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25. September 2012

Stadtlauf sagt der Altstadt adieu

Ettenheimer Traditionssportveranstaltung verpasst sich zum Jubiläum ein Lifting / 1983 als Saisonabschluss ins Leben gerufen.

  1. Ein Foto fürs Geschichtsbuch: Der Startschuss des Stadtlaufs – hier die Mädchenklasse – auf dem Marienplatz. Foto: Sandra Decoux-Kone

  2. Sehen neue Perspektive für den Stadtlauf: Peter Zepner (links) und Carl Anton Weber Foto: FI/dec

ETTENHEIM. Wer der Attraktivität im Alter etwas nachhelfen will, versucht’s mit einem Lifting. So dachten wohl auch im Leichtathletikverein Ettenheim die Macher des Ettenheimer Stadtlaufs. Bei seiner 30. Auflage am 7. Oktober wird deshalb die Streckenführung erstmals die Altstadt verlassen und hinaus in die Natur führen. "Wir standen vor der Wahl, in Schönheit zu sterben, oder wieder attraktiv für die Breite an Hobbyläufern zu werden, die lieber auf geraden Asphaltstrecken als auf Pflaster mit vielen Richtungsänderungen läuft", spricht LVE-Vorsitzender Carl Anton Weber Klartext.

Klare Worte, die im Leichtathletikverein zunächst nicht nur Zustimmung fanden, die aber auf praktisches Handeln ausgerichtet sind. Denn die große Linie wird vom gesamten Verein getragen: Es geht um den Erhalt einer Sportveranstaltung in Ettenheim mit Tradition. Mit dem Stadtlauf reagierten die Ettenheimer vor 30 Jahren als eine der ersten Vereine in der Region auf einen Trend: Große Laufspektakel außerhalb der Stadien. "Der Ur-Gedanke war eigentlich, im Herbst noch einmal einen richtigen Saisonabschluss für sportlich ambitionierte Läufer zu schaffen. Heinz Hüglin war da Vordenker und Vorbereiter", erinnert sich Peter Zepner, Ehrenvorsitzender des Vereins und mit 73 Jahren eine der Lauflegenden im Verein. An die läuferischen Qualitäten eines Heinz Hüglin, dem dreifachen Deutschen Meister im 100-Kilometer-Lauf, reichten seine Leistungen zwar nicht heran, aber wie Hüglin begeisterte er sich für die Idee "Plausch-Lauf" zum Saisonende. Und ihr Funke sprang über.

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Und noch ein Gedanke steckte hinter ihrer Initiative: Auch Ettenheim war nämlich von der ersten Jogging-Welle, die Ende der 1970er Jahre über den großen Teich von Amerika nach Europa herübergeschwappt war, erfasst worden. Die ersten Lauftreffs hatten sich mit Unterstützung des LVE etabliert. Und über den Stadtlauf sollten den ambitionierten Hobbyläufern auch eine Möglichkeit geschaffen werden, mit den Großen der Branche im Feld mitzulaufen. Für die großen Namen in den Startfeldern sorgten dann die Kontakte von Heinz Hüglin. In den 1980er Jahren – 1983 wurde der erste Stadtlauf gestartet mit Reinhard Ächtle aus Emmendingen als Sieger im Hauptlauf – finden sich den auch die Namen von Lauflegenden wie Herbert Steffny (1985) oder Dieter Baumann (1987) in den Siegerlisten. Mit den großen Namen stieg auch schnell das Interesse bei Läufern und Publikum am Ettenheimer Stadtlauf, der Ende der 1980er Jahre und bis weit in die 1990er Jahre hinein über starke Teilnehmerfelder in Läuferzahl und Qualität nicht zu jammern brauchte.

Indes hatte diese Entwicklung auch ihre Begleiterscheinungen. Denn um die sportliche Qualität Jahr für Jahr zu halten, mussten auch die Zugpferde stimmen – und die ließen sich ihre Rolle auch bezahlen. Ein paar hundert D-Mark waren in dieser Ära als Siegprämie obligatorisch. Und da die Ettenheimer etwas auf ihren Stadtlauf gaben, wurde auch nach den Laufwundern aus Afrika Ausschau gehalten. Zwischen 1995 und 1997 kamen die Siegerläufer aus Kenia. "Dann ging uns das Ganze gegen den Strich. Wir wollten immer noch den Plausch mit den Stars nach dem Lauf genießen, die hielten aber nur noch die Hand auf, um die Laufprämie zu kassieren und waren dann weg. Dieses Abgrasen machten wollten wir nicht länger mitmachen", erinnert sich Zepner. Um die Jahrtausendwende wurde das Prämiensystem wieder umgestellt. Fortan gab es nur noch Sachpreise für die Sieger.

Auswirkungen auf den organisatorischen und finanziellen Aufwand für den Verein hatte diese Veränderung indes kaum. "Bei den Preisgeldern wurde der Verein entlastet, aber jetzt stiegen die Aufgaben und Ansprüche drum herum", erklärt Carl Anton Weber. Um mit der immer größer werdenden Zahl von Veranstaltern von Laufwettbewerben auch in der Organisation qualitativ Schritt zu halten, mussten elektronische Zeitnahme, Zielbogen, Internetpräsenz und eine moderne Anmeldeprozedur her. "Das können nur noch professionelle Dienstleister leisten, was zugleich auch die Kosten für Veranstalter nach oben treibt", sagt Weber. Die zwingende Reaktion: Das Werben um Sponsoren wurde für die Veranstaltung überlebenswichtig. Dass Sponsorensuche ein hartes Brot darstellt, ist hinlänglich bekannt. Doch bewies der LVE ein glückliches Händchen bei der Pflege von Betrieben in Handel und Wirtschaft, die seit Jahren den Stadtlauf unterstützen. Zugleich gelang es den Machern mit German Pellets und Auto Bayer zwei Hauptsponsoren von der Qualität der Veranstaltung zu überzeugen.

Das setzte auch neue Kräfte frei, um sich einem anderen Problem zuzuwenden: Den sich ausdünnenden Läuferfeldern, einem schleichenden Prozess über Jahre. "Als eine Ursache haben wir die Streckenführung analysiert. Die engen Windungen und das Kopfsteinpflaster in der Altstadt wird von den Hobbyläufern nicht geliebt. Und dass Start- und Zielbereich am Marienplatz vom Fest- und Siegerehrungsort Stadthalle getrennt liegt, ist ebenso nicht optimal", sagt Weber.

Start, Ziel und Siegerehrung werden jetzt zum Jubiläumslauf an der Stadthalle zusammen gefasst. Und die Strecken führen von dort nach Westen auf Asphaltwegen vorbei an Feldern und Wiesen bis zum Apostelsee. Weber: "Die Läufer haben jetzt auch gerade Strecken und kommen ins Rollen. Und: Wir laufen durch das Neubaugebiet Fürstenfeld-West. Dort leben viele Laufbegeisterte, das bringt uns neues Publikum an die Strecke".

30. STADTLAUF

Die Konkurrenzen auf neuer Strecke mit Start und Ziel vor der Stadthalle Ettenheim beginnen am Sonntag, 7. Oktober, um 13 Uhr mit Bambini-Lauf (unter neun Jahre) über 450 Meter. Es folgen: 13.15 Uhr: Schülerinnen W 9 -15 über 1,8 Kilometer, 13.30 Uhr: Schüler M 9 bis 15 über 1,8 Kilometer. 14 Uhr: Jedermannslauf über 4,5 Kilometer. 14.45 Uhr: Hauptlauf über 10 Kilometer.  

Autor: fi

Autor: Klaus Fischer