Musikfreunde rappen die Schulen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 21. September 2017

Ettenheim

Verein organisiert Workshops mit dem HipHop-Duo Zweierpasch / Abschlusskonzert am 20. Oktober in der Aula der Heimschule.

ETTENHEIM. Der Organisation klassischer Konzerte haben sich die Musikfreunde Ettenheim verschrieben. Das bedeutet indes nicht, dass sich Macher nur auf klassischen Pfaden bewegen, sich nicht an Neues wagen oder experimentieren. Mit einem neuen Projekt nähern sie sich nun der Popkultur an: Hip-Hop-Workshop im Französischunterricht. Alle Ettenheimer Schulen sind dabei. Unterstützung holen sich die Musikfreunde beim deutsch-französischen Hip-Hop-Duo Zweierpasch und bei der Romanistik-Professorin Eva Kimminich, die unter anderen die Popkultur erforscht.

Zweierpasch – das sind die Zwilling Felix und Till Neumann (33). Unter dem Motto "zwei Stimmen – zwei Sprachen" setzt sich das Brüderpaar für einen interkulturellem Austausch und ein friedliches Europa ein. Es ist mit diesem Programm und diesem Anspruch seit einigen Jahren im deutsch-französischen Grenzgebiet unterwegs – Till Neumann lebt in Freiburg, sein Bruder Felix in Kehl. Die Brüder touren inzwischen durch die ganze Welt. Im vergangenen Jahr waren die beiden mit einem Projekt "Together as One" acht Tage in Kasachstan, um mit kasachischen Jugendlichen auf verschiedenen Sprachen zu rappen. In der dritten Oktober-Woche kommen die beiden musikalischen Diplomaten nach Ettenheim und werden mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe acht bis zehn an Gymnasium und Realschule von Heimschule, dem Bildungszentrum und dem städtischen Gymnasium rappen und gemeinsam mit den Teilnehmern in der Heimschule-Aula ein Konzert geben.

"Als wir mit unserem Angebot an die Schulen gingen, war das Echo enorm. Die Fachlehrer waren gleich Feuer und Flamme", erinnert sich Wolfgang Ewald vom musikalischen Beirat der Musikfreunde und Initiator des Projekts. Einer, der Feuer und Flamme war, ist beispielsweise Wolfgang Mutter, Leiter der Fachschaft Französisch an der Heimschule: "Es gibt bei diesen Workshops zwei Aspekte. Zum einem passen die Inhalte wunderbar in die Lehrpläne, die neben dem Bekanntmachen der Kultur des Nachbarn auch den Anstoß von Freundschaften über Austauschprogramme beinhalten. Zudem bedeutet der Einstieg in die französische Sprache und deren Vertiefung über Hip-Hop für die Schülerinnen und Schüler natürlich zusätzlich Motivation. Man könnte sagen, die Workshops sind pädagogisch besonders wertvoll."

Der Anstoß zum Projekt an den Ettenheimer Schulen kam übrigens von Eva Kimminich. Die Romanistik-Professorin mit Wohnsitz in Münchweier beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit Sub- und Jugendkulturen, lehrt derzeit an der Uni Potsdam, war in früheren Jahren aber auch Dozentin an der Uni Freiburg. Für viele Pädagogen an Ettenheimer Schulen, die in Freiburg studierten, ist sie deshalb keine Unbekannte. Auch die Zwillinge Felix und Till Neumann zählten an der Freiburger Uni zu ihren Studenten. "Über Eva Kimminich liefen dann auch die ersten Kontakte zu Zweierpasch. Sie war gewissermaßen unser Türöffner", sagt Wolfgang Ewald.

Die Zusammenarbeit soll intensiviert werden

Aus Sicht der Musikfreunde werden die Zwillinge nicht nur als "lyrische Grenzgänger" nach Ettenheim kommen, sie erhoffen sich mit diesem Angebot auch auf Dauer einen besseren Kontakt zu den Schulen in der Stadt. Denn bisher war der Zuspruch von Schülerinnen und Schülern bei den besonderen Angeboten der Musikfreunde für Jugendliche und Kinder eher überschaubar, und auch die Kooperation mit dem Musikpädagogen an den Schulen empfanden die Musikfreunde eher als "ausbaufähig".

"Wir erhoffen uns schon einen Impuls für eine intensivere Zusammenarbeit mit den Schulen und Pädagogen. Denn unser Verein ist vor einem Jahrzehnt nicht nur angetreten, um mit dem Ettenheimer Musiksommer vier Klassik-Konzerte in die Stadt zu bringen. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, die Musikpädagogik in der Stadt zu fördern. Wir versuchen dies seit etwa sieben Jahren mit speziellen Angeboten im Herbst", erklärt Eugen Weber, Finanzchef und Mitbegründer.