Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. Juli 2017

Ein sehr ambitioniertes Chorprojekt

Geistliches Konzert der Chorgemeinschaft aus Münchweier und des Kammerchors Cantemus aus Gundelfingen in St. Bartholomäus.

  1. Kirchenchor und Kammerchor in der Ettenheimer Barockkirche Foto: Olaf Michel

  2. Sebastian Bausch an der Orgel und der Chorleiter digital auf dem Bildschirm Foto: Olaf Michel

ETTENHEIM. Mit ihrem geistlichen Konzert hat die Chorgemeinschaft des katholischen Kirchenchors Heilig Kreuz, Münchweier, und der Kammerchor Cantemus aus Gundelfingen die vielen Zuhörer am Sonntag in der Pfarrkirche St. Bartholomäus begeistert. Chorleiter Bernhard Schmidt hatte zum Thema "Ewigkeit" Orgelstücke französischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts ausgewählt – ein sehr ambitioniertes Chorprojekt, bei dem Gesangsstücke von Charles-Marie Widor, Louis Vierne, Gabriel Pierné und Maurice Ravel zur Aufführung kamen.

Eine kleine Ewigkeit lang dauerte schon der Einzug der Sängerinnen und Sänger. Mehr als 100 Chormitglieder füllten die Stufen des festlich erleuchteten Kirchenraums. Das Prélude ließ das Klangspektrum der Orgel bereits zu Beginn unter den Händen von Sebastian Bausch in heiterer Weise erklingen. In Widors Kyrie und Gloria trugen die gewaltigen Orgeltöne zusammen mit den Sopran-, Alt-, Bass- und Tenorstimmen die Herzen der Zuhörer hinauf in himmlische Höhen. Triumphales Pathos, sehr verwandt mit dem eines Georg Friedrich Händel, lässt Widor in seinem Werk aufleuchten. Fast erschien selbst der mächtige Innenraum der Ettenheimer Pfarrkirche zu klein für dieses mächtige Klangpotenzial. Zum Ausgleich folgte die eher stille, nachdenklich stimmende Cantilène des heute nahezu vergessenen Pierné. Kurzweilig und für das Ohr erholsam auch dessen Scherzando.

Werbung


Hier galt die Aufmerksamkeit dem feinen und präzisen Orgelspiel des Organisten Bausch, der seit 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Bern sein Orgel- und Klavierspiel vervollkommnet. Von den Zuhörern nahezu unbemerkt die Spielhilfen für den Organisten, alle Register wurden abwechselnd gezogen. Nach den Erläuterungen des Chorleiters Schmidt hätten sie früher von fünf Personen gleichzeitig bedient werden müssen.

Dunkel mystisch dann das Agnus Dei von Widor, dem Grandseigneur der französischen Orgelmusik am Ende des 19. Jahrhunderts. Man spüre in dessen Kompositionen den Stolz auf den Anspruch Frankreichs in der Regierungszeit von Napoléon III, aber auch die Zerrissenheit der damaligen französischen Gesellschaft zwischen Monarchie und Republik.

Die Kompositionen von Louis Vierne, dem begabten Schüler Widors und seit 1900 Titularorganist an der Kathedrale Notre-Dame zu Paris, wiesen eine Mäßigung in der Expressivität auf. Die Chorgemeinschaft konnte dies gegen Ende des Konzerts auch angemessen zum Ausdruck bringen. Die Kompositionen von Maurice Ravel, hier als Orgelbearbeitungen, rundeten die interessante musikalische Reise insofern ab, als hier Musiker präsentiert wurden, die alle das Jahr 1937 als Todesjahr gemeinsam haben. Für die französische Musikwelt und die Welt der Orgelmusik ein einschneidendes Ereignis und ein großer Verlust. Umso anerkennenswerter die erfolgreiche Projektarbeit von Chorleiter, Organist und den Mitgliedern der Chorgemeinschaft, genau 80 Jahre danach daran zu erinnern.

Die Akteurinnen und Akteure wurden nach ihrem großem Erfolg vom Publikum mit einem andauernden, kräftigen Applaus belohnt. Im kommenden Oktober startet die Chorgemeinschaft übrigens mit diesem Programm zu einer Konzertreise nach Genua.

Autor: Berthold Obergföll