d`Barmhárzigkeit weckt! / D`Seffe het gsait, si dát s`Sozialamt riäfe / un diä sodde zmindescht ámol iwerpriäfe, / was des do fir komischi Flichtling sinn! / Ámánd illegal – un fir s`Dorf kei Gwinn! / Mir lüege hit zowe, ich wills eifach wisse, / mir leen uns nit allewil no meh bschisse!"

S`isch dunggel, dr Karli un ich gehn los/ un schliche heimlig entlang dr Schdroß /bis hinders Dorf, dert d`Hohlgass nuff / gottlob, am Schdall schdoht d`Diir noch uff! / Jetz schnáll an dám ridige Hund vorbeij / un scho simmer drin! / Oh Heimatland, mei / uns isch schir d`Kinnlad uff d`Bruschdwarze keijt, / wu diä jung Müeder uffem Heiballe kneijt, / ganz seligfrehlig wiä verklärt, / diä het unser Kumme iwerhaupt nit ghärt / un hindedra – kei Hamberli – naij / á schdattliger Mann – / un drno dár Klei, / nit wiä wánn`r grad gebore wár, / dár lüegt bigelschdna heider drhár / un zawelt un freit sich un gickst un lacht, / dass mi Hárz beijnah á Hopser macht!
Já, un des Liächt, des glitzert áso, /dr meinsch do hinn seij s` Schdrau sogar froh; /un s`schdinkt nit noch Schofschdall oder dárgliche, /wiä Parfüm düets um d`Nas rumschdriche /un wiä wánn ebber dát Müssig mache /un Kinder singe un lüdder so Sache. / I hab mi grad gschámt ab dám Gschwátz vun drheim, /wám`mr goscht un nit weiss, no blamiärt des eim; /s`einzig Gfihl isch dr Dadderich gsi , /am liäbschde wár i in Bode nii!

Uns isch hit à Heiland gebore, / á Gotteskind isch uff d`Wált gschickt wore, / wu uns soll Freid un Sàge bringe / un Friide, Friide vor alle Dinge
Doch diä Frau un dár Mann, diä hánn nur gláchelt / un náwehár dám Kleine gfáchelt / un kei Wort gsait, diä hánn sicher dánkt, /au dr Owergscheijde wurd d`Erleijchdung gschánkt. /Ganz pletzlig fangt dr Karli a z`summe, / dr Ochs an dr Kripf fangt lislig a z`brumme / un üs mir brichts wiä`ne ganzer Chor: / Uns isch hit à Heiland gebore, / á Gotteskind isch uff d`Wált gschickt wore, / wu uns soll Freid un Sàge bringe / un Friide, Friide vor alle Dinge; / mir solle uffhäre mit Schdriddereije / un dáne blede Zámbeleijemeischdens /gohts doch nur um Hafekàs!

Schluß müeß si mit`em bese Gfrásjetz / lüege`n emol des Kindli aa, / des het kei ráchdi Windel dra / un ánáwág schdrahlt`s wiä`ne funkelnder Schdárn; / mr siht, des Kind het alli Litt gárn / un s`isch`em egal ebb dr nitt hesch, ebb /viil,
nur d`Mánsche gárn ha, des isch sii Ziil!

Dr Karli un ich sinn kleinlütt verschwunde / un heim un nix wiä á Düech zámme bunde / mit Windle un Hámmli un Bebysache / un á Schádderli, wu dár Klei kennt drab lache / un ab un zruck züe dám Kind in dám Schdall / un pletzlig sinn Ángel iweral / un ich trau mi rüs üssem dunkle Ecke: /"Do Frau, diän eijer Kind züedecke, / do lüege`n emol, des wissbleicht Fáll, /diä Windle, des Schdrambelhesli – gáll, / des lege`n Ihr dám Kind doch aa! / D`Maria nickt, legt`s náwedra /un nimmt des Kind in ihri Arm, /un gitt `em üs ihrem Hárz rüs warm!