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29. März 2012

Stolpersteine

KOMMENTAR: Die Stadt hat gewonnen

Jetzt hat der Gemeinderat der Aktion Stolperstein mit deutlicher Mehrheit den letzten Stolperstein aus dem Weg geräumt. Auf öffentlicher Fläche vor Häusern kann nun doch durch das Verlegen von Stolpersteinen der Opfer des Naziregimes gedacht werden, auch wenn die Hausbesitzer dies nicht wünschen. Damit wurde der Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2010 geheilt – und das ist gut so. Denn die historische Verantwortung der Stadt gegenüber dem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte, an dem auch in Ettenheim mitgeschrieben wurde, lässt sich nicht delegieren, nicht auf diese Weise, dass einzelne Hauseigentümer letztlich darüber entscheiden dürfen. Der mal mehr, mal weniger heftig geführte Diskussionsprozess bis zur Entscheidung am Dienstagabend hatte aber auch sein Gutes. Die Stolpersteine in Ettenheim wurden in dieser Zeit zu mehr als nur einem Teil eines bundesweiten Kunstwerkes, sie wurden zu Steinen des Anstoßes für Bürger und Schulklassen, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Ettenheims auseinander zu setzen. Das war für das auf Harmonie ausgerichtete und angewiesene Klima – auch das politische – einer Kleinstadt ein bemerkenswerter Prozess. Ein Prozess, bei dem – so ist zu hören – auch Gegner der Aktion zu einer veränderten Sichtweise gelangten. Jetzt kann der Kölner Künstler Gunter Demnig sein Stolperstein-Projekt auch in Ettenheim fortsetzen und zu drei bereits verlegten Steinen in der Stadt drei weitere hinzufügen. Die Stadt hat dadurch gewonnen.

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Autor: Klaus Fischer